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Weihnachten, eine Corona-Bescherung?

Viele gute Geister arbeiten im stillen Kämmerlein daran, dass trotz der Beschränkungen die Traditionen nicht zu kurz kommen. Aber: es ist nicht einfach.

Ein Laden voller Weihnachten: Im Großenhainer Dekorationsgeschäft "Dein Ambiente" kann sich nicht nur Verkäuferin Stefanie Maciej schon jetzt auf die schöne Zeit im Jahr einstellen.
Ein Laden voller Weihnachten: Im Großenhainer Dekorationsgeschäft "Dein Ambiente" kann sich nicht nur Verkäuferin Stefanie Maciej schon jetzt auf die schöne Zeit im Jahr einstellen. © Foto: Kristin Richter

Großenhain. So früh weihnachtete es noch nie. Lebkuchen, Adventskalender und schokoladige Schneemänner versperrten zwar schon immer seit dem Spätsommer die breiten Gänge im Supermarkt. Aber so allgegenwärtig wie im Oktober 2020 war das Fest wohl keineswegs in den vergangenen Jahren. Allerdings: Nicht die Vorfreude bringt es jetzt schon unter uns, nein, es ist eher die Angst. Die bange Ahnung, vor dem, was in gut zwei Monaten wirklich sein wird beziehungsweise was alles nicht sein darf.

Keine Vermittlung von Weihnachtsmännern

Ob der Weihnachtsmann mit dem Schlitten anreisen kann, dürfte angesichts von drohenden Kontaktbeschränkungen noch das geringste Problem sein. Stattdessen werden sich junge Eltern, die keinen verkleidungswilligen Opa parat haben, rechtzeitig Gedanken machen müssen. Denn traurig, aber wahr: Nachdem das Arbeitsamt Riesa nach eigenem Bekunden bereits seit einigen Jahren nicht mehr dabei behilflich ist, Weihnachtsmänner zu organisieren, habe sich nun auch der Vorstand der Studentischen Arbeitsvermittlung Dresden in der vergangenen Woche dafür entschieden, erstmalig darauf zu verzichten. 

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Wie Sandra Waske auf SZ-Anfrage am Dienstag erklärt, sei es wirklich ein hartes Ringen gewesen und allen Beteiligten sehr schwergefallen. Während um den Einsatz von Engeln nicht so lange diskutiert worden sei, wäre der ohnehin mit Maske und Bart ausgestattete Weihnachtsmann als Inbegriff des Festes ein harter emotionaler Brocken gewesen. Immerhin 60 Studenten hätten allein am Heiligen Abend und am ersten Feiertag 2019 gut 600 Kinder aus Dresden und Umgebung glücklich gemacht. Aufgrund der momentanen hygienischen Auflagen und der womöglich zu erwartenden weiteren Einschränkungen habe man sich nun gegen eine Vermittlung entscheiden. "Es tut uns sehr leid und wir hoffen, dass das auch eine Ausnahme bleiben wird", sagt Sandra Waske. 

Im "Ambiente" ist die Welt schon heimelig bunt

Rot, grün, silber, gold und weiß. Im Großenhainer Laden für Dekoration und Geschenke "Dein Ambiente" darf der Besucher der Zeit schon ein klein wenig voraus sein. Inhaberin Heike Claus hat ihr Geschäft bereits komplett mit weihnachtlichen Utensilien geschmückt und bietet zum Verkauf an, was die adventlichen Tage verschönern kann. Wer sich selbst kreativ betätigen kann, darf das unter ihrer fachkundigen Anleitung tun. Zweimal am Tag finden nach heutigem Stand der Dinge zwölf Kreativkurse statt. Allesamt schon ausgebucht und in Absprache mit dem Gesundheitsamt Meißen auf 16 Personen begrenzt. "Ich habe mir angesichts der Situation natürlich auch Gedanken gemacht! Man muss sich letztlich einfach überlegen, haben wir nun in diesem Coronajahr Weihnachten oder nicht. Und ich habe beschlossen, unter Beachtung all der Dinge die jetzt notwendig sein müssen, dass wir Weihnachten haben werden", bekennt Heike Claus. 

Gänsebraten und Silvester sind natürlich in Vorbereitung

Wer für die Weihnachtsfeiertage noch einen Tisch in der Großenhainer "Mückenschänke" bestellen möchte, hat noch gute Chancen. Unter Einhaltung jeglicher Abstandsgebote und aller hygienischen Maßgaben werde das erfahrene Team selbstverständlich die typisch festliche Atmosphäre zaubern. "Wir haben mit unseren Räumlichkeiten die besten Möglichkeiten, alles so zu gestalten, dass einem Beisammensein im privaten Rahmen nichts im Wege steht", erklärt Thomas Krause. Laut dem Geschäftsführer der Schützenhaus Event Group werde auch die Dinnershow in reduzierter Form angeboten und weihnachtliche Zusammenkünfte stünden im Bestellbuch. Während allerdings die großen Firmenveranstaltungen mit über 50 Personen gecancelt worden seien, setzten einzelne Teams nun auf kleinere Feiern und könnten sich einer umfassenden gastronomischen Betreuung sicher sein.

Abgesehen davon, sei man gedanklich auch mit der Vorbereitung der Silvesterveranstaltung in der Remontehalle befasst. "Die Halle bietet die Kapazität den erforderlichen Abständen gerecht zu werden und gleichzeitig den Gästen ein ansprechendes Programm auf der Bühne kredenzen zu können", so Thomas Krause. Ob es tatsächlich möglich sein werde, in diesem Rahmen zu feiern oder nicht, will der erfahrene Gastronom jetzt nicht bewerten. Er halte nichts von faktisch vorgreifenden oder panischen Prognosen. Man müsse abwarten.

Kirche will alles tun, um es Weihnachten werden zu lassen

Auch, wenn man noch nichts Konkretes sagen könne: Weihnachten findet im Großenhainer Kirchspiel auf jeden Fall statt, so viel stehe definitiv fest! Zwar, so Dietmar Pohl, seien noch keine Details für Großenhain und die einzelnen Orte zu verkünden. "Aber wir wollen uns bemühen, dass die Krippenspiele möglichst alle im Freien veranstaltet oder alternativ Vespern angeboten werden. Zusammenkünfte, bei denen große Menschenansammlungen entzerrt und Trubel vermieden wird, aber dennoch ein vertrautes Gefühl der Weihnacht entstehen kann", verrät der Großenhainer Pfarrer. 

Bereits im Frühjahr hatte das Großenhainer Kirchspiel auf eindrucksvolle Weise versucht, mit Podcasts, geöffneten Kirchen, Gottesdiensten gewissermaßen im Stundentakt und anderen kreativen Aktionen die Menschen zu erreichen. Etwas, das auch und vor allem im Dezember gelingen soll. "Selbst, wenn wir den totalen Lockdown haben sollten: Es wird etwas in unseren Kirchen stattfinden und wir werden alles daransetzen, es in Großenhain und den umliegenden Dörfern Weihnachten werden zu lassen - so viel können wir schon heute versprechen", versichert Pfarramtsleiterin Sarah Zehme.  

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