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„Alles für den Fasching!“

Wittichenaus Prinz Oliver, der Bravouröse Brückenbauer vom Balzenden Birkhahn, im TAGEBLATT-Interview

Zum Kappenabend am 1. Februar 2020 war auch in Wittichenau die Welt noch in Ordnung: Kappenabend in der ausverkauften Mehrzweckhalle am Neudorfer Weg.
Zum Kappenabend am 1. Februar 2020 war auch in Wittichenau die Welt noch in Ordnung: Kappenabend in der ausverkauften Mehrzweckhalle am Neudorfer Weg. © Archivfoto: Gernot Menzel

Wittichenau. Überall ist das Leben, Corona geschuldet, zum Erliegen gekommen. Selbst in der Karnevals-Hochburg Wittichenau hängen die Fahnen des Frohsinns auf Halbmast. War man noch vor kurzem frohen Mutes, beim Kappenabend den neuen Prinzen vorstellen zu können, machten jetzt die Bestimmungen des Freistaates und des Bundes jeder Hoffnung den Garaus.

Wenigstens gleitet Wittichenau nicht in das Chaos einer faschingsseits gesetzlosen Periode ohne Prinzliche Regierung, Das lässt sich ablesen aus einem Rundgespräch (neudeutsch: Interview), das Ihro Tollität, Prinz Oliver, der in legaler Thronfolge in der 314. Saison 2019/2020 als „Prinz Oliver, der Bravouröse Brückenbauer vom Balzenden Birkhahn“ (Motto: „Wir bauen Brücken in das Oberlausitzer Narrenland, von Preußen nach Sachsen und von Elsterstrand zu Elsterstrand!“) das Zepter führte, unserem Blatt zu geben geruhte.

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Eure Hoheit – ein Kernsatz Eures TAGEBLATT-Interviews als „elected President“; äääh, Prinz natürlich!; vor der Thronbesteigung lautete „An eine Ablehnung der Abdankung denke ich schon aus Respekt gegenüber meinen edlen Vorgängern gar nicht nach. Sollte ich noch eine weitere Saison am Hebel der Macht gebraucht werden, bin ich aber natürlich für alles offen! Seid Ihr mit prophetischen Gaben gesegnet?“

Schön wär’s! Und wenn man dazu den Schlusssatz meiner Rede am Faschingsdienstag bedenkt („... bevor uns das Corona-Virus schnappt!“), dann könnte man so etwas durchaus vermuten. Dennoch muss ich betonen, dass es sich hierbei eher lediglich um spontane Vermutungen oder eben Zufall als eine Art Sechsten Sinn handelt. Natürlich soll das keine Ausrede sein und ich stehe zu meinem Wort: Ich übernehme das Amt des Prinzen für die 315. Karnevalssession 2020/21 daher kommissarisch.

Wie hat Ew. Prinzlichkeit die Nachricht aufgenommen, dass die Macht weiter in Euren Händen verbleibt – und wie hat Ihre Lieblichkeit, Prinzessin Mandy, auf diese Neuigkeit reagiert?

Zunächst einmal waren wir sehr betrübt, dass der Fasching tatsächlich wegen der Pandemie ausfallen muss. Dieser Schmerz hallt nach. Wir können und wollen uns eine Welt ohne den Karneval einfach nicht vorstellen und hoffen, recht bald wieder zum Alltag zurückkehren zu können. So richtig freuen kann man sich über dieses kommissarische Amt nicht – bedenkt man, dass dieses ja nur auf dem Papier existiert. Lieber hätten wir dieser Tage den 2. Kappenabend und das neue Prinzenpaar gefeiert!

Wie spielt sich das Leben derzeit ab – gibt es repräsentative Verpflichtungen oder regieren Euer Gnaden in aller Stille und Weisheit?

Natürlich wird in unserem Alltag alles erdenklich Gesellschaftliche auf das Nötigste heruntergefahren – das gilt im Falle einer solchen Ausnahme-Situation nicht nur für das Volk, sondern ganz genauso auch für alle Karnevalisten, Kappenbrüder und selbstverständlich auch das Prinzenpaar.

Im Sommer, als ausgewählte Veranstaltungen im entsprechenden Rahmen stattfinden konnten, freuten wir uns über die Einweihung der frisch sanierten Karnevalsschmiede als Zentrale des Wittichenauer Faschingsvereins – dies wird wohl der einzige Höhepunkt der 315. Saison bleiben ...

Wie hält man in solchen Zeiten die Garden bei Laune?

Das Gute an den Wittichenauer Garden: die braucht man nie bei Laune halten, das machen die von ganz alleine. Eher sind sie es, die es selbst in diesen trostlosen Tagen mit immer wieder neuen, kreativen Ideen schaffen, gute Laune zu verbreiten. Ich denke da an einige spontane Besuche der Garden bei uns in Sollschwitz zurück, als im Sommer die neuen Gardisten und Gardistinnen „eingeführt“ wurden. Und auch an unseren heißgeliebten Frühschoppen, der im offiziellen Rahmen leider ausfallen musste, aber bei der Langen Garde dieses Jahr dafür das erste Mal online per Video-Schalte abgehalten wurde. Diese Leute sind einfach positiv verrückt – eben echte Faschingsnarren!

Wie gestaltet sich das Verhältnis mit dem bürgerlich-parlamentarischen Amtsverweser Markus Posch?

Zum Bürgermeister hege ich ein sehr gutes Verhältnis. Natürlich gibt es aktuell deutlich kritischere, relevante Themen als den Fasching: Ich erinnere hier an den spontanen Besuch unseres Ministerpräsidenten in Wittichenau! Nichtsdestotrotz bin ich mir seiner Unterstützung sicher, wenn es ernst wird. An dieser Stelle möchte ich noch erwähnen, dass ich nicht vergessen habe, welche schöne Aufgabe auf unseren Bürgermeister wartet, wenn die neue Fußball-Saison der Altliga im kommenden April beginnt ...!

Werden Ew. Hoheit auch „durchregieren“ bis zur neuen Saison, falls nötig?

Wenn es nötig ist, werde ich auch das tun, ja. Alles für den Fasching!

Gibt es einen „Kronrat“, der mit Euch das schwere Los des Regierens teilt?

Eine Art Kronrat gibt es nicht – oder doch: Ihre Lieblichkeit, meine Ex-Prinzessin Mandy, und unser Ex-Hofmarschall Stephan sowie unsere Pagen Sarah und Antonia sitzen selbstverständlich auch in diesen schweren Tagen mit in diesem Boot. Somit wird die Verantwortung auf mindestens acht weitere starke Schultern verteilt.

Haben Eure Prinzlichkeit jetzt ein Motto gewählt, das dem außerkarnevalistischen Ernst der Lage angemessen scheint, eine Art „Feldgeschrey“?

In harten Zeiten waren und sind wir gut beraten, uns auf unsere getreue Gefährtin zu berufen, welche unser Stadtwappen ziert: „Maria hilf!“

Was wäre Euer sehnlichster Wunsch, betreffend Euer Interregnum und das Wohlergehen des Städtleins Wittichenau?

Ich hoffe, dass wir die Pandemie und damit alle Entbehrungen des öffentlichen Lebens schnell hinter uns lassen und schon bald wieder gemeinsam unseren Fasching feiern können.

Haben Ew. Hoheit eine Botschaft an das Volk, wie am besten durch die schwere Zeit zu kommen ist?

Passt auf einander auf und behaltet Euch den Humor! Dann werden wir auch diese außergewöhnliche Zeit überstehen.

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