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Guter Ort für ein Erlebnisland?

Eine Dresdner Firma kauft eine riesige Fläche bei Nossen. Was sie nun damit vor hat, stößt nicht überall auf Zustimmung.

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© Claudia Hübschmann

Von Marcus Herrmann

Nossen/Eula. Wie kommt ein Unternehmen, dessen Mitarbeiter nach eigenen Angaben seit über zehn Jahren auf Ressort- und Hotelentwicklungen in ganz Europa spezialisiert sind, darauf, in einem verschlafenen Örtchen vor den Toren Nossens zu investieren? In diesem Fall heißt die Firma Dresario GmbH und kommt aus Dresden. Was die Projektentwickler um Christian Wehlan auf einem 22 000 Quadratmeter großen Grundstück gegenüber des Eisgartens Zwergenland an der Eulaer Hauptstraße 48 bis 52 vorhaben, ist auf den ersten Blick gewagt. Denn das Land, welches Dresario aus der Insolvenzmasse eines Garten- und Landschaftsbaubetriebes erworben hat, ist kein Bauland, sondern laut aktuellem Flächennutzungsplan für die Landwirtschaft vorgesehen. Bisher wurde es auch für diesen Zweck genutzt. Häuserbau wird es daher beispielsweise nicht geben.

Dafür möchte der Investor ein Erlebnisland auf der riesigen Fläche verwirklichen. Und hat dafür auch durchaus Gründe: „Der Ort liegt verkehrstechnisch ideal an der Autobahn im Dreieck Nossen, Freiberg und Dresden. Außerdem soll in Eula kein gewöhnlicher Attraktionen-Park mit Fahrgeschäften und Rummelatmosphäre entstehen, sondern ein Park, der Gastro-, Laden- und Spielflächen miteinander verbindet“, sagt Projektmanager Christian Wehlan. Dabei wolle man den ländlichen Charakter beibehalten, gebrauchte Gegenstände bei der Gestaltung mitverwenden, die Leute vor Ort emotionalisieren. Das Erlebnisland solle sich zudem dadurch auszeichnen, dass hier natürliche Lebensmittel aus der Umgebung angeboten werden. „Der Fleischer oder Bäcker aus Nossen kann und soll nach unserem Konzept im Erlebnisland vertreten sein“, sagt der Dresdner.

Als Attraktionen sollen nicht Achterbahnen oder Riesenräder herhalten. Vielmehr wolle man eine Erlebnisgastronomie sowie Möglichkeiten zum Erlebnisshopping auf dem Areal schaffen. Zwar liegen in den Schubladen Wehlans bereits Pläne und Visualisierungen für das Projekt. Allerdings möchte er diese nicht zu voreilig in der Zeitung sehen. „Wir stecken derzeit noch in einer sehr frühen Phase der Beteiligung aller Aufgabenträger. Schließlich geht es jetzt erst um einen Aufstellungsbeschluss“, so Wehlan. Insgesamt seien Genehmigungen von etwa 30 Behörden von der Landesdirektion über das Umweltamt bis hin zum Landkreis einzuholen. Erst in sechs bis acht Wochen werde man Konkreteres zu dem Vorhaben sagen können.

„Die zuständigen Genehmigungsbehörden wollen nicht aus der Presse, sondern als erste Bescheid wissen. Deshalb will ich zu diesem Zeitpunkt nicht zu viel sagen“, erklärt Wehlan.

Mehrheit im Stadtrat für das Projekt

Die Mehrheit im Stadtrat hat er immerhin schon begeistern können. „Ich finde, das würde Eula aufwerten. Immerhin sind hier in den letzten Jahren auch einige neue Häuser entstanden. Und sicher würde das Projekt auch neue Arbeitsplätze mit sich bringen“, sagt Stadträtin Katrin Diemert (CDU). Außerdem glaubt sie, dass eine landwirtschaftliche Nutzung auf Dauer keinesfalls profitabler wäre. Auch ihr Kollege Stefan Piontek (Unabhängige Bürgervertretung) – selbst Eulaer – spricht sich für die Idee aus. Die Stadträte haben bereits entschieden, in einem Parallelverfahren die Änderung des bisherigen Flächennutzungsplanes zu veranlassen und die Aufstellung eines Bebauungsplanes zu veranlassen. Nach Meinung der Gemeindevertretung runde das Vorhaben den bebaubaren Bereich entlang der B 101 sinnvoll ab.

Ganz so sinnvoll finden das Projekt aber nicht alle. Skeptisch zeigt sich etwa die Besitzerin des Eisgartens Zwergenland direkt gegenüber des für den Bau vorgesehenen Areals. „Ich will nichts verteufeln. Aber das klingt mir eher nach dem schnellen Geld als nach einem durchdachten Plan“, sagt sie.

Ihres Wissens nach sollte auf dem Areal auch schon mal ein Baumarkt entstehen. Doch die Kosten seien schnell in nicht zu realisierende Höhen geschossen. „Deshalb hat der ehemalige Bürgermeister Hans Haubner bekräftigt, dass hier alles Grün bleiben soll. Und nun das? Ich halte das für eine sehr gewagte Idee“, so die Café-Besitzerin. Einer der wenigen Stadträte, die nicht für das Projekt gestimmt haben ist Holger Reinhardt-Weik (UBK).

„Ich habe mich der Stimme enthalten, weil ich bezweifle, dass es so ein Erlebnisland hier braucht“, sagt er. Reinhardt-Weik ist selbst Landwirt. An die vom Investor anvisierte Zusammenarbeit mit Milch- oder Fleischproduzenten in der Umgebung glaubt er nicht so recht. „Weil es in der Gegend wenig Landwirtschaftsbetriebe gibt. Und ob größere wie der Demeter-Hof in Mahlitzsch mitmachen wollen und können, da bin ich sehr skeptisch.“

Trotz der kritischen Stimmen wird nun zumindest die Möglichkeit geprüft. Mit einem Baubeginn ist nach Angaben der Stadt realistischerweise aber erst etwa in einem Jahr zu rechnen.