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Gruselhaus im Gimmlitztal steht zum Verkauf

Viele Zimmer, absolute Ruhe und ein großer Garten - diese Immobilie dürfte trotzdem nicht jedermanns Sache sein.

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© Robert Michael

Von Jörg Stock

„Malerisch gelegenes Anwesen mit jüngster Kriminalgeschichte!“ Diese Verkaufsanzeige für das „Ferienheim Gimmlitztal“ hat in den ersten Stunden seiner Internetpräsenz bereits zahlreiche Interessenten angelockt. Das sagte Marko Häbold, Geschäftsführer bei Citymakler Dresden, zur SZ. Allerdings seien die Anrufer zumeist Reporter gewesen. Nur zwei Leute hätten offenbar ein echtes Kaufinteresse gehegt. Man habe ihnen ausführliche Exposés zugeschickt. Vorführen könne er das Haus erst Anfang des neuen Jahres, sagte Häbold. Zurzeit sei die Kriminalpolizei noch mit der Spurensicherung beschäftigt.

Das „Ferienheim Gimmlitztal“ ist seit Donnerstagabend auf den Seiten von Citymakler Dresden und seit Freitagfrüh bei diversen anderen Immobilienanbietern eingestellt. Das abgeschiedene Gemäuer in der Gemeinde Hartmannsdorf-Reichenau war bis zum 27. November das Zuhause von Detlev G. An diesem Tag wurde der 55-jährige Polizeibeamte und nebenberufliche Pensionswirt wegen Mordes festgenommen. Er hatte einen 59-jährigen Gast erstochen, die Leiche zerlegt und die Teile im Garten vergraben, angeblich, weil das Opfer es so wollte. Detlev G. sitzt in Untersuchungshaft. Sein Mitbewohner und Lebenspartner Bernd G., der die grausame Tat offenbar nicht ahnte, meidet seither die Öffentlichkeit. „Er will zu der Sache, so schnell es geht, Abstand gewinnen“, sagt Makler Häbold. „Dazu gehört auch der Verkauf der Immobilie.“

Die Bluttat geschah den bisherigen Ermittlungen zufolge im Keller des Hauses. Ist ein Anwesen mit derart grausiger Hypothek überhaupt verkäuflich? Für Marko Häbold hat die Medaille zwei Seiten. Einerseits stelle das Verbrechen zweifellos eine Wertminderung dar. Andererseits sei das Objekt durch die bundesweite Berichterstattung über den Fall sehr populär geworden. Das wiederum könne Kundenkreise erschließen, die andernfalls nicht auf das Haus aufmerksam geworden wären.

Das 150 Jahre alte, teilsanierte Gebäude hat seine Vorzüge: 380 Quadratmeter Nutzfläche, großes Grundstück, eigener Brunnen, viel Ruhe, sofort beziehbar. Häbold empfiehlt es vor allem Aussteigern und Naturburschen. Er weiß wohl, dass es nicht jedermanns Sache ist, das Haus von dem Schrecklichen zu trennen, das darin passiert ist. Manchen gelingt es, anderen eben nicht. Er selbst habe anfangs auch einen Widerwillen empfunden, das Verkaufsmandat anzunehmen. Inzwischen kann er „abstrahieren“, sagt er und vergleicht seine Rolle ein wenig mit der eines Anwalts, der die Menschen verteidigt und nicht ihre Verbrechen.

Makler Häbold hat noch nie zuvor einen Tatort verkauft. Deshalb weiß er nicht, wie sich das Tötungsdelikt auf die Kaufverhandlungen auswirken wird. Den angepeilten Preis von 175 000 Euro hält er nicht für übertrieben. Er und der Besitzer seien sich in dieser Frage einig gewesen. „Das ist das Objekt definitiv wert“, sagt Häbold. Freilich verstehe sich die Summe als Verhandlungsbasis.

Besichtigungen im Haus will der Makler wahrscheinlich ab der zweiten Januarwoche anbieten. Er hofft, dass sensationsgierige Pseudokäufer bis dahin die Lust verloren haben und nur noch die ehrlich Interessierten übrig sind. Bis dahin soll auch der Garten wieder hergestellt sein, in dem die Polizei bis kürzlich noch nach Leichenteilen gegraben hat. Ob er allerdings als „gepflegt“, wie in der Anzeige beschrieben, durchgehen wird, erscheint fraglich.