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Als die Rechentechnik von Robotron kam

Hoyerswerdas Computermuseum zeigt eine Sonderausstellung zu EDV-Entwicklungen in der DDR.

Dies ist eines von wenigen Fotos aus dem ZCOM-Bestand zu Robotron Hoyerswerda. Zu sehen ist die Prüfung eines der hier hergestellten Grafik-Tabletts (ganz links). Über weitere Bilder aus privatem Bestand für seine Sammlung würde das Museum sich freuen
Dies ist eines von wenigen Fotos aus dem ZCOM-Bestand zu Robotron Hoyerswerda. Zu sehen ist die Prüfung eines der hier hergestellten Grafik-Tabletts (ganz links). Über weitere Bilder aus privatem Bestand für seine Sammlung würde das Museum sich freuen © Foto: ZCOM-Stiftung

Hoyerswerda. Es war im Februar 1989, da meldete die DDR-Nachrichtenagentur ADN, der Volkseigene Betrieb Robotron Elektronik Hoyerswerda habe die Fertigungszeit für digitalgrafische Geräte um 15 Prozent gesenkt. Damit könne man bei der Produktion der – Zitat – „grafischen Tabletts“ die Stückzahl auf 12.500 Stück pro Jahr vervierfachen. Eines dieser Digitalisierungsgeräte, mit denen Konstruktionszeichnungen von Papier in Rechner übertragen werden konnten, ist jetzt in einer Sonderausstellung des Konrad-Zuse-Computermuseums in Hoyerswerda zu sehen.

Die Schau „Der Computer und die DDR“ ist der Beitrag des ZCOM zum vom Land Sachsen ausgerufenen Jahr der Industriekultur. „Uns ist das Thema so wichtig, dass wir ihm noch einmal eine eigene Ausstellung widmen wollten“, sagt Museums-Leiterin Andrea Prittmann.

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Auf 150 Quadratmetern ist die Entwicklung von 1947 bis 1990 dargestellt, die in fünf Etappen gegliedert ist. Anfänglich sind es demnach einzelne Techniker gewesen, die die Elektronische Datenverarbeitung vorantrieben. Mitte der 1950er machte die DDR-Führung sie dann zum Schwerpunkt, sagt Marcus Matics vom Museum: „Man meinte, durch Wissenschaft und Technik sei alles möglich und der Sozialismus damit umsetzbar.“ Ab Mitte der 1960er zeitigte das erste Ergebnisse. Nach dem Machtwechsel von Walter Ulbricht zu Erich Honecker 1971 wurden die Investitionen in Entwicklung dann genau in jener Zeit gedrosselt, als die Computertechnik andernorts rasante Fortschritte erzielte. Man habe versucht, das ab 1977 wettzumachen. Dieses letzte Kapitel trägt die Überschrift „Die Getriebenen“. Jene Spitzentechnik, die entwickelt wurde, war im Weltmaßstab viel zu teuer. „Die Mikroelektronik wurde in den 80er Jahren zur Schlüsselindustrie der DDR und begünstigte deren wirtschaftlichen Niedergang“, heißt es in der Ausstellung dazu. Im Klartext: Die Milliarden, die investiert wurden, ohne sich amortisieren zu können, fehlten andernorts.

Der VEB Robotron Elektronik Hoyerswerda wurde am 1. Mai 1969, also noch während der erwähnten dritten Phase, gegründet. Als Vorläufer gilt die Radeberger Fernseh- und Nachrichtentechnik Rafena. Wickelgüter, Formkabel oder Litzenbänder entstanden zunächst in den nicht mehr benötigten Tagesanlagen des 1968 beendeten Tagebaus Bluno. Die Verwaltung hatte Wohnungen in den WK I und VIII angemietet. 1973 zog man in den Neubau im Industriegelände um. Hier entstanden Monitore, besagte Grafik-Tabletts, Drucker und als Konsumgüter Radios der Typen Lausitz, Minora sowie Streletta. 1980 schenkte Robotron der Stadt die Uhr vor dem Warenhaus, die dort bis heute steht. 1992 endete die Geschichte von Robotron in Hoyerswerda. Einige der hunderten dort einst beschäftigten Frauen fanden sich kurz darauf im Kaufland an der Kasse wieder.

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