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50 Millionen in den Gebäudestand investiert

Die Bernsdorfer Wohnungsgesellschaft wurde vor 30 Jahren gegründet. Die Jubiläums-Feier ist verschoben.

Das neue Bernsdorfer Stadtzentrum mit mehreren Fachmärkten ist anstelle der Wanne II des ehemaligen Glaswerkes errichtet worden. Den Weg dafür hat die Bernsdorfer Wohnungsbaugesellschaft geebnet, unter deren Regie Abriss und Altlastensanierung erfolgten
Das neue Bernsdorfer Stadtzentrum mit mehreren Fachmärkten ist anstelle der Wanne II des ehemaligen Glaswerkes errichtet worden. Den Weg dafür hat die Bernsdorfer Wohnungsbaugesellschaft geebnet, unter deren Regie Abriss und Altlastensanierung erfolgten © Foto: AG Stadtgeschichte

Bernsdorf. Vor 20 Jahren gab es eine kleine Feierstunde im Stadtrat. Außerdem nahm die Bernsdorfer Wohnungsbaugesellschaft (BWG) das jährliche Kinderfest und den Seniorenausflug zum Anlass, um etwas Besonderes zu organisieren. Zehn Jahre später hätte die BWG eigentlich in dieser Woche ihr 30-jähriges Bestehen feiern können. Die Sächsische Corona-Schutz-Verordnung lässt das jedoch nicht zu. „Wir wollen aber eine Festveranstaltung nachholen, sobald das möglich ist“, kündigte die BWG-Geschäftsführerin Evelyn Hahn an.

Kein Abriss von Wohngebäuden

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Ein rundes Jubiläum ist immer auch der Anlass, die vergangenen Jahre Revue passieren zu lassen und sich an das Geschaffene zu erinnern. Die Betonung liegt auf „das Geschaffene“, denn in all den Jahren ist das Unternehmen ohne den Abriss von Wohngebäuden ausgekommen. Beim geschaffenen wiederum kommt in den drei Jahrzehnten einiges zusammen. Bürgermeister Harry Habel (CDU), er war der Geschäftsführer der BWG von deren Gründung am 1. März 1991 bis zu seinem Wechsel 2005 auf den Chefsessel im Bernsdorfer Rathaus, erinnert sich, dass seinerzeit mit den Dächern der Häuser in der Otto-Buchwitz-Straße das Sanierungs- und Modernisierungs-Programm der BWG startete. Ein Darlehn der Kreditanstalt für Wiederaufbau in Höhe von 700.000-D-Mark war gewissermaßen die Anschubfinanzierung.

Bis heute hat das Unternehmen über den Daumen gepeilt gut 50 Millionen Euro in den rund 600 Wohnungen umfassenden eigenen Gebäudebestand und darüber hinaus in die Stadtentwicklung von Bernsdorf investiert. Etwa ein Drittel dieser Summe waren Fördermittel, sagt Evelyn Hahn, die seit 15 Jahren die BWG-Geschicke lenkt.

Auch wenn jedem Mieter die modernisierte Wohnung mit einem sanierten Bad und mit neuen Fenstern am wichtigsten gewesen sein dürfte, so gibt es doch gleich mehrere Projekte, die herausragen und für die Allgemeinheit von Bedeutung sind.

Militärische Altlast beseitigt

Zuerst darf da getrost der Abriss des Tanklagers der sowjetischen Streitkräfte an der B 97 am Ortseingang aus Richtung Hoyerswerda kommend genannt werden. Zwar wurde der mit Fördermitteln vom eigens gegründeten und auch heute noch existierenden Bernsdorfer Entwicklungsverein ehemaliges GUS-Tanklager (BEV-TeV) realisiert. Gründungsmitglied und treibende Kraft war seinerzeit der BWG-Geschäftsführer Harry Habel gewesen. Pläne zur Errichtung einer Recycling-Anlage oder eines Jugend-Freizeitzentrums gingen zwar nicht auf. Es wurde aber eine militärische Altlast beseitigt. Heute stehen auf dem Gelände Windräder und ein Solarpark.

