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Erst gründen, dann studieren

Zwei Hoyerswerdaer haben eine Vermittlungs-Plattform für Ferienjobs entwickelt. Werden daraus mal Ausbildungsplätze?

Maximilian Buder (links) und Carlo Nitzsche wollen Angebot und Nachfrage bei Ferien-und Aushilfsjobs übereinbringen.
Maximilian Buder (links) und Carlo Nitzsche wollen Angebot und Nachfrage bei Ferien-und Aushilfsjobs übereinbringen. © Foto: Juliane Mietzsch

Hoyerswerda. Sie wollen nichts weniger als der Abwanderung entgegenwirken und sich somit für die Zukunft der Stadt und Region starkmachen. Das ist das große Ziel von Maximilian Buder und Carlo Nitzsche. Sie kommen aus Schwarzkollm beziehungsweise Zeißig, sind seit der Grundschulzeit befreundet und haben ein Unternehmen gegründet.

Dabei handelt es sich um eine Plattform, die Schülern die Chance geben soll, in der Stadtregion einen Ferien- oder Aushilfsjob zu finden. Jetzt ist das Ganze bereit für den Markt, wie sie sagen. Sie stellen sich vor allem bei Unternehmen vor, um diese Idee zu verbreiten und Partner zu finden, die entsprechende Inserate schalten auf ihrer Seite workforteenager.de.

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Jetzt endlich online

Bereits vor über einem Jahr haben die beiden Hoyerswerdaer schon daran gearbeitet und sind nun seit Anfang Juli mit der Vermittlungsplattform online. Das Aussehen, die Funktionen und Verknüpfungen haben sie selbst entwickelt und überlegt. „Wir sind froh, dass es jetzt fertig ist“, so Maximilian. „Die Funktionsfähigkeit ist nun gewährleistet“, ergänzt Carlo. Eine entsprechende Testphase ging dem voraus. Fehler in der Programmierung wurden entdeckt, notiert und ausgebessert. Das alles lassen sie von einem Entwickler vornehmen, mehr als ganz rudimentäre Grundkenntnisse in der Programmierung haben die ehemaligen Schüler des Lessing-Gymnasiums nicht, wie sie selber sagen.

Trotzdem Fernweh

Nun möchte Carlo erstmal seinem Geschäftspartner nach Dresden folgen und ebenfalls „in Richtung Wirtschaft“ studieren. Maximilian beginnt im Herbst mit dem dritten BWL-Semester an der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Dresden. Dass sie während des Studiums ein Auslandssemester einlegen, ist durchaus denkbar: „Das Fernweh ist in uns beiden verankert. Ich möchte die Erfahrung machen, im Ausland zu leben“, erklärt der Schwarzkollmer. Carlo hat bereits ein Schuljahr in Mexiko verbracht.

Doch jetzt steht erstmal die Kundenakquise im Mittelpunkt – dafür ist es unabdingbar, vor Ort zu sein. Über hundert Unternehmen haben sie per Mail angeschrieben. Das hat sich nicht wie erhofft bewährt. Jetzt heißt es, an viele Türen anzuklopfen, um sich und „Work for Teenager“ bekannt zu machen. Im Vorfeld haben sich die beiden einen Pitch ausgedacht, was einer kurzen verbalen Präsentation einer Idee entspricht, der mittlerweile ziemlich routiniert abläuft. Der Zeißiger meint, schon daran gewachsen zu sein. „Wir kriegen größtenteils gute Reaktionen“, ist Carlo erleichtert und schätzt diese Gespräche als sehr aufschlussreich ein.

Überhaupt soll die Hemmschwelle, Jobs zu inserieren, für die Unternehmen so niedrig wie möglich sein, damit kein zusätzlicher Aufwand entsteht, der abschreckend wirken könnte. Für die Gründer gibt es eine zehnprozentige Provision, wenn eine Vermittlung erfolgreich war, und sie wird dann an der Anzahl der geleisteten Arbeitsstunden des Schülers gemessen, der so einen Ferienjob gefunden hat. Bei ähnlichen Angeboten gibt es Abo-Lösungen, aber das wollten die Hoyerswerdaer nicht. „Wir wollen es so fair wie möglich gestalten“, erklärt Carlo diese Entscheidung. Ein entsprechendes Bezahlsystem wurde als letztes auf der Website integriert.

Schwierigste Zeit: Gründungsprozess

Bis zu diesem Punkt war es nun schon ein langer Weg. Als die schwierigste Zeit haben die beiden den reinen Gründungsprozess empfunden. Hilfe hatten sie dabei unter anderem vom Lausitzer Technologie- und Gründerzentrum (Lautech) aus Hoyerswerda und der städtischen Wirtschaftsförderung. Finanzielle Unterstützung kam von dem Förderprogramm FutureSax.

Nun wird besonders auf die Ferien als Stoßzeiten hingearbeitet. Einige Interessenten möchten sich im nächsten Sommer beteiligen und Ferienjobs anbieten, andere Unternehmen sehen beim Weihnachtsgeschäft eine Chance, Aushilfen zu beschäftigen. Die Idee ist ebenso, dass Jugendliche auf neue Interessen stoßen und so vielleicht ihren Arbeitsplatz der Zukunft finden. Es fehle Schülern an Praxiserfahrungen, stellt Maximilian fest. „Ferienjobs sind da genau das richtige Tool“, findet Carlo.

Echte statt nur Ferien-Arbeitsplätze

„Wir wollen aufzeigen, was in der Gegend so möglich ist“, sind sich die beiden Jungunternehmer einig. So kann eine Verwurzelung und Identifikation entstehen. Denn je nach Jobperspektive falle die Entscheidung für oder gegen einen Ort, erklären sie weiter. „Wir sehen bisher wenig Zukunft für die Stadt und wollen aktiv entgegenwirken“, bekundet Carlo.

Die Werbung, die nun die suchenden Schüler ansprechen soll, läuft rein digital. Dafür soll die Plattform Instagram herhalten. Die beiden schätzen die Reichweite als sehr gut ein.

Ihr Wunsch wäre nun, dass aus den Ferienjobs vielleicht auch mal Ausbildungs- und später Arbeitsplätze werden, um die jungen Menschen hier halten zu können.

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