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Wenn der Bürgermeister abends klingelt

Nach wochenlangem Ringen steht es nun endlich fest: Es können zwei fünfte Klassen an der Ebersbacher Oberschule gebildet werden.

Zwei Klassenbücher für zwei neue fünfte Klassen: Die Leiterin der Oberschule Ebersbach, Birgit Büchner, und Bürgermeister Falk Hentschel freuen sich, alle Schüler aufnehmen zu können.
Zwei Klassenbücher für zwei neue fünfte Klassen: Die Leiterin der Oberschule Ebersbach, Birgit Büchner, und Bürgermeister Falk Hentschel freuen sich, alle Schüler aufnehmen zu können. © Kristin Richter

Ebersbach. Seit Montagnachmittag sind sie im Glück. Birgit Büchner und Falk Hentschel, die gut sechs Wochen lang auf ganz besondere Art miteinander verbandelt waren. Die gemeinsam bis in den späten Abend hinein alles zigmal gedreht und gewendet haben, wo scheinbar doch nichts mehr zu ändern gewesen ist. Argumente und einen Weg aus dem arithmetischen Schlamassel suchten, bis der Kommunalpolitiker die Sache schließlich selbst in die Hand genommen hat.

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Und mit Erfolg! Denn nun dürfen nicht nur die Leiterin der Oberschule Ebersbach und der Verwaltungschef aufatmen. Was nicht nur bei beiden für erhebliches Kopfzerbrechen gesorgt hat, ist seit Wochenbeginn erfolgreich vom Tisch: auch im neuen Schuljahr können zwei fünfte Klassen an der Einrichtung gebildet werden.

Zwei fünfte Klassen, in denen nach jetzigem Stand der Dinge jeweils 20 Mädchen und Jungen lernen. Insgesamt also 40 und damit nach Sächsischem Schulgesetz gerade einmal so viel, dass die Einrichtung der Klassen überhaupt möglich ist.

Ein Rechenexempel, welches Ende April eben noch ganz anders ausgesehen hat. „Damals hatten sich zunächst 31 Kinder angemeldet. Mindestens drei zu viel für eine Klasse und neun zu wenig, um daraus zwei machen zu können“, bekennt Birgit Büchner.

Die engagierte Pädagogin, welche die Schule seit sechs Jahren leitet, macht keinen Hehl daraus, dass es ihr in der Seele leidgetan hätte, Eltern und ihren Sprösslingen, die sich bewusst für die klassische Landschule entschieden hätten, eine Absage erteilen zu müssen. Schließlich wäre es ja nicht nur um die potenziellen Neulinge gegangen. „Was wäre, wenn jemand aus der darüber befindlichen Jahrgangsstufe die Klasse wiederholen muss? Es hätte keine Chance gegeben, ihm einen Platz in der vollbesetzten künftigen Fünf anzubieten und auch die von uns unumwunden unterstützte Aufnahme von Schülern mit sonderpädagogischen Bedarf wäre so nicht mehr gegeben gewesen “, gibt Falk Hentschel zu bedenken.

Etwas, das der Bürgermeister so nicht hinnehmen wollte - und begab sich auf Klingeltour. Im Moritzburger Ortsteil Steinbach wurde er ebenso vorstellig wie in Großdobritz, Jessen und Buschhaus. Gut möglich, dass dort nicht schlecht gestaunt wurde, als sich der Mann vor der Haustür als Bürgermeister von Ebersbach vorstellte und um den Besuch seiner im Ort ansässigen weiterführenden Schule warb. „Offengestanden waren wir wirklich sehr überrascht! Wir selbst hatten ja ohnehin schon entschieden, unser Kind ganz bewusst in Ebersbach anzumelden. Aber die von Herrn Hentschel vorgebrachten Argumente haben uns umso mehr in unserer Entscheidung bestärkt", bekennt eine Steinbacherin.

Ein Für und Wider, das es in der Vergangenheit so indes nicht gebraucht habe. Falk Hentschel, der einst selbst in Lauterbach zur Grundschule gegangen und später in der Ebersbacher Oberschule seinen Realschulabschluss abgelegt hat, weiß nur allzu gut, wovon er spricht. Von den engen Verbindungen, die schon immer in der Region bestanden. In der gewissermaßen jeder jeden kannte, die Kirchgemeinden eng zusammen arbeiteten und sich die Frage einer weiteren Beschulung nach Klasse 4 aufgrund von Freundschaften der Kinder beziehungsweise relativ vertrauten Fahrtwegen gar nicht stellte.

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Umso erfreulicher sei für den Bürgermeister und natürlich erst recht Schulleiterin Birgit Büchner das schriftliche Bekenntnis von fünf Niederauern für Ebersbach. Auf den letzten Drücker seien die noch notwendigen Anmeldungen eingegangen und damit eben die magische Zahl von 40 Schülern erreicht worden. Am Dienstag hätte im Losverfahren entschieden werden sollen, wer einen von 28 Plätzen in Ebersbach erhält und welche Mädchen und Jungen an die Schulen in Radeburg und Großenhain umgelenkt werden müssen. Etwas, das nun nicht mehr notwendig sei. Denn seit Montagnachmittag sind sie im Glück: Birgit Büchner, Falk Hentschel und all die Kinder, die bald Schüler in Ebersbach sein dürfen.

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