Der Weg zum neuen Stadtzentrum

Das bis dato umfangreichste Projekt der BWG war der Abriss und die Sanierung der Wanne II des ehemaligen Glaswerkes. 1997 hatte die BWG das etwa vier Hektar große Areal zum symbolischen Preis von einer D-Mark erworben. Im Frühjahr 1998 legten die Abrissbagger los. Am 28. August 2004 erfolgte schließlich der erste Spatenstich für die Errichtung eines neuen Stadtzentrums. Dazu gab es ein großes Fest auf der einstigen Ankerglas-Industriebrache inmitten der Stadt. Stargast war Frank Zander. Bis zur Eröffnung der ersten Märkte dauerte es allerdings bis November 2010. Der bebaute Teil des Fachmarktzentrums befindet sich inzwischen im Privateigentum. Die BWG hat diese Flächen verkauft.

Allerdings ist das Unternehmen selbst auch Eigentümerin von Gebäuden, die das Stadtbild prägen, geworden. So wurde im Sommer 2001 die seit Mitte der 1990er-Jahre geschlossene Gaststätte „Grüner Wald“ von der Treuhand erworben. Von 2002 bis 2003 erfolgte die Sanierung. Knapp zwei Millionen Euro wurden investiert. Im September 2003 konnte das Bernsdorfer Vereinshaus „Grüner Wald“ samt Restaurant und Pension neu eröffnet werden. Es ist damit das erste Haus am Platz, wie es so schön heißt, direkt dem neuen Stadtzentrum gegenüber gelegen.

Den Bildungsstandort gesichert

Mit der mehr als 100 Jahre alten Schule an der Alten Schulstraße hat die BWG ein weiteres Gebäude erworben, das den Menschen in der Stadt sehr am Herzen liegt. Nach der Schließung der Schule durch den damaligen Landkreis Kamenz hat sich ein Förderverein gegründet und die private Oberschule auf den Weg gebracht. Die BWG-Geschäftsführerin Evelyn Hahn gehörte zu den Gründungsmitgliedern. 2009 hat die Freie Oberschule den Betrieb aufgenommen. Im Herbst 2015 begann unter der Regie der BWG eine umfangreiche Sanierung. Im Februar 2017 war alles fertig.

Das Wirken der BWG für ein ansprechendes Stadtbild in Bernsdorf ist insbesondere entlang der Ernst-Thälmann-Straße sichtbar, wo im Verlauf der Jahre mehrere Wohn- und Geschäftshäuser saniert wurden, zuletzt die Thälmannstraße 24. Aktuell richtet sich das Hauptaugenmerk der Bernsdorfer Wohnungsbaugesellschaft auf das Neubauviertel Fritz-Kube-Ring. In den beiden Gebäuden mit den Hausnummern 3-7 und 9-13 werden 75 barrierearme Ein- und Zwei-Raum-Wohnungen entstehen. Eine Tagespflege und weitere medizinische Einrichtungen werden ebenfalls in den Gebäuden zu finden sein. Ein Begegnungszentrum in Form eines zwischen den beiden fünfgeschossigen Häusern zu errichtenden Flachbaus soll das Angebot zum altersgerechten Wohnen abrunden.

Organisator im Stadt-Leben

Die BWG gestaltet auch das öffentliche Leben in der Stadt maßgeblich mit. Das betrifft nicht nur die eigene Mieterschaft, für die einmal im Jahr eine Senioren-Überraschungsfahrt sowie ein Kinder- und Familienfest organisiert wurde, bis die Corona-Beschränkungen dem einen vorläufigen Riegel vorgeschoben haben. Auch als Organisator des Weihnachtsmarktes, des Wochenmarktes und des „Firebirds“-Konzertes trat und tritt die BWG in Erscheinung.

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