merken
PLUS Hoyerswerda

Der WK VIII dokumentiert den Wandel der Neustadt

Familie Schlegel hat das Wachsen und Schrumpfen des Wohnkomplexes miterlebt.

Erika und Gerhard Schlegel mit ihrer Tochter Ute Schumann bei einem Spaziergang im WK I, wo alle heute leben. Zuvor war viele Jahre lang der Wohnkomplex VIII ihr Zuhause.
Erika und Gerhard Schlegel mit ihrer Tochter Ute Schumann bei einem Spaziergang im WK I, wo alle heute leben. Zuvor war viele Jahre lang der Wohnkomplex VIII ihr Zuhause. © Foto: Katrin Demczenko

Von Katrin Demczenko

Hoyerswerda. Die Stadt war einmal die kinderreichste der DDR, und im Wohnkomplex (WK) VIII haben damals besonders viele junge Familien gewohnt.

TOP Jobs
TOP Jobs
TOP Jobs

Finden Sie bei Top Jobs jetzt Ihren Traumjob in der Region! Attraktive Arbeitgeber Ihrer Region suchen Sie!

Unter ihnen waren Schlegels, die 1968 mit ihrer Tochter Ute in einen der neu erbauten Fünfgeschosser in der Egon-Schultz-Straße, die spätere Buchwalder Straße, eingezogen sind. Die Wohnung hatte Fernheizung und Bad, aber rundherum gab es nur Sand, erinnert sich Ute Schumann. Die Familie hat anfangs fast wie auf einer Baustelle gelebt, denn aus dem Fenster konnten sie den Aufbau weiterer Häuser beobachten. Bei Starkregen standen die Wohngebietsstraßen schnell unter Wasser, wie Fotos von damals beweisen.

Gerhard Schlegel haben die kahle Umgebung und der gut einsehbare Müllplatz nicht gefallen, weshalb er beim Grünflächenamt sechs Ahornbäumchen geholt hat. Mit den Nachbarn wurden diese gepflanzt. Beim Abriss der Wohnhäuser in der Buchwalder und Merzdorfer Straße in den frühen 2000er-Jahren sind die Bäume stehen geblieben, erzählt Gerhard Schlegel. Heute ist die ganze Fläche aufgeforstet.

Erika Schlegel war Erzieherin und hat Ute von 1968 bis 1970 mit in jene Kinderkombination für Null- bis Sechsjährige im WK VIII genommen, in der sie gearbeitet hat. Ehe aber Kinder diese damals nagelneue Einrichtung Nr. 21 in Besitz nehmen konnten, mussten die Mitarbeiterinnen erst einmal Gardinen nähen und die Räume kindgerecht ausgestalten, erzählt sie. An die Wassergewöhnungskurse der Vorschulkinder ihres Kindergartens, die ab 1972 in der neuen Schwimmhalle im WK IX stattgefunden haben, kann sich Erika Schlegel auch noch erinnern. Als Hobbyfotografin war sie nämlich bis 1986 die Chronistin der Einrichtung und hat diese Ausflüge in die Schwimmhalle, die Sportfeste, Vogelhochzeiten sowie den Kindergartenalltag dokumentiert.

Günstig sei gewesen, dass ihre Wohnung ein Bad ohne Fenster hatte, denn so konnte der kleine Raum als Dunkelkammer genutzt werden, erzählt Gerhard Schlegel. Dort sind die Schwarz-Weiß-Fotos aus dem Kindergarten entwickelt worden, ebenso wie die Bilder von Veranstaltungen des Freundeskreises der Künste und Literatur, heute der Hoyerswerdaer Kunstverein, die er selbst fotografiert hat. Im Bad ist das maßgeblich schneller gegangen, als wenn die Filme an ein Fotolabor hätten geschickt werden müssen, sagt Gerhard Schlegel.

Die heute 57-jährige Ute Schumann hat eine der drei Schulen des WK VIII besucht. Sie erinnert sich an „ein wunderbar behütetes Leben“. Immer sind Kinder zum Spielen da gewesen. Die Schulgebäude samt Turnhallen sind längst weggerissen. Inzwischen stehen auf dem großen Gelände viele Eigenheime. Aber den Kindergarten Nr. 21 gibt es noch als Integrationskita „Max und Moritz“ der Lebenshilfe Regionalvereinigung Kamenz-Hoyerswerda.

Weil sich das Miteinander der Menschen in der Buchwalder Straße nach der friedlichen Revolution schnell negativ verändert hat, hat sich das Ehepaar Schlegel 1992 zum Umzug in den WK I entschlossen. Dort haben sie eine der ersten Eigentumswohnungen von Hoyerswerda erworben und ihren Umzug bis heute nicht bereut. Die kurzen Wege ins Zentrum der Neustadt und zu den Ärzten habe damals den Ausschlag gegeben, in diesen Wohnkomplex zu ziehen, sagt Erika Schlegel. Mit den Nachbarn kommen sie gut aus. Das grüne Umfeld des Wohngebietes finden die Rentner angenehm, und ihre Tochter wohnt mittlerweile auch im WK I.

Mehr zum Thema Hoyerswerda