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Halleluja, Hallimasch!

Das schöne Wetter lässt die Pilze sprießen. Manche Exemplare kosten den Sammler aber Überwindung.

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Von Dominique Bielmeier

Meißen. Violetter Rötelritterling. Das kommt einem nicht nur besonders gut von der Zunge, der Speisepilz ist auch noch etwas fürs Auge. Speisepilz? Ja, denn trotz der Lamellen an der Unterseite seines Hütchens und der abschreckenden Farbe ist der kleine Ritter essbar, schmeckt mild und nussig.

Der Lila Lacktrichterling gleich dem Violetten Rötelritterling von der markanten Farbe und teilt noch eine Eigenschaft mit ihm: Beide sind essbar.
Der Lila Lacktrichterling gleich dem Violetten Rötelritterling von der markanten Farbe und teilt noch eine Eigenschaft mit ihm: Beide sind essbar. © Claudia Hübschmann
Steinpilze gibt es in dieser Saison nicht so viele.
Steinpilze gibt es in dieser Saison nicht so viele. © dpa

Pilzexperte Stefan Schreier kennt sie alle: die Ritterlinge, die Schirmpilze, die Knollenblätterpilze; Pilze an lebenden Baumstämmen und Pilze an Totholz. Der 54-Jährige ist Mitglied in der Fachgruppe Mykologie beim Nabu in Dresden und arbeitet an einer Pilzkarte für den Freistaat mit. Regelmäßig geht er zum Sammeln und Bestimmen in den Wald.

Wer wäre also besser geeignet als er, um Tipps zum Pilzesuchen in diesen Tagen zu geben? Vom violetten Rötelritterling zum Beispiel hat er schon ein paar Exemplare entdeckt. Aber längst nicht so viele wie vom Hallimasch. „Die sind momentan im Kommen“, sagt Schreier. An Nadelholz finde man außerdem den Rauchblättrigen Schwefelkopf – „den Essbaren unter den Schwefelköpfen“.

Mau sieht es dagegen bei der Deutschen liebsten Pilzen aus: Steinpilze oder Maronen. „Aber ich denke, dass Maronen noch mal kommen werden“, sagt Schreier, „Steinpilze eher weniger“.

Generell sei wieder mit mehr Pilzen zu rechnen als in letzter Zeit, als es häufiger regnete. „Jetzt ist die Nässe erst mal durch. Wenn es zu nass ist, dann wollen sie nicht so richtig.“

Das Suchen lohne sich jetzt aber auf jeden Fall, auch wenn der Experte nicht von einer Pilzschwemme sprechen will. Die Menge sei eher normal. Vor allem dort, wie viel Totholz liege, die Wälder also nicht freigeräumt sind, werden die Sammler fündig, verspricht Schreier. „Jeder zweite Stubben war besetzt mit Hallimasch“, berichtet er von seiner letzten Suche.

Pilzsammler sollten auf jeden Fall einen großen Korb und ein Messer dabei haben, rät er. „Aber wenn man sich nicht sicher ist und sie bestimmen lassen will, sollte man sie im Ganzen rausnehmen.“ Die Wurzel beziehungsweise Knolle kann für die Bestimmung wichtig sein.

Stefan Schreier hat noch einen weiteren Tipp, der überraschen könnte: Nicht die größten Pilze sollte man wählen, sondern lieber kleinere. „Denn wenn sie ausgesport haben, zersetzen sie sich.“ Beim Hallimasch sollten die Lamellen beispielsweise noch relativ hell sein. Außerdem sollten die Pilze für einen besseren Geschmack schön fest sein, also nicht zu vollgesogen mit Wasser.