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Herzliches vom Dorf

Seit acht Jahren näht Regina Wolf Herzkissen für Brustkrebspatientinnen. Für das Engagement wurde sie nun ausgezeichnet.

Nähen ist Reginas Wolfs Leidenschaft. Deshalb hat sie auch einen Nähzirkel gegründet.
Nähen ist Reginas Wolfs Leidenschaft. Deshalb hat sie auch einen Nähzirkel gegründet. © Karl-Ludwig Oberthür

Wilsdruff. Regina Wolf hat genau gezählt, wie viele Herzkissen ihre private Nähestube in Grumbach schon verlassen haben. 2018 waren es 450, 2015 waren es 330. Obwohl sie nicht weiß, wer sie bekommen hat, ist sie sich sicher: Jedes dieser Kissen hat seinen Zweck erfüllt. Es spendete einer Frau, die an Brustkrebs erkrankt ist und behandelt wurde, nicht nur Trost, sondern half ihnen beim Heilungsprozess.

Den Anstoß, solche Kissen anzufertigen, bekam die Grumbacherin 2010 nach einer Recherche im Internet. Dort stieß sie ganz zufällig auf die Seite des Projekts „Herzkissen für Brustkrebspatientinnen – verschenkt von Herz zu Herz“. Auf der Seite wurde geschildert, wie Kissen in Herzform Frauen nach Brustkrebsoperation helfen.

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 „Sie stecken sich diese unter ihre Achsel. Das lindert die Druck- beziehungsweise Wundschmerzen“, erklärt sie. Erfunden wurden diese Kissen in den USA. Die dänische Krankenschwester Nancy Friis-Jensen brachte die Idee 2006 nach Europa.

Regina Wolf ließ die Schilderung nicht kalt. „Ich habe ein Helfersyndrom.“ Hinzukommt: Die Arbeit mit Zwirn und Faden ist ihre Leidenschaft. Deshalb schrieb sie den Projektverantwortlichen, bat sie um das Schnittmuster. 

Dieses wurde ihr zugeschickt. Zu Hause erzählte die heute 61-Jährige den Frauen, die regelmäßig zu ihrem Nähtreff „Flotte Nadel“ kommen, von den Herzkissen. Die Frauen sagten sofort ihre Hilfe zu. Gemeinsam gingen sie ans Werk, nähten Herzkissen und sandten diese an eine Organisation im Rheinland. Die übergab die Kissen an Frauen, die eine Brustkrebsoperation hinter sich hatten.

Nachdem die ersten Kissen Grumbach verlassen hatten, fragte sich Regina Wolf, ob man nicht auch Frauen in der Region helfen könne – sie bot die Herzkissen dem Krankenhaus in Freital an. 

„Dort hatte man zunächst Bedenken, ob die Kissen auch die hygienischen Vorschriften erfüllen“, sagt sie. Doch die Zweifel ließen sich ausräumen. Später bot Regina Wolf die Kissen weiteren Kliniken an. Inzwischen liefert ihr Nähzirkel diese auch an das St.-Joseph-Stift und das Diakonissen-Krankenhaus in Dresden, das Malteser-Krankenhaus in Kamenz sowie an ein Sanitätshaus im Erzgebirge. 

„Wir nähen nach Bedarf, haben aber immer 50, 60 Stück in Reserve.“ Werden Kissen gebraucht, schneidet sie den Stoff zu und trommelt ihren Nähkreis zusammen. Einige Frauen nähen, andere stopfen das Füllmaterial und wieder andere nähen die Kissen zu. Bei so einem Treffen schafft das eingespielte Team 40 bis 50 Herzkissen.

Inzwischen geht die „Herzkissenproduktion“ ins neunte Jahr. Regina Wolf brennt immer noch für die Sache.

Und das liegt auch am Nähen. Schon als Kind schnappte sie sich die Nähmaschine ihrer Mutter und schneiderte Kleidchen für ihre Puppen. Als Jugendliche nähte sie sich Blusen, Kleider und Röcke. „Die Auswahl in den Geschäften war ja nicht so groß.“ 

Nach der Schule ließ sie sich zur Damenmaßschneiderin ausbilden. Bis zur Geburt ihres ersten Kindes arbeitete sie bei der PGH Bijou in Freital, danach führte sie eine Annahmestelle des Hauses der Dienste und nach 1990 einen Getränkehandel.

 Als sie diesen aus persönlichen Gründen aufgeben musste, wechselte zu einer Bäckerei, um dort als Verkäuferin zu arbeiten. In und um Grumbach ist Regina Wolf aber vor allem durch die Obstannahmestelle bekannt, die seit 1968 in Familienhand ist.

Trotz aller beruflichen Veränderungen ist sie dem Nähen treu geblieben. In ihrem Haus richtete sie deshalb auch eine Nähstube ein. Hier lagern auch die „Zutaten“, der Stoff und das Füllmaterial. 

Die Materialkosten eines Kissens sind nicht so hoch, doch die Masse macht’s. Am teuersten ist das Füllmaterial, Faserbällchen. Pro Kissen kostet das zwischen 60 bis 70 Cent, sagt Regina Wolf. Die Grumbacherin ist deshalb über jeden Sponsor froh, der ihr und dem Nähkreis hilft. Von 2013 bis 2017 war das eine ortsansässige Wäscherei, Ende 2017 ein Team des Mitteldeutschen Rundfunks. 

Dem gelang es in der Sendung „Mach dich ran“, einen Sponsor im vogtländischen Oelsnitz aufzuspüren. „Die Firma stellte uns 80 Kilogramm Füllmaterial kostenfrei zur Verfügung.“

 Das reichte für eine Jahresproduktion von Herzkissen. Im vorigen Jahr zeigte sich die Stadt Wilsdruff spendabel und unterstütze den Nähkreis. „Darüber haben wir uns gefreut“, sagt die Grumbacherin. Nun hofft sie, dass sie auch für die nächsten Monate einen Sponsor findet. Ihre Arbeit möchte sie auf jeden Fall weiterführen.

Dazu bedarf es keiner Motivationsschübe, die sie aber trotzdem immer wieder bekommt. So passiert es ab und zu, dass sich einige der beschenkten Frauen bei ihr melden und sich bedanken. Ein dickes Lob gab es vor wenigen Tagen von Wilsdruffs Bürgermeister Ralf Rother (CDU), der Reginas Wolf mit dem Ehrenamtspreis ehrte.