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Vom Knast in die Bewährung und zurück?

Ein Großenhainer steht wegen permanenter Diebereien und Schwarzfahrten vor Gericht – Besserung scheint nur hinter Gittern möglich.

Trotz vieler eingeräumter Chancen musste sich der 32-jährige Großenhainer nun erneut vor Gericht verantworten.
Trotz vieler eingeräumter Chancen musste sich der 32-jährige Großenhainer nun erneut vor Gericht verantworten. © Sebastian Schultz

Großenhain. Bobby B. wird mit Handschellen und Fußfesseln in den Gerichtssaal geführt wie ein Schwerverbrecher. Dabei sitzt der 32-Jährige eigentlich wegen Bagatelldelikten ein. Diebstahl und Schwarzfahren, Sachbeschädigung und Drogenbesitz vor allem. Immer wieder hat ihm die Justiz eine Chance gegeben und ihm nur Geldstrafen aufgebrummt. Diese häuften sich mit der Zeit derart an, ohne abgegolten zu werden, dass sie schließlich in Ersatzfreiheitstrafen umgewandelt wurden. Bis Juli 2022 muss der Großenhainer noch in der Dresdner Justizvollzugsanstalt ausharren.

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Jetzt sitzt Bobby B. erneut auf der Anklagebank des Riesaer Amtsgerichts. Es geht um eine erkleckliche Anzahl von Delikten, die der junge Mann verübt hat, kurz bevor er einrücken musste. Allein 16 Schwarzfahrten mit dem Zug sind darunter, meist zwischen Großenhain, Riesa und Dresden. Und zwei geradezu lächerliche Diebstähle in Supermärkten der Röderstadt, bei denen es um eine Rolle Kekse und Eiersalat ging. Aber B. hat schon so oft geklaut, dass er im Kaufland sogar Hausverbot bekam. Das Gleiche – ja, so etwas gibt es – bei der Deutschen Bahn.

Man muss an dieser Stelle vielleicht etwas zur Person des Angeklagten sagen. Der Großenhainer macht einen etwas zurückgebliebenen Eindruck, nuschelt stark und kann den Ausführungen der Richterin oft nicht recht folgen. Ob das an fehlender Auffassungsgabe oder am jahrelangen Cannabisrauchen oder an beidem liegt, lässt sich nicht sagen. Auf alle Fälle unterliegt Bobby B. dem Irrtum, dass er aus dem Knast herauskommt, wenn er für seine neuen Straftaten auf Bewährung verurteilt wird. Richterin Ingeborg Schäfer versucht dem jungen Mann klarzumachen, dass die eine Strafe mit der anderen nichts zu tun hat. Er könne seinen Knastaufenthalt lediglich beenden, indem er die offenen Geldstrafen bezahlt. Oder die Gefängniszeit verkürzen, indem er hinter Gittern freiwillig eine Arbeit aufnimmt. Ein Tag unbezahlte Arbeit bedeute in diesem Fall einen Tag weniger in der Zelle. Der Delinquent aber schnallt das einfach nicht. Er könne die Arbeitsstunden doch leisten, wenn er auf Bewährung draußen sei, fällt er der Richterin ins Wort. Und als sein Verteidiger ihm die Situation erklären will, fährt Bobby B. ihn an: Er erwarte von einem Anwalt, dass dieser ihn auch verteidigt.

Man muss dem Delinquenten zubilligen, dass er nie wirklich auf der Sonnenseite des Lebens gestanden hat. Trennung der Eltern, Schulabbruch, das berufsvorbereitende Jahr nicht beendet, Produktionsschule ohne anschließende Beschäftigung. Seit Jahren lebt Bobby B. von Hartz IV, konsumiert Drogen und begeht immer wieder kleinere Straftaten. Seiner Mutter, bei der er bis er 23 war und später noch sporadisch lebte, wurde die Wohnung gekündigt, weil ihr Sohn ständig mit den Nachbarn aneinander geriet. Sie gibt als Zeugin Einblick in das schwierige Verhältnis. Ihren neuen Wohnort hält sie lieber geheim, damit Bobby B. nicht eines Tages wieder vor ihrer Tür steht.

Was soll man mit einem Angeklagten tun, der weder das Geld hat, um die bereits ausgesprochenen Strafen abzubezahlen, noch den Willen, sie abzuarbeiten? Ingeborg Schäfer verurteilt Bobby B. zu einer Freiheitsstrafe von vier Monaten, ausgesetzt zur Bewährung. Die wird erst wirksam, wenn der Großenhainer nächsten Sommer aus dem Gefängnis kommt und kann dazu führen, dass er bei der nächsten Klauerei oder Schwarzfahrt gleich wieder einrückt. „Das heißt, Sie müssen sich benehmen“, mahnt die Richterin. „Das lockere Leben ist dann zu Ende.“

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