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Faschingsverein geht mit Idee baden

Während der FCV auf seiner Facebookseite zum Online-Einkaufen aufruft, sagen andere: Kauft doch lieber bei lokalen Händlern ein und helft.

Nichts anzuziehen? Dann doch besser in einem Großenhainer Geschäft einkleiden, als im Internet, sagen auch Mitglieder von Folberner Carnevals Verein FCV.
Nichts anzuziehen? Dann doch besser in einem Großenhainer Geschäft einkleiden, als im Internet, sagen auch Mitglieder von Folberner Carnevals Verein FCV. © Anne Hübschmann

Großenhain. Ein Post des Folberner Karnevalvereins FCV auf Facebook erhitzte Anfang der Woche die Gemüter. In dem Aufruf hieß es: "Hey Ihr Lieben, Ihr geht gern zum Karneval , feiert gern und liebt es, unterhalten zu werden? Dann helft uns bitte, die Saison zu meistern. Damit wir wieder wie in alten Zeiten zusammen feiern können. Mit eurem Einkauf bei `aboutyou` unterstützt Ihr unseren Verein und spart dabei noch bares Geld."

Hintergrund ist, dass man beim Onlineeinkauf einen gemeinnützigen Empfänger unterstützen kann, wenn der dort angegeben ist. Ein Teil des Umsatzes kommt als Provision diesem dann zugute. Angegeben wurde vom FCV auf Facebook dazu ein Aktionscode, auch ein zehnprozentiger Rabatt wurde versprochen.

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Doch diese Vorgehensweise, Gelder für die vermutlich ausfallende Faschingssaison zu beschaffen, finden längst nicht alle Vereinsmitglieder und Fans gut. Indigo-Chef Ronny Rühle meint dazu lakonisch: "Statt den lokalen, stationären Einzelhandel darauf anzusprechen und um Unterstützung zu bitten, wird zum Online-Shopping aufgerufen." Auch andere Händler denken darüber kritisch, wollen sich aber öffentlich dazu nicht äußern.

Lediglich Vereinsmitglied Bernd Förster sagte, dass das für ihn gar nicht geht. Förster ist auch Heimatforscher und postete statt dessen einen historischen Großenhainer Aufruf, der sich bereits mit dem lokalen Einzelhandel solidarisierte. Dort bittet eine Freie Vereinigung selbständiger Handel- und Gewerbetreibender: "Kauft am Platze!" Ronny Rühle verwies deshalb auf die Hilfe für die Fördergemeinschaft Großenhain aktiv. Auch dort gibt es Onlinehandel: die Plattform "Einkaufen in Großenhain".

Der FCV erfährt Unterstützung von örtlichen Unternehmen, so Händler Rühle, und sollte nicht auf die Konkurrenz verweisen. "Die Rabatte können wir als Großenhainer Händler sicher auch gewähren und würden im Gegenzug auch die Arbeit des Vereins unterstützen." Noch etwas: "Es gibt sicherlich auch Vereinsmitglieder, die ihren Arbeitsplatz in Großenhain haben und der damit gesichert werden würde."

Plakat-Aktion in Vorbereitung

Eine offizielle Stellungnahme ist von den Faschingsleuten nicht zu erhalten. Vielleicht war der Aufruf nicht abgestimmt. Doch muss es daraufhin interne Klärungen gegeben haben. Denn am Dienstag war der Eintrag auf der Facebook-Seite des FCV verschwunden. Zu vermuten ist, dass hier jemand aus guter Absicht, aber ziemlich unsensibel, übers Ziel hinausgeschossen ist. Dem Vernehmen nach geht es dem Verein finanziell nicht wirklich schlecht.

Dass diese Diskussion Onlinehandel gegen Einzelhandel beileibe nicht nur unter den Karnevalisten geführt wird, ist spätestens seit Corona offensichtlich. Die Händlergemeinschaft mit Citymanager Alexander Ehrke gibt sich alle Mühe, Kunden in die Innenstadt zu locken - trotz Maskenpflicht und Abstandsanforderung. Schon wird eine weitere Plakataktion vorbereitet - vor allem für den Adventseinkauf. Sprüche wie "Sei loyal, kauf lokal" oder "Geh nicht fort, kauf vor Ort" sollen auf je 75 großen Plakaten für den örtlichen Einzelhandel werben. Damit die Innenstadt lebendig bleibt und nicht nach und nach Läden wegen fehlenden Umsatzes schließen müssen.

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Diese Aktion wird auch von der Stadtverwaltung mitgetragen. In dem am 25. November erscheinenden Großenhainer Amtsblatt ist eine Umschlagseite mit so einem Plakat gestaltet. Heißt es doch in der städtischen Werbung auch: "Willkommen in der freundlichen Einkaufsstadt im Grünen".

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