merken
PLUS Großenhain

Kein Kino, kein Sport, keine Gaststätte

Die Regierung setzt vor allem Freizeit- und gastronomische Einrichtungen ab Montag auch in Großenhain außer Betrieb. Wie sich Wirte behelfen, was nicht mehr geht.

Betreiberin Silke Hübsch in der Bowlinganlage "Zur Postmeile" mit Gastronomie in Skassa. Sie muss nun für einen Monat schließen.
Betreiberin Silke Hübsch in der Bowlinganlage "Zur Postmeile" mit Gastronomie in Skassa. Sie muss nun für einen Monat schließen. © K.D.Brühl

Großenhain. Der zweite Lockdown kommt ab kommenden Montag auch in Großenhain und im Umland. Alle Institutionen und Einrichtungen, die der Freizeitgestaltung zuzuordnen sind, sind ab dem 2. November zu schließen. Das muss die Stadt jetzt umsetzen. Aktuell betrifft dies das Museum, den Alberttreff, die Senioren-Begegnungsstätte, das Kulturzentrum, die Filmgalerie und die Sportstätten. "Ob die Bücherei auch dazugerechnet wird, ist derzeit noch nicht klar", sagte Stadtsprecherin Diana Schulze am Donnerstagnachmittag.

Klar ist, dass die Gaststätten ebenfalls ab 2. November schließen müssen. Wie gehen sie damit um? Können sie ihre Erfahrungen vom Frühjahr wiederverwenden?

Wandern
Schritt für Schritt
Schritt für Schritt

Gerne an der frischen Luft und immer in Bewegung? Wanderwege, Tipps und Tricks finden Sie hier.

"Wir sind doch keine Verpflegungsstation!" klagt Stephan Säurig vom Großenhainer Bergkeller. Sein Restaurantteam überlegt, den Lieferservice vom ersten Lockdown eventuell wieder aufleben zu lassen. Aber wohl wäre dem Restaurantchef damit nicht. "Das ist doch nur Beschäftigungstherapie. Wir sind eine ordentliche Gaststätte und wollen nicht in Assietten ausliefern", bemängelt Säurig. Man sei ja kein Imbiss, das Geschäftsmodell des Bergkellers ist ein Anderes. 

Das Haus in Zschieschen habe derzeit noch jede Menge zu tun. Es kämen noch viele Reservierungen rein. Unter wirtschaftlichem Gesichtspunkt ist das Gaststättenverbot für Stephan Säurig natürlich eine unverständliche Entscheidung. "Ich hätte es nicht gedacht, dass es nochmal soweit kommt", macht sich der Großenhainer Luft. Nun will er aber das Beste aus der Situation machen und in der Schließzeit auch im Haus noch einiges baulich voranbringen.    

Auf guten Umsatz in der Vorweihnachtszeit hatte sich auch die Bowlingbahn "Zur Postmeile" von Jens Hübsch in Skassa gefreut. Doch diese Gaststätte muss ebenfalls schließen. "Ich muss meine beiden Köchinnen in Kurzarbeit schicken und fünf geringfügig Beschäftigte entlassen", sagt Silke Hübsch. Alle Unterlagen für die versprochenen 75 Prozent Entschädigung habe sie bereits an ihr Steuerbüro geschickt. Auf einen Abhol- und Lieferservice wollten sich die Mitarbeiter nicht einstellen. Das hätte sich schon im Frühjahr nicht gerechnet, dazu liege die Einrichtung zu sehr ab vom Schuss, heißt es. 

Die Parkschänke Zabeltitz wird allerdings zumindest am Wochenende wieder einen Abholservice anbieten. Das hat der beliebten Gaststätte am Barockpark schon im ersten Lockdown geholfen. Ob es auch unter der Woche funktioniert, will Wirtin Franziska Koitzsch sehen. Ihr Team gehe jetzt wieder komplett in Kurzarbeit. Monteure und beruflich reisende Hotelgäste müssen allerdings weiter versorgt werden. 

Einen Abholservice setzt auch die Gaststätte/Hotel Kupferberg wieder in Gang: hier aber nur in der Woche von 10 bis 14 Uhr. "Ich habe es derzeit jedoch sehr schwer, mein Personal zu motivieren", sagt Inhaberin Angelika Pietzsch. Den Betrieb runterzufahren, damit hätte sie leben können. Aber dass die Gastronomie wieder ganz geschlossen wird, versteht sie nicht. Nun ist die Einrichtung noch zusätzlich mit Personalplanung belastet. 

Weiterführende Artikel

Meißner Läden und Gaststätten büßen massiv ein

Meißner Läden und Gaststätten büßen massiv ein

Im Kreis Meißen gibt es am Donnerstag eine weitere infizierte Person. Die Pandemie schadet Handel und Tourismus- Branche ganz erheblich.

Ämter prüfen Corona-Regeln in Gaststätten

Ämter prüfen Corona-Regeln in Gaststätten

31 Einrichtungen in Großenhain wurden Mitte Juli kontrolliert. Beanstandungen gab es kaum.

Dass es auch Kosmetikstudios trifft, anders als Friseure, die weiter öffnen können, ruft die Handwerkervertreter auf den Plan. „Diese Schließung ist aus unserer Sicht allerdings bitter", sagt Jörg Dittrich, Präsident der Handwerkskammer Dresden. Schließlich haben gerade die Betriebe im Gesundheitshandwerk schon vor der Pandemie hohe Hygienestandards erfüllt und diese jetzt noch intensiviert. Entsprechend groß sei die Enttäuschung. Dittrich: "Es ist wichtig, dass die versprochenen finanziellen Hilfen nun schnell bei den betroffenen Unternehmen ankommen – es steht das Jahresende vor der Tür, das mit vielen finanziellen Verpflichtungen der Betriebe einhergeht.“

Mehr lokale Nachrichten aus Großenhain lesen Sie hier.

Mehr lokale Nachrichten aus Riesa lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Großenhain