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„Ich habe nie bereut, wieder hier zu sein.“

Durch einen glücklichen Zufall ist Toni Züchner wieder in seiner Heimatstadt Hoyerswerda.

Sein Arbeitsplatz ist das hiesige Kino. Dort arbeitet Toni Züchner, wenn andere Freizeit haben. Manchmal bis spät in die Nacht. Seinen Ausgleich findet er in der Natur. Seen und Natur vor der Haustür kommen da wie gerufen.
Sein Arbeitsplatz ist das hiesige Kino. Dort arbeitet Toni Züchner, wenn andere Freizeit haben. Manchmal bis spät in die Nacht. Seinen Ausgleich findet er in der Natur. Seen und Natur vor der Haustür kommen da wie gerufen. © Foto: Gernot Menzel

Hoyerswerda. Wenn Toni Züchner auf seine Kindheit zurückblickt, dann sagt er darüber: „Ich bin hier wie jedes andere Kind aufgewachsen.“ Das bedeutet in diesem Fall das Leben in einer kinderreichen und florierenden Stadt – als noch weit mehr als 60.000 Menschen hier gewohnt haben.

Auch wenn das heute anders aussieht, gibt es für den Hoyerswerdaer genug Gründe, wieder hier zu sein: „Das Gesamtpaket stimmt hier für mich.“

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Seit dreieinhalb Jahren ist Toni Züchner wieder in seiner Heimatstadt Hoyerswerda zu Hause. Als Theaterleiter des hiesigen Kinos kennen ihn sicher viele. Manchmal verhält es sich, als wäre er nicht weggewesen, denn Heimat bleibt eben immer ein vertrauter Ort. Das kam ihm nach seiner Rückkehr auch zugute. Alte Netzwerke und Kontakte konnten schnell wieder belebt werden – trotz der acht Jahre Abwesenheit.

Nach dem Abitur 2009 hat Toni Züchner ein Freiwilliges Soziales Jahr im Amt für Jugend, Kultur und Schulverwaltung absolviert. Schon damals ging sein Blick eher in die kulturelle Richtung. So folgte an der Hochschule Zittau/Görlitz das Studium Kultur und Management. Währenddessen hatte er seinen Wohnort nach Görlitz verlegt. „Görlitz war sehr attraktiv zum Wohnen.“ Auf der Suche nach einem Nebenjob landete er erstmals im Kinobetrieb. Es ging ganz klassisch als Kartenabreißer los, scherzt er heute. Es blieb kaum noch Zeit für anderes, aber so erlebte er die perfekte, denn praktische Ergänzung zu den theoretischen Inhalten des Studiums.

Das Arbeiten im Kino sieht er seit jeher als gute Mischung: „Es gibt eine feste Struktur, aber auch viele Veränderungen.“ Auf seine wachsenden Erfahrungen im Spielbetrieb konnte er bald aufbauen. „Ich hab’ mir viel Mühe gegeben.“ Und er hat einen Fuß in die Tür gekriegt. Seiner damaligen Vorgesetzten, die mittlerweile im Ruhestand ist, ist er bis heute sehr dankbar. Ab und zu haben die beiden noch Kontakt.

Und so ging es im Sommer 2013 als Vertretung der dortigen Theaterleitung nach Riesa. Darauf folgte Anfang des Folgejahres eine Anstellung in Pirna – als Kinoleiter. Gleich eine Führungsposition nach dem Studium. Mit 23 Jahren. Beim Arbeiten und im Verhältnis zu den Mitarbeitern war das nie ein Problem, wie er sagt.

Aber: „Ich hatte keine Beziehung zu Pirna.“ Das war im Vorfeld so und hat sich auch vor Ort nicht so richtig gelegt. Zum einen hat die knappe Freizeit nicht zugelassen, die Stadt kennenzulernen. „Ich hab’ mich dort nicht aufgehalten.“ Denn weiterhin hat Toni Züchner dann die verbleibende Zeit genutzt und öfter in Görlitz verbracht. Dort waren nach wie vor Freunde, Bekannte und seine Schwester.

Er war nicht glücklich an diesem Ort. Dennoch hat er drei Jahre dort verbracht und sich eben nebenbei in der Branche umgeguckt. Die Wahl wäre wohl nicht zuerst auf die Heimatstadt Hoyerswerda gefallen, aber ein Zufall hat es gut mit ihm gemeint. Früher schien das Leben und Arbeiten in Hoyerswerda für Toni Züchner noch unvorstellbar, aber heute ist er sehr zufrieden damit, diesen Schritt gegangen zu sein.

Mit der Einstellung und Sicherheit, dass „Kino überall gleich funktioniert“, war der Kinoleiter optimistisch gestimmt. Letztendlich hat seine Oma ihn auf die freiwerdende Stelle im Hoyerswerdaer Kino aufmerksam gemacht. Sie habe es in der Zeitung gelesen und dann beim Telefonieren erwähnt. Die neue Anstellung war gefunden. „Ich hatte nur positive Erinnerungen an die Stadt“, denkt Toni Züchner zurück. „Das Seenland hat mir gefehlt. Es ist Gold wert.“ Er nennt kurze Wege ans Wasser, gute Radwege und die schnelle Erreichbarkeit. Egal, in welche Richtung es geht: Man findet überall schöne Ecken. Das bietet sich an, denn „ich bin einfach gerne draußen.“ Besonders mit seinem Hund hält er sich gerne an einem See oder im Wald auf.

Mehr Verantwortung den Bürgern

In eine Großstadt möchte Toni Züchner nicht mehr, aber Hoyerswerda bietet als Kleinstadt ein gutes Mittelmaß. In seinen Augen hat sich viel in der Stadt getan – auch in der Neustadt: „Einige hässliche Ecken sind verschwunden.“ Doch die Entwicklungen sind noch lange nicht am Ende. Er sieht Potenzial und den Bürgerwillen. Das Beispiel Bürgerhaushalt gibt „ein gutes Gefühl, weil die Bürger gehört werden“. Er wünscht sich diese Eigenverantwortung. Auch eine „gute Jugendkultur könnte wieder entstehen, aber es fehlt an Lokalitäten.“ In seiner persönlichen Vision hätte er schon lange etwas aus der Orange Box gemacht. „Es fehlt an Kapazitäten für Leute unter 40.“Das macht sich auch anders bemerkbar. Als Lessing-Schüler hat Musik auf Grund der vertieften Ausbildung eine wichtige Rolle gespielt – bis heute. Während des Studiums fand Toni Züchner nicht die Zeit, aber „die Musik hat mir total gefehlt.“ Heute spielt er wieder in einer Band. Aber in einem Chor wäre er auch gerne wieder, hat aber noch nicht das richtige Format gefunden. „Ich habe mir Chöre angeguckt, aber es bringt niemandem etwas, wenn ich es halbherzig mache.“ Denn es geht auch einfach um soziale Kontakte. Es treffen Lebenswelten aufeinander, wenn eine Generation 50 Plus den Großteil ausmacht. „Da wird man schneller alt.“

Mit Blick in die Zukunft wünscht sich Toni Züchner, „dass das mit dem Seenland wird.“ Er sieht die Entwicklung des Scheibe-Sees als wichtigen Anker. „Schon lange wird versucht, dass der Tourismus ein Standbein wird.“ Heute hält Toni Züchner fest: „Ich habe es keinen Tag bereut, zurück in die Stadt gekommen zu sein.“ Wie er erzählt, können sich auch Freunde vorstellen, wieder zurückzukommen. Er hofft, dass sie bald draußen „genug gesehen haben“ und zu ihren Wurzeln zurückkehren.

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