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Tolle Faschingsstimmung in Radeburg und Strehla

Bei den Umzügen in Radeburg und Strehla feierten Tausende am Wochenende die närrische Zeit mit originellen Wagen und Kostümen. Ganz unpolitisch war es nicht.

Von Kathrin Krüger
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Viel Gold gabs bei den Strehlaer "Pharaonen" zum Faschingsumzug am Sonntagnachmittag.
Viel Gold gabs bei den Strehlaer "Pharaonen" zum Faschingsumzug am Sonntagnachmittag. © Klaus-Dieter Brühl

Radeburg/Strehla. Mit dem 66-Jahre-Motto aus dem Lied von Udo Jürgens hatte der Radeburger Carnevals Club RCC seinen Fans eine dankbare Vorgabe geliefert. Der Faschingsumzug mit 65 Wagen, der gestern Nachmittag bei strahlendem Sonnenschein durch die Zillestadt rollte, war bis zum letzten Bild unterhaltsam und wieder ungemein kreativ. Nach zwei Jahren „C-Pause“ und „Maskenball“, wie man in Radeburg sagt, hatten sich die Umzugsgruppen aus der Region vor allem auf zwei Ideenbereiche gestürzt: Die Route 66 als Highway in den USA und der zweite Lebensstart, wie ihn Udo Jürgens besang.

Tausende teils bunt und lustig verkleideter Zuschauer verfolgten am Straßenrand das närrische Defilee der Wagen und Laufgruppen aus der näheren Umgebung und der Faschingsvereine, die oft schon viele, viele Jahre dabei sind. Und die Jury wird es schwer haben, die besten Bilder bis Faschingsdienstag herauszufinden. Ob die Riesenblüten für den Ole - den verabschiedeten Ex-RCC-Präsidenten Olaf Häßlich - gewinnen oder der gewaltige Oktopus mit seinen vielen Armen? Vielleicht auch die Außerirdischen mit den großen Kulleraugen. Oder die aufwendig inszenierte Musiktherapie in der Poliklinik? Oder die Harley-Rocker und Rabu-Biker? Auch die Sahne- und Eistüten kommen als Favoriten genauso infrage wie die hübschen Fliegenpilze im Glück, die kopfstehenden Zirkusmädchen oder die Blumen-Group, die auf Fässer trommelte.

Die Außerirdischen sind unter uns: die Gruppe Lothar Lucke mit der großen Klappe.
Die Außerirdischen sind unter uns: die Gruppe Lothar Lucke mit der großen Klappe. © Norbert Millauer
Der Zirkus ist in der Stadt.
Der Zirkus ist in der Stadt. © Norbert Millauer
Herrlich einfallsreich: Eis und Sahne mit der Gruppe Conny Ottlinger.
Herrlich einfallsreich: Eis und Sahne mit der Gruppe Conny Ottlinger. © Norbert Millauer
Die Hippies aus Rabu wünschen sich Liebe, Frieden und Harmonie.
Die Hippies aus Rabu wünschen sich Liebe, Frieden und Harmonie. © Norbert Millauer
Sehr aufwändig: die Blumen-group von Jens Meister.
Sehr aufwändig: die Blumen-group von Jens Meister. © Norbert Millauer
Mandy Eichhorn und ihre Gruppe baute einen vielarmigen Oktopus.
Mandy Eichhorn und ihre Gruppe baute einen vielarmigen Oktopus. © Norbert Millauer
Auch die Großnaundorfer luden in den Zirkus ein.
Auch die Großnaundorfer luden in den Zirkus ein. © Norbert Millauer
Der Teufel fuhr mit beim Pulsnitzer Karnevalsverein.
Der Teufel fuhr mit beim Pulsnitzer Karnevalsverein. © Norbert Millauer

Hunderte Stunden, so war im Livestream beim MDR in Internet zu hören, haben viele Gruppen in den letzten Monaten an ihren Bildern genäht, gemalert und gebaut. „Ich bin jedes Jahr dabei und immer wieder schwer begeistert“, sagt Zuschauer Bernd Schmidt aus Dresden, der mit einem großen Plüschhut am Straßenrand steht. Ihn erstaunt auch die perfekte Organisation durch den RCC. Bis zu 80 Ordner aus dem Verein sind im Einsatz, so Umzugsverantwortlicher Holger Umlauft, der nach 23 Jahren das Amt an Mirko Angermann übergeben hat. Dazu kommen zahlreiche Kräfte aus Feuerwehr und DRK. Wie seit 2000 führte der Umzug durchs große Festzelt.

