merken
PLUS Großenhain

Wenn die Krähe mit den Elstern zankt

Die „Stunde der Gartenvögel“ bot am vergangenen Wochenende auch ornithologischen Laien Gelegenheit zu interessanten Beobachtungen.

Mit Fernglas, Zählliste und ein Tablet zur Artenbestimmung – der Autor bei der Vogelzählung des Naturschutzbundes.
Mit Fernglas, Zählliste und ein Tablet zur Artenbestimmung – der Autor bei der Vogelzählung des Naturschutzbundes. © Manfred Müller

Landkreis. Ringeltauben sind Frühaufsteher. Sie beginnen bereits in der Morgendämmerung vorm Schlafzimmerfenster zu gurren. Deshalb machen sie sich auch als erste unter den Vogelfuttersäulen in meinem Garten zu schaffen. Auf dem Boden liegen noch etliche Körner, die Sperlinge und Meisen am Vortag heruntergeworfen haben. Sie werden bis auf den letzten Krümel weggepickt. Dann lassen sich die Tauben auf der Stromleitung nieder, die durch Nachbars Garten führt. So kommen die ersten vier Striche auf meine Zählliste.

Anzeige
Nachhaltig heizen mit Sonne und Holz
Nachhaltig heizen mit Sonne und Holz

Ratgeber zur Planung einer Anlage aus wasserführendem Kaminofen und Solarthermie.

Jedes Jahr am zweiten Maiwochenende veranstaltet der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) eine „Stunde der Gartenvögel“. Alle Naturliebhaber sind aufgerufen, die Vögel in ihrer näheren Umgebung zu notieren und zu melden. Gezählt werden alle Tiere, die man in seinem Garten oder im örtlichen Park sehen und hören kann. Im Laufe einer Stunde soll von jeder Vogelart die höchste Zahl der dort beobachteten Exemplare erfasst werden. Und zwar die höchste Zahl zu einem Zeitpunkt: Dieselbe Amsel fünfmal hin und herfliegen zu sehen, macht nicht fünf Amseln, sondern nur eine. Abgerechnet wird dann auf einem Meldebogen, der heruntergeladen und elektronisch, aber auch analog zurückgeschickt werden kann. Die 16. Auflage der Aktion hat im vorigen Jahr alle Rekorde gebrochen, über 150.000 Vogelfreunde nahmen teil.

Ich bin dieses Jahr zum ersten Mal dabei und habe deshalb die Winterfütterung extra bis in den Mai verlängert. Mit Erfolg, denn zum ersten Mal seit vielen Jahren hat sich ein Buntspecht am Futterspender eingefunden. Ob er nun ausgerechnet in der Zählstunde erscheint, weiß ich nicht. Gewöhnlich kommt er am Vormittag. Zunächst aber trifft mit lautstarkem Getschilpe die „Spatzenbande“ ein. Ein Teil davon nistet unterm Dachüberstand meines Hauses, aber auch aus der Nachbarschaft kommen Haussperlinge zum Frühstücken vorbei.

Zwischendurch ein Anruf bei Christa und Peter Fischer, die schon seit mehreren Jahren an der Vogelzählung teilnehmen. Ihr Bungalow an der Schönfelder Fasanerie liegt in einem kleinen Waldstück, deshalb finden sich hier nicht nur die klassischen Gartenvögel, sondern auch Waldvögel ein. Drei Buchfinken haben sie gezählt, vier Kernbeißer beiderlei Geschlechts, zwei Girlitze, drei Grünfinken. Die beiden Buntspechte, die regelmäßig vorbeischauen, haben sogar Namen bekommen: der „Pfarrer“ mit schwarzen Mütze, und der „Schaffner“ mit der roten. Den Spitzenplatz bei den Fischers belegen mit 15 Sichtungen die Feldsperlinge.

In meinem eigenen Garten sind inzwischen zwei Kohlmeisen aufgetaucht, vier Stare vorbeigeflogen, ein Gartenrotschwanz und eine Amsel gelandet. Drüben beim Nachbarn hüpft ein Elster-Pärchen über den Rasen. Das gefällt der Aaskrähe, die drei Grundstücke weiter nistet, überhaupt nicht. Mit aufgeregtem Gekrächze vertreibt sie die Eindringlinge aus ihrem Revier.

Ich versuche, noch einen Bekannten ans Telefon zu bekommen. Der Riesaer Manfred Walter ist Freizeit-Ornithologe und hat auf seinem Fensterbrett im Stadtteil Weida eigentlich immer eine Zählliste liegen. Es sei erstaunlich, was zwischen den Wohnblocks der früheren Arbeitersiedlung so alles herumfliegt, sagt er. Grünspecht und Stieglitz, Birkenzeisig und Klappergrasmücke. Und natürlich die Mauersegler, für die Walter auf dem Boden extra Nistkästen installiert hat. Die Gartenvogelzählung sei eine gute Sache, weil sie viele Menschen für die Vogelwelt interessiert und für deren Probleme sensibilisiert, findet der Riesaer. Meine Zählstunde am Fenster ist inzwischen vorüber – immerhin 32 Vögel von elf verschiedenen Arten haben sich blicken lassen. Nur der Buntspecht nicht. Vielleicht kommt er ja nächstes Jahr im Januar bei der „Stunde der Wintervögel“ vorbei.

Der erste Besucher bei der „Stunde der Gartenvögel: eine Ringeltaube.
Der erste Besucher bei der „Stunde der Gartenvögel: eine Ringeltaube. © Manfred Müller

Mehr zum Thema Großenhain