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Warum Heidenaus Glocken schweigen

Der Turm an der Martin-Luther-Straße hat eine Geschichte, die auch mit dem Gymnasium zu tun hat. Eine Zukunft hat er offenbar nicht. Woran das liegt.

Zwei Türme, deren Geschichte miteinander verbunden ist: der auf dem Heidenauer Gymnasium (Hintergrund) und der frei stehende Glockenturm.
Zwei Türme, deren Geschichte miteinander verbunden ist: der auf dem Heidenauer Gymnasium (Hintergrund) und der frei stehende Glockenturm. © Norbert Millauer

Wenn einer etwas braucht, was ein anderer hat, dann liegt es nahe, dass sie sich helfen. So dachte Christa Hasche, als sie las, dass die Stadt Aue Ersatz für gestohlene Glocken sucht. Ihr fiel der Glockenturm in Heidenau-Süd ein, in dem zwar drei Glocken hängen, die aber schon seit über 20 Jahren wegen der Baufälligkeit des Turmes nicht mehr läuten dürfen. Christa Hasche, die nicht weit entfernt davon wohnt, erinnert sich noch an ihr wunderschönes Geläut. Die kleinste Glocke war die letzte, die noch erklang. Doch auch sie schweigt seit 2013. Bevor die Glocken in Heidenau nie wieder erklingen, dachte sie, könnten die Glocken doch in Aue die Menschen erfreuen.

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Wie der Turm in Heidenau entstand

  • Der Turm wurde 1917 gebaut - für die Glocken der Pestalozzischule. Die war 1902 gebaut worden. Da es damals keine Kirche gab, wurde die Aula der Schule auch als Kirchsaal genutzt. Im Turm des Gymnasium hing die Bronzeglocke, die für dort zu schwer geworden war, weshalb sich der Turm schon neigte. Deshalb zog sie nun um.
  • 1934 kamen im neuen Turm zwei weitere Glocken aus Stahlguss hinzu, die wahrscheinlich im Zweiten Weltkrieg eingeschmolzen wurden.
  • 1955 wurden in Apolda neue Glocken für den Turm gegossen, die am 11. Dezember aufgehängt wurden. Sie wogen zusammen 69,5 Zentner.
  • 1994 wurden die Grundmauern des Turms trockengelegt. Im Jahr darauf folgte die Restaurierung des Turmes. 1996 schließlich wurden die Metallgestänge erneuert.

Uwe Lässig von der Heidenauer Kirchgemeinde hat sich schon viele Gedanken um den Glockenturm gemacht und kennt auch seine Geschichte. Für ihn ist deshalb klar: Glocken und Turm sind als Einheit ein Denkmal und gehören zusammen. Abgesehen davon, dass Denkmalbehörde und Kirche einem Wechsel der Glocken zustimmen müssten, würde der Turm ohne Glocken zur Ruine.

Der Abriss käme dann schneller als vielleicht doch noch eine Lösung gefunden wäre. Außerdem sind Stahlglocken heute nicht mehr so begehrt, weil sie sehr schwer sind und im Vergleich zu anderen nur eine maximale Lebensdauer von etwa 80 Jahren haben. Heute werden eher wieder Bronze oder andere Legierungen eingesetzt.

Für Glocken ohne Kirche gibt's kein Geld

Doch im Moment passiert gar nichts. Der Turm steht so da und wird davon nicht besser, und die Glocken schweigen. Lässig hatte vor sechs Jahren mal versucht, für den Turm eine Lösung zu finden. Bisher ist sie nicht in Sicht. Es scheitert auch an den Kosten. 2017 hatte eine Schätzung Gesamtkosten von etwa 280.000 Euro ergeben. Das dürfte inzwischen schon nicht mehr reichen. Die Glocken und der Turm gehören zwar der Kirchgemeinde Heidenau, da die Glocken aber keiner Kirche zugeordnet sind, kann die Gemeinde auch nicht mit Geld vom Landeskirchenamt rechnen.

Der Versuch, über einen Fördermittelantrag der Stadt für das Gebiet Heidenau-Süd Gelder für eine Sanierung des Glockenturmes zu erhalten, war erfolglos. Die Heidenauer um Spenden zu bitten, ist erst dann sinnvoll, wenn der größte Teil der Kosten anderweitig gesichert ist, sagt Pfarrerin Erdmute Gustke.

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