SZ + Hoyerswerda
Merken

Im Tropenhaus ohne Besucher

Die Arbeit bleibt gleich, doch für einige Neuerungen ist jetzt durchaus Zeit.

Von Uwe Schulz
 3 Min.
Teilen
Folgen
Neu gestaltet sind etliche Terrarien, so wie das hier für die Milchschlangen.
Neu gestaltet sind etliche Terrarien, so wie das hier für die Milchschlangen. © Foto: Uwe Schulz

Hoyerswerda. Ob Weihnachten oder Silvester, ob Montag oder Sonntag – kurz vor 7 Uhr schaltet sich im Tropenhaus im Zoo Hoyerswerda das Licht an. Dann ist es noch etwa eine halbe Stunde, bis das erste Mal ein Mensch vorbeischaut. Es sind derzeit nur sehr wenige, denn Tropen- und Tierhäuser sind gemäß der geltenden Corona-Maßnahmen für Besucher geschlossen.

Für Carolin Adler und ihre Kolleginnen und Kollegen vom Zoo-Team bedeutet das im Tagesablauf kaum eine Änderung. Denn das Leben im Tropenhaus, das in diesem Jahr 25 Jahre alt wird, geht ja einfach weiter, ob nun mit oder ohne Besucher.

Den Fischen und den Reptilien ist das mit den Besuchern egal. Carolin Adler schätzt ein, dass das Zwergflusspferd die Ruhe genießt und auch etliche Vögel kommen nun relativ nah heran. Und die Igeltanreks befinden sich im Winterschlaf im Quarantänebereich des Tropenhauses. Jeden Tag zuerst ist die Anlage des Zwergflusspferdes dran. Das Tier bekommt früh Pellets und begibt sich deshalb in den Stall, so dass draußen alles erledigt werden kann, täglicher Wasserwechsel inbegriffen. Gekärchert wird aber nur alle zwei Wochen. Bei den beiden Kuba-Krokodilen ist Großreinemachen alle vier Wochen angesagt. Die jüngste Reinigung war für den 22. Dezember angesetzt. Mit dabei ein Azubi des Zoos, der sich im dritten Lehrjahr befindet. Das große Aquarium ist hingegen alle zwei Wochen fällig, stets am Freitag.

Kaktus im Eigenbau

Die Terrarienwand ist hingegen täglich dran – säubern, füttern, Pflanzen gießen. Carolin Adler ist stolz auf die Neugestaltung, bei der sie maßgeblich Hand angelegt hat. Neben funktionalen Verbesserungen ging es um eine neue Optik. Konstruktionsbedingt musste die Ausstattung allerdings recht leicht sein. Der Kaktus bei den Milchschlangen beispielsweise besteht aus Drahtgeflecht, gefüllt mit Bauschaum und ummantelt mit Fliesenkleber, der wiederum mit Airbrush farblich gestaltet wurde. Für so etwas ist während einer verordneten Schließung durchaus Zeit. Im großen Lockdown vor einem Jahr, als der gesamte Zoo 193 Tage komplett geschlossen hatte, waren im Tropenhaus neue Pflanzinseln gemauert und entsprechend ausgestattet worden. Weitere Umbauten und Neugestaltungen sind vorerst im Tropenhaus nicht geplant, da nicht absehbar ist, wie lange die jetzige Schließung des Tropenhauses letztlich verfügt sein wird.

Lediglich die Zoogärtner sind dadurch jetzt etwas flexibler in ihrem Tun. Dreimal wöchentlich werden alle Pflanzen außerhalb der Gehege von ihnen gegossen. In normalen Zeiten muss das außerhalb der Öffnungszeiten geschehen, jetzt ist das flexibel einplanbar.

Der Zoo lässt seine Fans medial dennoch am Geschehen im Tropenhaus bzw. im gesamten Zoo teilhaben. In der Adventszeit waren fünf Videos entstanden, die auf den Instagram- und Facebook-Kanälen ausgespielt wurden. Da waren die Krokodile ebenso zu sehen wie die Klammeraffen, das Aquarium und die beiden Faultiere bei Nacht. Im Weihnachtsvideo spielten unter anderem Leopard, Baumstachler, Riesenschildkröten und ein Gürteltier eine Rolle.

Nach der Mittagspause, die die Tierpfleger je nach Bereich seit Pandemiebeginn zeitversetzt einnehmen, wird das Futter für die Tiere für den nächsten Tag zubereitet. 60 bis 90 Minuten dauert das. Dann steht die zweite Fütterung an – Hornvögel und die Schildkröten sind dran. Für die Mitarbeiter gibt es immer was zu tun. Wenn dann gegen 15.30 Uhr die Frühschicht Feierabend macht, ist im Tropenhaus noch Tag. Aktuell setzt wenig später die Dämmerung ein und gegen 18 Uhr erlischt dann auch die künstliche Beleuchtung im Tropenhaus.

Zootierpflegerin Carolin Adler beim Reinigen der Voliere der Hornvögel.
Zootierpflegerin Carolin Adler beim Reinigen der Voliere der Hornvögel. © Foto: Uwe Schulz
Die Hornvögel im Tropenhaus des Hoyerswerdaer Zoos haben ihre Voliere auf der Südseite.
Die Hornvögel im Tropenhaus des Hoyerswerdaer Zoos haben ihre Voliere auf der Südseite. © Foto: Uwe Schulz
Im Terrarium der Spaltenschildkröte verbaute man Naturstein, dazwischen verstecken sich die Tiere.
Im Terrarium der Spaltenschildkröte verbaute man Naturstein, dazwischen verstecken sich die Tiere. © Foto: Uwe Schulz