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Geburtstagsfeier für den Chronisten

Das Zeißiger Offene Fenster erinnerte an Johann Kasper – mit Texten von und zu ihm und mit Chor-Gesang.

Dora Gebauer trägt Biographisches zu Johann Kasper vor. Hinten wartet der Chor Seidewinkel auf seinen Einsatz.
Dora Gebauer trägt Biographisches zu Johann Kasper vor. Hinten wartet der Chor Seidewinkel auf seinen Einsatz. © Foto: Uwe Jordan

Zeißig. Johann Kasper war, wenn man das so sagen darf, ein ländlicher Philosoph. Schriftsteller der „kleinen“ Form, Chronist, Historiker, Journalist, ein wenig Poet; vor allem aber Zeißiger, dem sein Ort am Herzen lag und dem er mit seinem Buch „Zeißig – Ćisk. Geschichte und Geschichten eines Dorfes“ (1995) ein kleines literarisches Denkmal setzte.

Den Wunsch, einen Roman im Stil von Ehm Welks „Lebensuhr des Gottlieb Grambauer“ zu schreiben, konnte er sich nicht mehr erfüllen: Als die ersten Kapitel der Familiensaga über das Leben des Bauernjungen Jurij Kokkurja abgeschlossen waren (sie liegen als Vorabdruck vor), nahm ihm der Tod die Feder aus der Hand – am 13. November 2016.

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Am Sonnabend, dem 24. Juli 2021, hätte Johann Kasper seinen 90. Geburtstag gefeiert. Grund genug für den Kulturverein, seinem Ehrenmitglied eine Geburtstagsfeier in Form eines „Zeißiger Offenen Fensters“ auf dem Zeißighof an der Dorfaue 31 auszurichten – einen literarisch musikalischen Abend, den sich gut 50 Besucher; darunter erfreulicherweise viele „jüngere Semester“, nicht entgehen lassen wollten.

Was mag er geschrieben haben, der Johann Kasper, fragte sich gewiss mancher, denn das Buch ist ja nun auch schon über ein Vierteljahrhundert alt. Und die „Zeißiger Nachrichten“, die Dorfzeitung, für die er viele Artikel verfasste, hat gewiss auch nicht jeder griffbereit.

Vor allem: Was war er für ein Mensch, jener Johann Kasper? Antworten darauf gaben Dora und Wolfram Gebauer vom Kulturverein mit einer sorgfältig recherchierten biographischen Laudatio; Antworten gaben aber vor allem die gelesenen Texte.

Da war der „Heimatforscher“ Johann Kasper, der Auskunft weiß zu Begebenheiten und Gewesenem in Zeißig – wie der legendären Eiche. Der Anekdoten-Erzähler, der einen Ferkelmarkt von einst schildert und die Episode um eine gestohlene Kuh, die aber auch nur gestohlen war. Der Naturfreund, der „Die Zeit der Schwalben“ in Zeißig festhält. Der Mahner, der für den Krieg nur eine Maxime kennt: „Nie wieder!“ Und dem Mann, der sich beim rasanten Wachsen der Stadt Hoyerswerda nach 1955 die Frage stellte: Wie wird es sein, das Zusammenleben der Alteingesessenen und der Neuen? Kaspers Fazit: „Heimat zu sagen ist ein Leichtes – für die Heimat zu wirken, das Schwerere. Letzteres ist nur möglich, wenn man seine Heimat liebt.“

Mit sorbischen, internationalen und deutschen Liedern wob der sehr gut disponierte Chor Seidewinkel das Netz, das den Abend hielt und in sich stimmig machte – unter anderem mit einem sorbischen „Laetare“, dem vertonten Smoler’schen Reisesegen „Prenja kwoska“, einem „Romale“, der „Scarborough Fair“ und „In unserem Walde singen die Vögel“. Es war ein Abend, der Johann Kasper wohl gefallen hätte.

Johann Kasper
Johann Kasper © Archivfoto: Mirko Kolodziej

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