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Dr. Horn geht in den Ruhestand

Über 50 Jahre war der Allgemeinmediziner in Großenhain tätig. Die Suche nach einem Nachfolger war schwer - aber von Erfolg gekrönt.

Freude allenthalben: Allgemeinmediziner Dr. Eckehart Horn (l.) wird zum Jahreswechsel in den Ruhestand gehen. Die Suche nach einem Nachfolger war erfolgreich: Dr. Maik Sauer übernimmt die Praxisräume in Großenhain.
Freude allenthalben: Allgemeinmediziner Dr. Eckehart Horn (l.) wird zum Jahreswechsel in den Ruhestand gehen. Die Suche nach einem Nachfolger war erfolgreich: Dr. Maik Sauer übernimmt die Praxisräume in Großenhain. © Norbert Millauer

Großenhain. Mittwochnachmittag ist in der Praxis von Dr. med. Eckehart Horn normalerweise keine Sprechstunde. Trotzdem sitzt der Allgemeinmediziner an seinem Schreibtisch - und das nicht allein. "Wir haben viel zu besprechen", sagt der Arzt und verweist auf seinen Gegenüber: Dr. med. Maik Sauer wird ab Januar 2022 in der Praxis auf der Großenhainer Carl-Maria-von-Weber-Allee das Sagen haben. Er tritt die Nachfolge von Eckehart Horn an, der dann in den mit Sicherheit wohlverdienten Ruhestand geht. Mit 77 Jahren. "Ich habe über mehrere Jahre einen Nachfolger gesucht", erzählt er. "Das war unheimlich schwer, ich bin fast verzweifelt."

Mit Dr. Horn geht eine Ära zu Ende. "Nach 51 Jahren - und das zu jeder Zeit in Großenhain", sagt er nicht ohne Stolz. Am 17. August 1970 fing er als Arzt im Großenhainer Kreiskrankenhaus an - unter den Fittichen von Dr. Tribulowski. Fünf Jahre später wurde er Facharzt für Allgemeinmedizin und stieg um ins Betriebsgesundheitswesen der Schmiede in der Röderstadt. Ab 1. Januar 1991 war er niedergelassener Arzt - die Wende in Ostdeutschland stellte neue Herausforderungen. "Da wusste noch keiner, wie man etwas abrechnet", sagt Eckehart Horn und lacht. Er bezog die eigene Praxis in der ehemaligen Schuhfabrik. Mit dem Abriss der dortigen Gebäude zog er im September 2008 ins heutige Domizil um.

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Jetzt also soll Schluss sein. Mit Dr. Maik Sauer steht ein junger ambitionierter Mediziner in den Startlöchern. Zunächst als Angestellter seines Vorgängers, will sich der 36-Jährige Stück für Stück in die Materie einarbeiten. Das ist mit der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen (KVS) abgestimmt. Über den sogenannten Weiterbildungsverbund der Elblandkliniken wurde sein Interesse als Arzt "auf dem Land" endgültig geweckt. Im WVB sollen junge Ärzte für die Region begeistert werden. Mit Dr. Zimmermann in Nünchritz bot sich ein hervorragendes Umfeld, um dort als einen der letzten Abschnitte die Voraussetzungen zu erwerben. Dafür ist Maik Sauer sehr dankbar - auch wenn er sich nun letztlich für die Niederlassung in Großenhain entschieden hat.

1983 entstand dieses Zeitungsfoto mit Dr. Eckehart Horn, das bei der Grippeschutzimpfung mit Impfpistole aufgenommen wurde. Geimpft wird eine Mitarbeiterin der Elmo.
1983 entstand dieses Zeitungsfoto mit Dr. Eckehart Horn, das bei der Grippeschutzimpfung mit Impfpistole aufgenommen wurde. Geimpft wird eine Mitarbeiterin der Elmo. © privat

Sauer hat viele Ambitionen für die Röderstadt. So kann er sich vorstellen, perspektivisch als Lehrpraxis für die Uniklinik Dresden im Zusammenhang mit dem Weiterbildungsverbund zu agieren, "so wie ich es auch erfahren habe". Zudem schwebt ihm vor, die diagnostischen Möglichkeiten in seiner künftigen Praxis auszubauen und eventuell auch die Palliativmedizin anzubieten. Nicht unwesentlich bei allem: Dr. Sauer ist als Mandatsträger im Vorstand der Kreisärztekammer Dresden-Stadt sowie der Sächsischen Ärztekammer gut vernetzt.

Natürlich weiß er zum einen, dass er in große Fußstapfen seines Vorgängers tritt. Die von der KV Sachsen immer wieder eingeräumte "drohende Unterversorgung" mit Ärzten auf dem Lande sieht er kritisch - und will deshalb für die Menschen der Region da sein. Dazu gehört, dass er künftig auch neue Patienten aufnehmen möchte, zusätzlich zu denen, die bislang von Eckehart Horn betreut wurden bzw. noch werden. Und noch eine tolle Nachricht: Perspektivisch wird seine Verlobte Dr. Nora Mühle hinzustoßen. Sie kümmert sich derzeit aber noch um die beiden Kinder (1/4) und um den Bau des Eigenheims.

Dr. Eckehart Horn ist die Freude anzumerken, dass die "Lücke", die er hinterlässt, zuverlässig gefüllt sein wird. All seine Erfahrungen will er an Maik Sauer weitergeben - bis zum Jahresende. Dann ist Schluss - und für Horn beginnt ein neues Leben. "Ich weiß noch nicht, wie das wird", sagt er und lächelt. Dass er seit über 60 Jahren als Fußball-Funktionär in Großenhainer Sportvereinen mitgewirkt hat, könnte ihm zugute kommen. "Ich werde Fahrrad fahren, natürlich dem Großenhainer Fußballverein treu bleiben", sagt er. Nicht mehr als Schiedsrichter - Eckehart Horn hatte im November 2019 seinen 2.000 Einsatz und beendete wenig später diese Karriere. Erhalten blieb er dem GFV auch danach - als Vorsitzender des Ehrenrats und Chefkassierer bei den Heimspielen auf der Jahnkampfbahn. Und genau dort wird man ihn mit Sicherheit auch künftig finden - sobald es wieder Fußballspiele gibt.

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