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Die Tages des Trautmannbaus sind gezählt

Der Abriss der Problem-Immobilie in Lauta hat begonnen.

Von Ralf Grunert
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Beim symbolischen Anpacken zu sehen sind auf dem Foto Bürgermeister Frank Lehmann (2. v. r.), die 2. Beigeordnete des Bautzener Landrates Birgit Weber und Dr. Justus Metzner (2. v. l.), Geschäftsführer der mit dem Abriss beauftragten V & C Metzner GmbH
Beim symbolischen Anpacken zu sehen sind auf dem Foto Bürgermeister Frank Lehmann (2. v. r.), die 2. Beigeordnete des Bautzener Landrates Birgit Weber und Dr. Justus Metzner (2. v. l.), Geschäftsführer der mit dem Abriss beauftragten V & C Metzner GmbH © Foto: Ralf Grunert

Lauta. Knapp drei Jahrzehnte ist es her, dass an der Bundesstraße 96 in Lauta in der Nachbarschaft des Wasserturms mit der Errichtung eines Wohn- und Geschäftszentrums begonnen wurde. Investor war Andreas Trautmann aus Lauta, der inzwischen verstorben ist. Ein Supermarkt, bis zu 20 Wohnungen, zahlreiche kleine Läden, Büros und ein Bowling-Center sollten entstehen.

1993 wurde der Lidl-Markt eröffnet, im Juni 1996 begann der Bezug von Büros und Wohnhaus. Im gleichen Jahr, mitten in den Bauarbeiten, dann jedoch der Baustopp. Von Umweltgefährdung durch die benachbarten Teerseen und Explosionsgefahr durch eine Gasblase war die Rede, auch von einer fehlenden Baugenehmigung. Alle Arbeiten ruhten fortan. Nur der Supermarkt war noch bis Frühjahr 2007 und dem Umzug an seinen heutigen Standort an der Mittelstraße in Betrieb. Seither verfällt der Gebäudekomplex, dessen einstiger Bauherr im Volksmund mit seinem Namen für die Ruine herhalten muss. Jetzt wird sie aus der Landschaft getilgt. Endlich.

Die Erleichterung war Bürgermeister Frank Lehmann am Dienstag beim symbolischen Abrissbeginn, auf den mit einem Glas Sekt angestoßen wurde, deutlich anzusehen. „Das ist heute ein Termin, der sich seit Jahren angebahnt hat, aber immer wieder im Sand verlaufen ist“, erklärte das Stadtoberhaupt zurückblickend auf wechselnde Ansprechpartner. Nach dem Grundsatz „Eigentum verpflichtet“ werde der jetzige Eigentümer tätig. Er lässt die Problem-Immobilie abreißen. „Und das ohne öffentliche Gelder“, wie Frank Lehmann betont.

Im Jahr 2014, als von seinem Vorgänger im Bürgermeisteramt ein erster Abrissanlauf unternommen worden war, hatte das Land Sachsen Fördermittel in Höhe von 700.000 Euro in Aussicht gestellt für den Fall, dass die Stadt die Immobilie erwirbt und abreißen lässt. In zwei Abstimmungen hatte sich der Stadtrat seinerzeit knapp dagegen entschieden. Die Intention war es, den Eigentümer in die Pflicht zu nehmen.

Seit Ende 2019 ist die in Bautzen ansässige A4RES Gruppe im Auftrag des Eigentümers mit dem Trautmannbau befasst, ließ Mitarbeiter Steffen Thiers am Dienstag auf der Abrissbaustelle wissen. Im Sommer dieses Jahres wurde schließlich eine Berliner Ingenieurgesellschaft zu Vorbereitung und Koordinierung des Abrisses einbezogen. Der in Lauta aufgewachsene Umwelttechniker Reinhard Uwe Pohl übernahm die Betreuung der Baustelle und kehrte so in seine Heimatstadt zurück. Die auf Abbruch und schweren Tiefbau spezialisierte und in der Region verwurzelte V & C Metzner GmbH aus Dubring erhielt im Ergebnis der Ausschreibung den Zuschlag.

Nach Auskunft von Reinhard Uwe Pohl besteht der Komplex aus elf Gebäuden und zehn Nebenanlagen. Der Abbruch erfolgt bis einen Meter unter Geländeoberkante. Die Kellerreste werden verfüllt.

Was mit der entstehenden Freifläche wird? „Ich glaube, wir werden eine gute Nachnutzung finden“, meinte die 2. Beigeordnete des Bautzener Landrates, Birgit Weber. Der Eigentümer der Immobilie will sich damit 2022 befassen, so Steffen Thiers. Erst mal steht der Abriss im Fokus. Bis zum Jahresende soll der Trautmannbau und alles, was dazu gehört, verschwunden sein.