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Wo bleiben die Novemberhilfen?

Die Linzer Wirtsfamilie Stülpner hat erst die Hälfte des beantragten Geldes bekommen – bei der Aufbaubank nachfragen ist nicht möglich.

"Hier steckt unsere ganze Energie drin": Nadine und Mario Stülpner vorm Linzer „Palmbaum“.
"Hier steckt unsere ganze Energie drin": Nadine und Mario Stülpner vorm Linzer „Palmbaum“. © Manfred Müller

Linz. Eigentlich soll die vollständige Auszahlung der November- und Dezemberhilfen für die Gastronomie bereits seit dem 12. Januar laufen. So zumindest hatte es Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig verkündet. Nun, einen Monat später, warten Nadine und Mario Stülpner noch immer auf die zweite Hälfte der beantragten Hilfsgelder für den Monat November. Das Wirtsehepaar vom Linzer "Palmbaum" hält sich derzeit wie die meisten anderen Gastronomen mit Essenlieferungen über Wasser. Mehr schlecht als recht allerdings.

„Wir schalten jeden Morgen den Computer an und schauen zuerst aufs Konto“, sagt Nadine Stülpner. „Aber es kommt nichts rein.“ Schuld an der schleppenden Auszahlung der Hilfsgelder soll laut Dulig ein externer Dienstleister sein, den die Bundesregierung mit der Programmierung der Antragsbearbeitung beauftragt hatte. Dabei gab es wohl Probleme. Aber es ist wahrscheinlich die Bürokratie generell, die mit der Ausnahmesituation nicht klarkommt. „Unsere Angestellten haben ihr Kurzarbeitergeld vom November einen Tag vor Heiligabend bekommen“, sagt Mario Stülpner. „Das muss man sich mal vorstellen!“

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Eigentlich hätten die Stülpners im Dezember Grund zum Feiern gehabt. Da waren es exakt zehn Jahre, dass sie den Linzer „Palmbaum“ als Pächter übernommen hatten. Nach und nach hauchten sie dem meist vor sich hin dümpelnden und zeitweise geschlossenen Dorfgasthof wieder Leben ein. Vor allem mit der Möglichkeit, bis zu 100 Gäste umfassende Familienfeiern durchzuführen, mit einer Bowlingbahn, einem Biergarten, dem jährlichen Oktoberfest. Letzteres war im vorigen Herbst aber eher Anlass zur Betrübnis. Obwohl die Stülpners ein ausgefeiltes Hygienekonzept vorgelegt hatten, schaltete das Gesundheitsamt zwei Tage vor Festbeginn die Ampel auf Rot. „Da haben wir 7.000 Euro in den Sand gesetzt“, sagt Mario Stülpner.

Schon der erste Lockdown im Frühjahr war an den Linzer Gastronomen nicht spurlos vorbeigegangen. Da sie seit zehn Jahren praktisch jeden Cent in den Ausbau und die Ausgestaltung des „Palmbaums“ gesteckt hatten, gab es keine finanziellen Reserven, mit denen sie die Einnahmeverluste hätten abpuffern können. „Wir mussten einen Zwischenkredit über 50.000 Euro aufnehmen, um über die Runden zu kommen“, erklärt Mario Stülpner. „Die Krankenkassen haben ja keine Stundungen zugelassen.“ Es sei bei ihnen auch nicht wie bei anderen Kneipern in der Region, die ihr Lokal seit drei, vier Generationen auf dem eigenen Grundstück betreiben. Und nicht jeder von denen habe auch noch vier Kinder zu ernähren.

Aufgeben ist keine Option

Als der Frühjahrslockdown aufgehoben wurde, schöpften die Stülpners wieder Hoffnung. Da sei die Bude brechend voll gewesen, viele Leute hätten ihre Familienfeiern nachgeholt. Dann folgte der Tiefschlag im Herbst. Nach dem Öffnungsverbot stiegen die Wirtsleute auf Abhol- und Lieferservice um. Aber das ist auf dem Lande nicht ganz so einfach. Zum einen, weil wegen der dünnen Besiedlung große Wegstrecken zu bewältigen sind. Zum anderen ist der Verpackungsaufwand sehr hoch und kostet natürlich auch Geld. „Die Hälfte der Bestellungen kommt von Leuten, die uns in dieser schwierigen Situation unterstützen wollen“, glaubt Nadine Stülpner.

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So oder so: Die zugesagten Novemberhilfen werden im Linzer „Palmbaum“ dringend gebraucht. Und zwar vollständig. Erst mal die laufenden Kosten decken, denkt Mario Stülpner laut, dann sehen wir weiter. Bei der Sächsischen Aufbaubank, die die Gelder auszahlt, nachzufragen, sei leider ein Ding der Unmöglichkeit. Nicht einmal ihr Steuerberater habe da bisher etwas erreichen können. Laut einer Umfrage des sächsischen Hotel- und Gaststättenverbandes Dehoga erwägt mittlerweile jeder fünfte Unternehmer in der Branche, sein Geschäft aufzugeben. Für die Linzer Wirtsleute keine Option. „Hier steckt unsere ganze Energie drin“, sagt Mario Stülpner. „Wir machen unser Lebenswerk nicht einfach dicht!“

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