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Dresden

Grüne Engel im Klinikverkehr

Seit 50 Jahren lotsen Freiwillige Patienten durch Krankenhausgänge, vertreiben Ängste und Einsamkeit. 

Helferinnen wie die Grünen Damen Gisela Merzdorf (l.) und Marion Buchmann gibt es am Diakonissenkrankenhaus Dresden seit 1995. © Marion Doering

Aufgeregt nestelt der junge Mann am Tragegurt seiner Reisetasche. Alles was er für die nächsten Tage im Krankenhaus braucht, ist darin verstaut. Im Büro der Patientenaufnahme hat er sich angemeldet und etliche Papiere bekommen. Nächste Station: seine Station. Doch das Diakonissenkrankenhaus ist ihm fremd. „Die Grüne Dame dort wird Ihnen weiterhelfen“, hört er die Mitarbeiterin hinterm Schreibtisch sagen. Fragende Blicke. Grüne Dame?

Auf diesen Moment hat Gisela Merzdorf gewartet. Sie ist eine der rund 25 Ehrenamtlichen, die hier Patienten durch die Gänge lotsen und viele Aufgaben mehr meistern. Dass sie eine Grüne Dame ist, zeigt das grün-schwarze Tuch um ihren Hals. „Früher trugen die Helferinnen grüne Krankenhauskittel, daher der Name“, erklärt sie. Als die 67-Jährige auf die Rente zusteuerte und keine vollen Arbeitstage mehr hatte, war ihr schnell klar: „Ich möchte trotzdem noch gebraucht werden, nicht nur daheim die Wände anstarren.“ Menschen helfen und dabei selbst unter Leuten sein, das lag ihr am Herzen. Nun ist die ehemalige Verwaltungsangestellte seit sechs Jahren mit Hingabe Grüne Dame.

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Im Klinikfoyer begrüßt sie den Neuankömmling, wirft einen Blick in seine Unterlagen und bietet ihm Begleitung an. „Die meisten Patienten sind dankbar dafür, dass wir ihnen helfen“, sagt Gisela Merzdorf. Vor allem diejenigen, die zum ersten Mal für Untersuchungen oder Behandlungen ins Krankenhaus kommen, fühlen sich verunsichert, sind nervös und überfordert. Da tut es wohl, auf Ortskundige zu treffen, die sich auskennen – mit Wegen und Emotionen. Dass schon dies ein wenig heilsam sein kann, hat die Gründerin der Grünen-Damen-Garde, Brigitte Schröder, bereits vor 50 Jahren gewusst. Die Ehefrau des ehemaligen Bundesministers Gerhard Schröder – nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Altkanzler – gründete die Organisation 1969 in Düsseldorf. Inspiriert hatte sie ein ähnlicher Freiwilligen-Service in den USA. Heute sind Ehrenamtliche über die Evangelische und Ökumenische Krankenhaus- und Altenheim-Hilfe in zahlreichen Krankenhäusern und Pflegeheimen oder im Betreuten Wohnen tätig. Allerdings kümmern sich inzwischen nicht nur Frauen um Kranke und Senioren. Korrekterweise spricht man heutzutage von den Grünen Damen und Herren. Im Diakonissenkrankenhaus und im Altenzentrum sind auch Männer beschäftigt.

Als Gisela Merzdorf das Angebot bekam, als Grüne Dame hilfreich zu sein, hörte sie zum ersten Mal von diesem Ehrenamt. Anders als ihre Kollegin Marion Buchmann. Die ehemalige Lehrerin zog vor zwölf Jahren aus einem Dorf in Brandenburg nach Dresden. „Auf einer Radpartie an der Elbe kam ich am Diakonissenkrankenhaus vorbei“, erinnert sie sich. Eine so schön gelegene Klinik, direkt am Fluss, das faszinierte die heute 69-Jährige. Und weil sie ohnehin eine sinnvolle Aufgabe für ihren Ruhestand suchte, trat sie einfach an den Tresen im Foyer und fragte: „Haben Sie schon etwas von den Grünen Damen gehört?“ Ein wenig überrascht und mehr noch erfreut war Marion Buchmann, als sie hörte, dass Grüne Damen und Herren hier schon seit 1995 ihren Dienst tun. „Wäre es nicht so gewesen, hätte ich sie glatt gegründet“, sagt sie lachend. Zwölf Jahre lang kommt sie nun schon einmal pro Woche her. „Bevor ich den Lotsendienst übernahm, habe ich viele Jahre lang als Grüne Dame auf Station gearbeitet“, sagt sie.

Vielfältige Aufgaben haben die Grünen Kollegen. Sie begleiten Patienten zu Untersuchungen, unterhalten sich am Krankenbett mit ihnen, lesen Briefe oder die Zeitung vor, erledigen kleine Besorgungen. Auch in der Bibliothek sind sie unverzichtbar. Besonders im Altenzentrum gehen sie mit Senioren spazieren oder singen mit ihnen. Dort besucht eine Grüne Dame oder ein Grüner Herr in aller Regel immer den gleichen Bewohner. Geduld, Verlässlichkeit und Pünktlichkeit, eine positive Ausstrahlung und Freude daran, sich anderen Menschen zuzuwenden, sind Voraussetzungen für das Ehrenamt. „Auch ein wenig Kenntnis für den Umgang mit Demenz ist gut“, sagt Schwester Elisabeth Rau. Sie leitet die Grünen Damen und Herren an, die ins Altenzentrum kommen. „Zufriedene alte Menschen, die gern etwas für andere tun möchten“ sind gefragt und willkommen.

Zu Beginn ihrer Tätigkeit haben sie eine Schulung bekommen und erfahrene Kollegen begleitet. Auch Weiterbildungen stehen regelmäßig an. Das Grüne Netz zieht sich bundesweit über fast 400 Krankenhäuser und etwa 130 Altenhilfeeinrichtungen. Rund 7000 Frauen und 600 Männer sind in Deutschland als Grüne Damen und Herren engagiert. Sie leisten fast zwei Millionen Arbeitsstunden pro Jahr – und etwas, das sich nicht in Zahlen fassen lässt: Sie geben ihrem Nächsten gute Gefühle.

Kontakt für den Einsatz im Krankenhaus: 8101259 und im Altenzentrum: 810-1280