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Kopfschütteln über Fahrstil dieser Wagen

Nachdem ein Speditionsunternehmen in der SZ anregte, mehr für die Sicherheit auf den Straßen zu tun, entbrannte eine heftige Debatte. Gibt es nur schwarze Schafe?

Solche und ähnliche Fahrzeuge sind auch im Großenhainer Land unterwegs, um Waren verschiedener Art auszuliefern. Dass sie dabei keine anderen Autos behindern, wird gerade thematisiert.
Solche und ähnliche Fahrzeuge sind auch im Großenhainer Land unterwegs, um Waren verschiedener Art auszuliefern. Dass sie dabei keine anderen Autos behindern, wird gerade thematisiert. © Kristin Richter

Landkreis. Damit hätte auch er nicht gerechnet. Wojtek Mackowiak war am Montag selbst einigermaßen verblüfft über die zahlreichen Reaktionen, die sein Vorschlag in den sozialen Netzwerken auslöste. "Die Erfahrung musste ich leider auch schon machen. Vor allem dann überholen, wenn man den Gegenverkehr nicht sehen kann", heißt es da. Oder aber: "Innerorts viel zu schnell und andere noch im Ort überholen. Außerhalb drängen und ständig dicht auffahren. Kolonnenspringen. Bin auch täglich beruflich unterwegs, aber über die Fahrweise der weißen Transporter kann ich nur den Kopf schütteln", berichtet ein anderer Kommentator. 

Auch er hat gelesen, was offenbar nicht wenige Menschen im Großenhainer Land bewegt. In einem Gespräch mit der Sächsischen Zeitung hatte der Juniorchef der Rumak Logistik GmbH mit Sitz in Schönfeld von der Initiative seiner Firma berichtet, künftig stärker auf das Fahrverhalten seiner Mitarbeiter achten zu wollen.

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Anlass dafür sei ein Auffahrunfall in der Nähe des Großenhainer Flugplatzes gewesen, den seine Angestellte selbst verursacht habe, dabei verletzt worden sei und infolgedessen schließlich zwei Lieferfahrzeuge des seit gut einem Jahr in Sachsen tätigen Speditionsunternehmens in den wirtschaftlichen Totalschaden befördert wurden. "Unser Geschäft spielt sich nun mal sechs Tage in der Woche auf der Straße ab! Sechs Tage in der Woche sind circa 50 Frauen und Männer vom frühen Morgen bis zum Abend zwischen Riesa und Leipzig unterwegs. Kein ungefährlicher Job, den wir soweit wie möglich gern sicherer machen wollen", erklärte Wojtek Mackowiak. 

Deshalb habe man sich auch dazu entschlossen, etwas für die Sicherheit der eigenen Mannschaft, aber auch der anderen Verkehrsteilnehmer zu tun. Alle Wagen der Rumak Logistik GmbH seien inzwischen mit schwarzen Nummern auf den Motorhauben versehen worden. Dazu solle sich noch eine Aufschrift mit der Frage: "Fahre ich gefährlich? Dann rufe an!" gesellen. Eine Aufforderung, von der andere Verkehrsteilnehmer unbedingt regen Gebrauch machen sollten. Wer sich zu forsch überholt, ausgebremst oder gar von der Straße gedrängelt fühle, der dürfe das ruhig der Geschäftsführung oder dem Fuhrparkchef Kacper Pajak melden. 

Glaubt man all jenen, die über ihre eigenen Erlebnisse auf Facebook berichten, dürften die Telefone künftig in Schönfeld nicht still stehen. "Sind diese Fahrer gefährlich unterwegs? Klares Ja würde ich mal behaupten und bei manchen muss man sich wirklich fragen, ob die überhaupt einen Führerschein besitzen. Einfach nur rücksichtslos und wie die Geisteskranken", ist sich da ein Röderstädter sicher. Während ein anderer bei der Gelegenheit vielleicht auch mündlich erzählen würde: "Bei einer total waghalsigen Überholung - er war der Letzte von sechs Fahrzeugen - wurde ich fast von der Straße gedrängt, da man 500 Meter vor der Kurve überholen muss. Zum Glück haben das Fahrzeug vor mir und ich rechtzeitig reagieren können."  

Ein Beitrag, der sachsenweit am Montag für viel Beachtung sorgte. Viele Menschen äußerten sich in den sozialen Netzwerken zum Thema Drängelei und Raserei auf der Straße.
Ein Beitrag, der sachsenweit am Montag für viel Beachtung sorgte. Viele Menschen äußerten sich in den sozialen Netzwerken zum Thema Drängelei und Raserei auf der Straße. © Screenshot: Kristin Richter

Ob diese Geschichten tatsächlich alle bei der Rumak Logistik GmbH landen, darf dennoch bezweifelt werden. Immerhin sind in der Region zahlreiche Unternehmen unterwegs, die unter anderem im Internet bestellte Waren von A nach B befördern. Auch sei es keineswegs so, dass sich nur die Insassen von derlei Transportfahrzeugen rücksichtslos fortbewegten. "Es ist durch nichts statistisch zu belegen, dass nur diese Art von Fahrern in irgend einer negativen Weise auffällig wären oder durch Unfälle in Erscheinung treten", weiß Marco Laske. Wie der Sprecher der Polizeidirektion Dresden betont, sei das eine absolut nicht zutreffende Pauschalisierung und letztlich eine Stigmatisierung einer ganzen Berufsgruppe.

Eine Berufsgruppe, von der gut 300 Unternehmen in der Fachvereinigung Spedition und Logistik im Landesverband des Sächsischen Verkehrsgewerbes (LSV) e. V. organisiert sind. Laut deren Geschäftsführer Dietmar von der Linde wäre die Aufforderung der Schönfelder zwar keine neue Idee. Auch andere Betriebe, deren Job es ist, viele Kilometer am Tag zurückzulegen, bedienten sich seit Jahren dieses probaten Mittels. Kurierfahrer hätten derlei selbstkritische Aufkleber ebenso auf der Rückseite ihres Wagens kleben wie Apothekendienste oder Pflegedienstleister. Aber es sei eben eine Möglichkeit, um für gegenseitige Rücksicht im Straßenverkehr zu werben. Und zwar bei jedermann. "Es gibt, da kann ich der Polizei nur beipflichten, keinerlei Zahlen, die belegen würden, dass Transportfahrzeuge mehr Unfälle verursachen als andere Autos. Ganz im Gegenteil", gibt Dietmar von der Linde zu bedenken. 

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