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Hafermühle zu verkaufen

Ein Teil der Dippoldiswalder Immobilie drohte schon mal auf die B 170 zu stürzen. Doch nicht nur einmal gab’s Ärger.

© Egbert Kamprath

Von Franz Herz

Dippoldiswalde. Es ist ein außergewöhnliches Grundstück in Dippoldiswalde, auf dem die Hafermühle steht, aber auch außergewöhnlich schwierig zu nutzen. Daher will der Eigentümer, Wolfgang Schmidt aus Nossen, es wieder losschlagen. „Ich bin dabei, die Hafermühle zu verkaufen“, sagt er im Gespräch mit der Sächsischen Zeitung. Über seine Preisvorstellungen will er aber nicht öffentlich sprechen.

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Mit dem Verkaufsgedanken trägt er sich, seit er im vergangenen Sommer den Steckerlfisch-Verkauf einstellen musste, sagt er. Der Technische Ausschuss des Stadtrats hatte gegen eine Verlängerung der Genehmigung für den Verkaufsstand mit Gästezelt gestimmt. Seitdem herrscht auf dem Grundstück komplette Ruhe.

Der Ärger um die Hafermühle fing schon weit vorher an. Schmidt hatte die Immobilie im Jahr 2013 gekauft und wollte die Pläne seines Vorbesitzers weiterführen. Diese gingen in die Richtung, auf den Freiflächen eine Fischzucht aufzubauen und dazu im Gebäude eine Gastwirtschaft einzurichten.

Stürmisches Wochenende

Im Mai 2014 hatte Schmidt begonnen, mit Helfern das Getreidesilo abzureißen, um im Erdgeschoss ein Bistro zu bauen. Die Wand zur Straße hin, die zum Mühlengebäude hin und das Dach standen noch, als ein turbulentes Wochenende für Dippoldiswalde begann. Der Wetterdienst hatte eine Gewitterwarnung herausgegeben und das Restgebäude stand halb offen. Da griffen Feuerwehr und Technisches Hilfswerk ein. Die Verantwortlichen der Stadt Dippoldiswalde entschlossen sich zu einem Notabriss. Sogar eine Sprengung war im Gespräch. Damit wollten sie vermeiden, dass die Außenwand einbricht und Teile davon auf die B 170 fallen. Die Bundesstraße wurde voll gesperrt. Nach drei Tagen hat ein Spezialbagger das Getreidesilo bis auf das Erdgeschoss abgerissen.

Die Kosten für diesen Noteinsatz hat erst einmal die Stadt bezahlt. Rund 27000 Euro wollte sie von Schmidt zurückholen. Doch der ist erst beim Landratsamt in Widerspruch gegangen. Dort wurde die Summe etwas zusammengestrichen auf 22000 Euro. Die sollte Schmidt nun wirklich bezahlen. Dagegen hat er weiter vor dem Verwaltungsgericht geklagt, allerdings keine Begründung dafür geliefert. Daher hat er kein Recht bekommen. Die Stadt Dippoldiswalde könnte nun bei ihm das Geld eintreiben, wie Oberbürgermeister Jens Peter (Freie Wähler) den Stadtrat informierte. Ob sie das allerdings macht, ist noch offen. Denn auch der Gerichtsvollzieher kostet Geld. Die Dippser wollen erst klären, ob beim Hafermühlen-Besitzer überhaupt so viel zu holen ist. „Es geht darum, dass wir nicht gutes Geld dem schlechten hinterherwerfen wollen“, sagt Marko Hermersdörfer, der Referent des Oberbürgermeisters.

Schmidt hat den Eindruck, dass alle Ideen, die er für die Nutzung des Hafermühlengrundstücks hatte, auf unüberwindliche Schwierigkeiten stoßen. Daher will er sich wieder von der Immobilie trennen. Insgesamt umfasst das Areal nach seinen Informationen rund 24000 Quadratmeter. Doch die knapp zweieinhalb Hektar haben es in sich. Denn dazu gehören ein Hochwasserschutzbau, ein Friedhof und ein Technikdenkmal.

Soldatenfriedhof auf dem Grundstück

Knapp 7000 Quadratmeter werden von der Landestalsperrenverwaltung in Anspruch genommen, die dort eine Flutrinne errichtet hat, um den Abfluss der Roten Weißeritz bei einem Hochwasser zu dämpfen. Außerdem liegt der sowjetische Soldatenfriedhof auf dem Grundstück. Der wird zwar von der Stadt gepflegt. Aber jeder Eigentümer muss ihn bei seinen Plänen berücksichtigen. Nicht alle Nutzungsmöglichkeiten passen in die Nachbarschaft der Gräber. Wie es dazu kam, dass der Friedhof nicht der öffentlichen Hand, sondern zu einem Privatgrundstück gehört, weiß Schmidt auch nicht. Auch mit dem Rest ist der Eigentümer nicht glücklich geworden. Das Hauptgebäude der Hafermühle steht unter Denkmalschutz. Abreißen und etwas Neues hinbauen, das ist also grundsätzlich ausgeschlossen.

Ein Umbau, der das Denkmal erhält, ist aber mit Mehraufwand verbunden. Außerdem fehlt dem Gebäude die Erschließung, wie Schmidt feststellen musste. Anschlüsse der Hafermühle an Wasser, Abwasser oder Strom sind offenbar beim Neubau der Bundesstraße gekappt worden. Seinerzeit gingen die Verantwortlichen in Dippoldiswalde davon aus, dass es sich bei der Hafermühle ohnehin nur noch um ein Abrissobjekt handelt.

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