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Abgestaubt für das neue Depot

Vor dem ersten Umzug gab es einiges zu tun im Schloss- und Stadtmuseum Hoyerswerda.

Von Uwe Schulz
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Der Spezialstaubsauger des Schloss- und Stadtmuseums Hoyerswerda hat ein Filtersystem, der keinerlei aufgesogene Bestandteile wieder in der Umwelt verteilt. Damit lassen sich sogar möglicherweise hylotoxbelastete Partikel von Museumsgütern entfernen.
Der Spezialstaubsauger des Schloss- und Stadtmuseums Hoyerswerda hat ein Filtersystem, der keinerlei aufgesogene Bestandteile wieder in der Umwelt verteilt. Damit lassen sich sogar möglicherweise hylotoxbelastete Partikel von Museumsgütern entfernen. © Foto: Uwe Schulz

Hoyerswerda. Das Traurige an archäologischen Bodenfunden ist ja, dass sie bis auf wenige herausragende Ausnahmen nach ihrer Entdeckung weiterhin im Verborgenen bleiben, eingelagert in Kisten oder Kartons irgendwo in einem Depot. So ist es auch im Stadtmuseum Hoyerswerda. Doch dessen jahrtausendealten Scherben und sonstige Hinterlassenschaften menschlicher Zivilisation wurden jetzt noch einmal alle angeschaut.

Vor einigen Tagen fuhr ein Transporter der Zookultur am neuen Depot vor. Die Kartons mit dem zweiten Teil der ursprünglich auf dem Kaltboden des Schlosses eingelagerten Bodenfunde war im Museum der Westlausitz genau angeschaut, datiert, gezeichnet und beschrieben, bewertet sowie in eine Datenbank eingepflegt worden. Anschließend wieder Verpacken und Rücktransport zur Einlagerung im Depot des Stadtmuseums. „Dankenswerterweise durften die Kartons eine Zeit lang in Kamenz verbleiben, so dass wir sie nicht erst auf dem Dachboden einlagern mussten, um sie dann ins Depot bringen zu können“, sagt Museumschefin Kerstin Noack.

Der erste Teil der Sammlung hingegen war nach der Prozedur in Kamenz wieder auf den Boden gebracht worden. Doch nach der festgestellten Belastung durch die Verwendung des Holzschutzmittel Hylotox beim Schutz des Gebälks zu DDR-Zeiten wollte man nun auf Nummer sicher gehen. Hinzugezogene Experten hatten dem Museum versichert, dass das Material in den Kartons nicht belastet sein könnte, wohl aber könnten sich im Staub auf den Kartons Partikel abgelagert haben. Um deren Umzug ins neue Depot zu verhindern, wurden die Kartons dieser Tage vom Boden geholt und mit dem extra vor einigen Monaten angeschafften Staubsauger und seinem Spezialfilter oberflächlich gereinigt. Dann noch ein Blick in die säurefreien Kartons, ob sich nicht vielleicht Tierchen eingenistet haben und Kontrolle, ob Inhalt und Beschriftung auch passen. Erst dann durften die Kartons das Schloss verlassen. Per Transporter wurden die Bodenfunde dann zum neuen und noch ziemlich leeren Depot des Stadtmuseums gebracht, in dem sie dann ordentlich sortiert in den Schwerlastregalen einen Platz finden werden.

Dort werden sie eine ganze Weile von niemanden mehr angeschaut werden. Allerdings hat die Zookultur noch immer den Wunsch, im Schloss ein „Erinnerungsreich“ zu schaffen, vielleicht als Taschenlampendepot. Da sollen dann auch einige Funde der Ur- und Frühgeschichte einen Platz finden. Doch dieser Ausstellungsbereich wird erst geschaffen, wenn das Schloss brandschutztechnisch auf den Stand der Zeit gebracht ist, was mit erheblichen Investitionen und Umbauarbeiten verbunden ist. Einen genauen Zeitplan dafür gibt es noch nicht, wohl aber, dafür, was als Nächstes ins Depot einziehen soll – die umfangreiche Kunstsammlung.

Museumsmitarbeiter Zdenek Dytrt schaut auch, ob in den Kisten alles so ist, wie es sein soll.
Museumsmitarbeiter Zdenek Dytrt schaut auch, ob in den Kisten alles so ist, wie es sein soll. © Foto: Stadtmuseum Hoyerswerda
Ins neue Depot des Stadtmuseums Hoyerswerda in der Neustadt werden die Kisten mit Bodenfunden eingelagert, hier Museumsleiterin Kerstin Noack und die wissenschaftliche Leiterin Boglarka Szücs beim Anliefern.
Ins neue Depot des Stadtmuseums Hoyerswerda in der Neustadt werden die Kisten mit Bodenfunden eingelagert, hier Museumsleiterin Kerstin Noack und die wissenschaftliche Leiterin Boglarka Szücs beim Anliefern. © Foto: Uwe Schulz
Auf dem Kaltboden des Schlosses lagerten bislang die Bodenfunde. Doch das Gebälk wurde einst mit dem Holzschutzmittel Hylotox behandelt. Der Boden soll daher nicht mehr benutzt werden.
Auf dem Kaltboden des Schlosses lagerten bislang die Bodenfunde. Doch das Gebälk wurde einst mit dem Holzschutzmittel Hylotox behandelt. Der Boden soll daher nicht mehr benutzt werden. © Foto: Uwe Schulz