merken
PLUS Hoyerswerda

Die Kirsche auf dem Sahnehäubchen

Doreen Kruchem schwärmt von ihrer Tätigkeit als Standesbeamtin in Hoyerswerda und von Hochzeiten. Nun hat sie das 1.000ste Paar getraut.

Am Samstag gaben sich Franziska und Stefan Rodig im Hoyerswerdaer Standesamt das Ja-Wort. Für Standesbeamtin Doreen Kruchem war es die 1.000ste Trauung. Das freute auch ihre Kolleginnen (Hintergrund), sie sie mit einer hübschen Dekoration, Kuchen, Blume
Am Samstag gaben sich Franziska und Stefan Rodig im Hoyerswerdaer Standesamt das Ja-Wort. Für Standesbeamtin Doreen Kruchem war es die 1.000ste Trauung. Das freute auch ihre Kolleginnen (Hintergrund), sie sie mit einer hübschen Dekoration, Kuchen, Blume © Foto: Silke Richter

Von Silke Richter

Hoyerswerda. Siebzehn Jahre im Job, eintausend vollzogene Trauungen, viele Freudentränen, Emotionen, Nervosität, Alarmstimmung und zahlreiche Geschichten, die das Leben schreibt. Die Hoyerswerdaer Standesbeamtin Doreen Kruchem könnte ein ganzes Buch mit ihren Erinnerungen an Hochzeiten füllen. Begeistert blättert die 55-Jährige in einem dicken Fotoalbum. Die Bilder hat sie als Dankeschön von Hochzeitspaaren geschenkt bekommen. Die ein oder andere Geschichte hat sich in ihrem Gedächtnis ganz besonders eingeprägt.

sz-Reisen
Mit SZ-Reisen die Welt entdecken
Mit SZ-Reisen die Welt entdecken

Bei SZ-Reisen findet jeder seine Traumreise. Egal ob Kreuzfahrt, Busreise, Flugreise oder Aktivurlaub - hier bekommen Sie für jedes Reiseangebot kompetente Beratung, besten Service und können direkt buchen.

Wie jene Trauung, bei der das junge Brautpaar seinen Termin im Standesamt schlichtweg verschlafen hatte. Ein Happy End gab es dennoch, denn Doreen Kruchem reagierte spontan und verschob den Termin zeitlich nach hinten. Die aufgeregte Hochzeitsgesellschaft nahm den Vorschlag dankend und erleichtert an. Die Standesbeamtin erlebte auch schon Trauungen im Country-Look, im Flower-Power-Stil, mit uniformierten Polizisten und Motorradfreunden in Lederkluft. Ein Hoyerswerdaer Paar hatte es wegen des sehr hohen Altersunterschiedes bis in eine überregionale Tageszeitung geschafft. Der Bräutigam war 49 Jahre älter als seine Braut. Nicht zu vergessen jene Hochzeiten, bei denen sich Trauzeugen und Angehörige in Bergwanderschuhen und Alltagskluft unerwartet im Eheschließungszimmer sahen, weil das Brautpaar seinen schönsten Tag des Lebens als Überraschung geplant hatte.

Im Standesamt wird auch schon mal spontan vor Freude getanzt. Ein älteres Pärchen ließ sich das nach der Trauung nicht nehmen. Rührende Momente, die Doreen Kruchem ans Herz gehen. Sie und ihre Kolleginnen leben in ihrem Beruf den Anspruch, Brautpaare so individuell wie nur möglich zu begleiten und glücklich zu machen. Das war ein entscheidender Grund, warum sich die 55-Jährige entschieden hat, Standesbeamtin zu werden. Bei dieser Tätigkeit ist zuweilen auch Spontanität gefragt. Wie im Fall der Trauung, bei der die Eheringe vergessen wurden. „Gut, dass die Großeltern mit ihren Eheringen aushelfen konnten“, erinnert sich Doreen Kruchem.

