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Im Dialog mit dem Rathauschef

Torsten Ruban-Zeh lud jetzt erstmals zu einer offenen Gesprächsrunde unter freiem Himmel ein.

Vom kaputten Radweg bis hin zu Bemühungen um eine Bundeswehransiedlung – viele Fragen hatte Oberbürgermeister Torsten Ruban-Zeh (rechts) zu beantworten.
Vom kaputten Radweg bis hin zu Bemühungen um eine Bundeswehransiedlung – viele Fragen hatte Oberbürgermeister Torsten Ruban-Zeh (rechts) zu beantworten. © Foto: Mirko Kolodziej

Hoyerswerda. Erst tropfte es, dann gab es einen kleinen Sturzbach und Torsten Ruban-Zehs Brille wurde nass. Hoyerswerdas Oberbürgermeister musste wischen. Er stand ungefähr dort, wo zwei Pavillon-Zelte aneinanderstießen und die Ritze war kein Hindernis für das Regenwasser. Das Kinderland Böhm und der Bauhof hatten am Pforzheimer Platz neben dem Bürgeramt die zwei Zelte sowie Tische und Sitzbänke aufgestellt, damit Ruban-Zeh erstmals im Amt wahr machen konnte, was er im vorigen Jahr im OB-Wahlkampf versprochen hatte.

„Bürgerdialoge“ sollen ein Mittel zum „Mitwirken“ sein, das als Slogan auf Plakaten und Flyern stand. Jedoch liefen schon die Wahlkampfstände unter dem Begriff „Bürgerdialog“. Nach der Amtseinführung im November war allerdings wegen der Sars-CoV-2-Viren an Treffen in größeren Gruppen nicht zu denken.

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Trotz des nicht so sehr freundlichen Wetters fanden sich nun zur Premiere am Montagnachmittag gut zwei Dutzend Bürger ein. „Wenn sich der Oberbürgermeister schon Zeit nimmt, kann man das als Bürger auch tun“, fand Dietmar Wittig.

Spitzenthema Forschungszentrum

Ruban-Zeh legte gleich los. Zwei Minuten nach Veranstaltungsbeginn um 17 Uhr kam er federnden Schrittes unters Zeltdach, entschuldigte sich für die kleine Verspätung: „Ich hatte gerade noch ein Bürgergespräch im Büro.“ Und schon machte das Stadtoberhaupt Tempo: „Los ’ran und fragen!“, war die Forderung. Die Leute ließen sich nicht lange bitten, wobei die Antworten im Dialog meist länger waren als die Fragen. Auch die Kommunalpolitik ist schließlich eine komplexe Sache.

„Ich vermisse Bänke sowie Papierkörbe und möchte Ihnen ans Herz legen: Vergessen Sie die Neustadt nicht! Die ist zunehmend unordentlich“, meinte eine ältere Dame zu Beginn. Ruban-Zeh kam über jene 30 Bänke, die die städtische Wohnungsgesellschaft gerade anlässlich des 30. Jubiläums ihrer GmbH-Werdung in der Stadt aufstellen lässt, erstaunlich schnell zu einem Thema, das zuletzt jede Menge Diskussionsbedarf und Zeit in Anspruch nahm.

„Beim Großforschungszentrum spielt die Neustadt immer eine Rolle“, versicherte der Rathauschef. Schließlich gebe es hier inzwischen jede Menge Bau-Lücken, die gefüllt werden könnten. Und: Mit einem Großforschungszentrum würde es auch einfacher, Dinge wiederzubeleben. Nach der ersten Enttäuschung, dass die beiden Projekte „Zukunftsfabrik Lausitz“ und „Saxomed(t)er“, auf die die Stadt gesetzt hatte, in der ersten Runde des Wettbewerbs von Land Sachsen und Bund ausgesiebt worden sind, hat Ruban-Zeh inzwischen zumindest verstanden, warum. Er berichtete von einem Gespräch mit dem ehemaligen Ministerpräsidenten Georg Milbradt, der zur Auswahlkommission gehört: „Er hat mir gesagt, dass die beteiligten Wissenschaftler internationales Renommee haben sollen und dass es etwas sein muss, das es in Europa oder besser weltweit noch nicht gibt.“ Inzwischen sind auch die Fühler in Richtung der drei im Wettbewerb verbliebenen Projekte ausgestreckt. Ein Gespräch mit Professor Dr. Manfred Curbach von der Forschergruppe „Lab – Lausitz Art of Building“ hat Ruban-Zeh positiv gestimmt und auch zum Deutschen Zentrum für Astrophysik (DZA) sowie zum European Research Institute for Space Resources (Eris) ist mittlerweile Kontakt aufgenommen.

Sonnenblumen als Ausgleich

Das beim Bürgerdialog besprochene Themenspektrum war breit, reichte vom verschlafenen Bahnhofsgebäude über Unordnung auf dem neuen Rastplatz am Mühlweg bis hin zum (immer noch geplanten) Hotel-Bau am Scheibe-See. Die vorgesehenen anderthalb Stunden wurden ausgenutzt, bevor sich alle beeilten, durch den Regen nach Hause zu kommen. Einige hatten ein paar der von Unternehmer Veit Burmeister zum Termin zur Verfügung gestellten Sonnenblumen dabei, sozusagen als Ausgleich für die Nässe.

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