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Interessanter Blick hinter die Kulissen

Bei der Spätschicht am Freitag präsentierten sich verschiedene Unternehmen. Eine Tour begleitete TAGEBLATT.

Matthias Bock entwickelte einen speziellen Karton, der Blumensträuße gut behütet beim Empfänger ankommen lässt.
Matthias Bock entwickelte einen speziellen Karton, der Blumensträuße gut behütet beim Empfänger ankommen lässt. © Foto: Silke Richter

Von Silke Richter

Hoyerswerda. Von der Wirtschaftsförderung der Stadtverwaltung in Zusammenarbeit mit der IHK Dresden und der Kreishandwerkerschaft Bautzen wurde der Abend organisiert. Grundanliegen der Aktion ist, beim Blick hinter die Kulissen, die Unternehmen und deren Ausbildungs- sowie Jobangebote vorzustellen. 25 Interessierte nutzten die Möglichkeit, an einer der drei Touren teilzunehmen. 

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Mitgemacht haben: Träume in Lack – Unfall- und Lackierzentrum, Qualifizierungs- und Trainingszentrum qtz & Gesellschaft für Aus- und Fortbildung, Lausitzbad, Bock Blumen – DieBlumenBringer.de, AVI – Automation voller Ideen, Verkehrsgesellschaft Hoyerswerda, Studio 28 – Dentalstudio, Hoy Reha – Tagesklinik für Rehabilitation & Prävention, Versorgungsbetriebe.

Ein kleiner Familienbetrieb geht um die große Welt

Die erste Station führte zu Matthias Bock. Der Chef des gleichnamigen Blumengeschäftes dürfte mit der Entwicklung der Firma viele Menschen zum Staunen bringen. Es war Anfang der 80er Jahre. Die Neustadt glich optisch noch einer Wüste mit vielen Sandbergen. An das heutige Lausitzcenter wagte damals wohl niemand zu träumen. Regelmäßig bildete sich eine lange Warteschlange vor dem Blumenpavillon in der Bonhoefferstraße. „Es war Wahnsinn, wie viele Leute damals vor dem Geschäft jeden Tag warteten“, erinnert sich der Firmenchef zurück, der den Aufbau des elterlichen Betriebes von Kindesbeinen an miterlebte. Eine Zeit, die den Hoyerswerdaer sehr geprägt hat. Anfang der 90er, also kurz nach der Wende, kämpfte seine Mutter als damalige Chefin des Ladens nicht nur mit der Treuhand als Rechtsmacht, sondern auch ums geschäftliche Überleben. Die engagierte Unternehmerin zeigte Durchhaltevermögen und enorme Willenskraft den Betrieb aufrecht erhalten zu wollen. Charaktereigenschaften, die in der Familie wohl in den Genen zu liegen scheinen. Zeigt doch auch Sohn Matthias Bock Erfindungsreichtum und Entschlossenheit, die Entwicklung des Geschäftes den Veränderungen des gesellschaftlichen Wandels lösungsorientiert anzupassen, um auf dem Markt weiterhin erfolgreich bestehen zu können. Die Firmenphilosophie zeigt auch heute Erfolge. So hat Matthias Bock schnell erkannt, dass der Online-Markt eine riesige Chance ist, die es gilt zu nutzen und erfolgreich umzusetzen. Der erste Auftrag ging am 23. Oktober 2017 auf die Reise. Freilich konnte damals keiner ahnen, welche Lawine der Blumenbringer mit seiner Idee losgetreten hatte. Die Aufträge summierten sich innerhalb kürzester Zeit. Schnell hatte sich rumgesprochen, dass Blumensträuße von Bock mit Natürlichkeit, Individualität und Exklusivität in floristisch, meisterlicher Handwerkskunst kreiert und gebunden werden. Hinter jedem fertigen Strauß oder Gesteck steht eine besondere Geschichte. Die Anlässe sind vielfältig. Angefangen von Blumen zum Muttertag und Wunschsträußen werden auch gern „Sorry-Sträuße“ in Auftrag gegeben. Eine weitere Herausforderung für den Familienbetrieb war die Entwicklung eines speziellen Kartons auf ökologischer Basis der sowohl die Sicherheit als auch die Wasserversorgung der bestellten Blumenkreationen gewährleisten kann. Heute verschickt das Unternehmen, das bereits in dritter Generation besteht, seine floristischen Kunstwerke deutschlandweit sowie nach Kanada, Brasilien und in die USA. „Das Unternehmen Bock Blumen zählt zu den Diamanten in der Stadt. Die erfolgreiche Firmengeschichte ist sehr erstaunlich und faszinierend“, fasste Wirtschaftsförderer Alexander Kühne abschließend zusammen.