Faschingsumzug in Strehla: hier der erste Wagen mit dem gastgebenden Verein Strings, davor das Prinzenpaar.
Faschingsumzug in Strehla: hier der erste Wagen mit dem gastgebenden Verein Strings, davor das Prinzenpaar. © Klaus-Dieter Brühl
Konfetti wurde massenweise verschossen, hier vom Wagen der Schornsteinfeger.
Konfetti wurde massenweise verschossen, hier vom Wagen der Schornsteinfeger. © Klaus-Dieter Brühl
Grüße kamen vom Neussener Karnevalsclub, der schon lange sein 60-jähriges Jubiläum feierte.
Grüße kamen vom Neussener Karnevalsclub, der schon lange sein 60-jähriges Jubiläum feierte. © Klaus-Dieter Brühl
Die Paußnitzer Narren als Germanen: "Wir sind zum Plündern gekommen, aber Eure Regierung war schneller".
Die Paußnitzer Narren als Germanen: "Wir sind zum Plündern gekommen, aber Eure Regierung war schneller". © Klaus-Dieter Brühl
Zwei Närrinnen vom Dahlener Karnevalsverein Rot-Weiß haben sich extra schön gemacht für den Umzug in Strehla.
Zwei Närrinnen vom Dahlener Karnevalsverein Rot-Weiß haben sich extra schön gemacht für den Umzug in Strehla. © Klaus-Dieter Brühl
Auch die NASA war vertreten, mit mehreren Astronauten und einer Rakete.
Auch die NASA war vertreten, mit mehreren Astronauten und einer Rakete. © Klaus-Dieter Brühl
Die Venezianerinnen geizten nicht mit dekorativen Elementen.
Die Venezianerinnen geizten nicht mit dekorativen Elementen. © Klaus-Dieter Brühl
Der Klimawandel wurde gleich mehrmals thematsiert, so bei dieser Gruppe, die am liebsten auswandern will.
Der Klimawandel wurde gleich mehrmals thematsiert, so bei dieser Gruppe, die am liebsten auswandern will. © Klaus-Dieter Brühl
Klare karnevalistische Kritik.
Klare karnevalistische Kritik. © Klaus-Dieter Brühl
Auch die Rüstungspolitik wurde aufgegriffen.
Auch die Rüstungspolitik wurde aufgegriffen. © Klaus-Dieter Brühl

Während Kamelle, Konfetti und laute Partymusik die Szenerie bestimmten, war der Volkskarneval doch nicht gänzlich unpolitisch. Bei Schwester Agnes im Bild 46 fuhr auch die Friedenstaube mit. Zu den Regenbogenfarben im Bild 29 mischten sich die Peace-Zeichen. Die obligatorischen „Russen“ um Uwe Meier vom Armee-Spaß-Verein Königsbrück thematisierten auf ihrem Wagen „Pipeline Service Team“ die Sprengung der Gasleitung Nordstream II. Mit Gummiboot und russischer Musik wagten sie sich mutig auf närrisches Glatteis.

Spaß und Ideen auch in Strehla

Auch der Strehlaer Karneval scheute diese Herausforderung nicht. Hier widmeten sich einige Motivwagen dem Klimawandel. Rund 1.500 Zuschauer sahen einen Umzug mit knapp 50 Bildern, der wie in Radeburg extravagante Kostüme und lustige Gestaltungen aufweisen konnte. Ein Wagen provozierte mit der Aufschrift „Ohne Hirn und Arbeitgeber wird man Klimakleber“. Während man sich in Radeburg mit „Rabu“ begrüßte, war es hier „Strehla hella-hello-hellau“. Mit Pfannkuchen und reichlich Alkohol wurde auf dem Markt weitergefeiert.