Als sehr emotional beschreibt die Standesbeamtin die Einweihung der Kapelle im Lausitzer Seenland Klinikum im Jahr 2012. Der Braut stand damals eine Operation an den Stimmbändern bevor. Ihr war es sehr wichtig, bei ihrer Hochzeit das Wort „Ja“ aussprechen zu können.

„Hochzeiten sind in unserem Beruf die Kirsche auf dem Sahnehäubchen. Sie gehören mit zu den schönsten Aufgabengebieten“, schwärmt Doreen Kruchem über ihre Arbeit als Standesbeamtin. Ein Alltag, der von der Wiege bis zur Bahre reicht. Zu ihren Tätigkeiten gehören Beurkundungen aller Personenstandsfälle wie Geburten, Eheschließungen und Lebenspartnerschaften aber auch von Sterbefällen.

Vor Letzteren sind natürlich auch Standesbeamte im privaten Umfeld nicht gefeit. Manchmal passieren Todesfälle auch kurz vor einer anstehenden Hochzeit. Dann heißt es für Doreen Kruchem und ihre Kolleginnen, Fassung zu bewahren und sich möglichst nichts anmerken zu lassen. Freud und Leid lagen auch ganz eng beieinander als die Corona-Pandemie die Mitarbeiter des Standesamtes und Brautpaare vor große Herausforderungen stellte. „Ganz besonders schlimm fand ich die Zeiten, als Hochzeitspaare ohne ihre Angehörigen getraut werden mussten. Das tat mir für alle Beteiligten in der Seele leid“, blickt Doreen Kruchem berührt zurück.

Am Samstag nahm die Hoyerswerdaer Standesbeamtin die 1.000ste Trauung in ihrer Laufbahn vor. Glücklicherweise durfte diese mit der Familie und Freunden stattfinden. Franziska und Stefan Rodig aus Hoyerswerda gaben sich um 13 Uhr das Ja-Wort. „Ich war aufgeregter als bei meiner ersten Trauung“, meinte Doreen Kruchem mit Freudentränen in den Augen.

Zum Vierstelligen hatten sich ihre Kolleginnen eine kleine Überraschung einfallen lassen. Zu den Gratulanten gehörte ebenso Oberbürgermeister Torsten Ruban-Zeh, der selbst schon zwei Mal von Doreen Kruchem getraut wurde. Bei der letzten Hochzeit meinte die Standesbeamtin zum Bräutigam, dass sie ihn im Standesamt nicht noch einmal wiedersehen wolle. „Dass er mal irgendwann mein Chef sein würde, habe ich damals natürlich nicht ahnen können“, erzählt sie schmunzelnd. Doreen Kruchem lebt selbst in zweiter Ehe. „Ich habe meinen Traummann später gefunden. Es ist eine Ehe wie im Bilderbuch. Wir sind sehr glücklich miteinander“, erklärt die 55-Jährige mit strahlendem Blick. Es ist jenes selige Gefühl, das sie sich auch für alle „ihre“ Hochzeitspaare wünscht. Ein Traum, der nicht für alle in Erfüllung geht.

Ihre erste Trauung hat Doreen Kruchem am 1. Juni 2004 vollzogen. Es folgten bis zum Jahresende weitere 57 Hochzeiten. Davon sind später 24 durch Scheidung wieder beendet worden. „Das erste Pärchen, das sich bei mir getraut hat, ist heute aber noch zusammen“, freut sich die 55-Jährige beim Blick in die Statistik. Ihr nächstes Ziel: die 1.111ste Hochzeit. Und vielleicht steht dann eine der jüngeren Kolleginnen vor ihr. Ersten Pläne sind schon geschmiedet.

Doch jetzt freut sich die Wiednitzerin erst einmal auf ihr Enkelkind, das in den nächsten Tagen das Licht der Welt erblickt. Und wenn Doreen Kruchem in den Ruhestand geht, kann sie sich durchaus vorstellen, ein Buch über ihre Erlebnisse als Standesbeamtin zu schreiben. Schöne Geschichten gibt es jetzt schon reichlich.

Mehr zum Thema Hoyerswerda