Vom Praktikanten zum Geschäftsführer 

Zweite Station war die Firma AVI – Automation voller Ideen. Unter dem Motto „Konzeptionieren, optimieren, modernisieren und automatisieren“ wird bei AVI seit mehr als 25 Jahren erfolgreich Firmengeschichte geschrieben. Das Unternehmen hat seine Wurzeln in Hoyerswerda und ist mit einer Zweigstelle auch in der Stadt Leuna aktiv. Der heutige Geschäftsführer Frank Seifert begann Anfang der 90er Jahre als Praktikant in der Firma, die heute 45 Mechaniker, Ingenieure, Informatiker, Studenten und Praktikanten beschäftigt. AVI stellt für Industrieanlangen logische Zustände in Form von lösungsorientierter Computersoftware her. Die Tendenz der Nachfrage ist steigend. So werden Unternehmen im Zuge der Digitalisierung vor immer größere Herausforderungen gestellt, weil zum Beispiel das Datenvolumen von Industrieanlagen kontinuierlich ansteigt. Da heißt es: Nicht den Überblick beim Verwalten und Archivieren der riesigen Datenmengen verlieren!

So ist es beispielsweise in riesigen Lagerhallen wichtig, zu wissen, wo Gegenstand A schnell zu finden ist, um effektiv und nachhaltig wirtschaften zu können. Und jetzt kommt AVI ins Spiel, um für Unternehmen Softwarelösungen zu entwickeln mit denen automatisierte Fertigungsprozesse geplant, gesteuert, visualisiert und überwacht werden können. Wie solch ein Ergebnis aussehen kann, zeigte Frank Seifert in einem Schaltschrank in der Firmenwerkstatt. „Auch unsere Firma hat in der Corona-Zeit ein paar Schrammen abbekommen. Wir mussten zwei Projekte in Asien unterbrechen. Jetzt haben wir aber glücklicherweise wieder gut zu tun“, freut sich der Geschäftsführer. Neben Aufträgen im Ausland hinterlässt AVI auch in der Region ihre Spuren. So stehen Firmen in Wittichenau, Schwarze Pumpe, Lauta, Lampertswalde, Freiberg und Bautzen auf der Referenzliste des Hoyerswerdaer Unternehmens.

Vom Oldtimer zum Elektrobus 

Dritte Station war die Verkehrsgesellschaft Hoyerswerda (VGH) im Industriegelände. Vor der großen Betriebshofhalle, die im Übrigen unter Denkmalschutz steht, war für die Besucher die Firmengeschichte des Hoyerswerdaer Unternehmens sofort offensichtlich: Ein Oldtimer Ikarus 55, ein Linienbus sowie ein E-Bus parkten vor der Industriehalle. Quasi in Bildern ein technischer und historischer Blick in die Vergangenheit, die Gegenwart, die Zukunft. „Der Beruf des Busfahrers ist längst keine reine Männerdomäne“, erklärte Verkehrsleiter Klaus-Peter Meyer und berichtet von zwei Damen, die bei der Verkehrsgesellschaft ihren Mann stehen. Die Anfänge der Firmengeschichte wurden bereits in den 50er Jahren geschrieben. Durch das Wachstum der Kohleindustrie stieg auch die Nachfrage für den Busverkehr. Tausende Fahrgäste wurden täglich in Schichtbussen zu ihren Arbeitsstellen und wieder nach Hause gefahren. Heute werden jährlich 1,2 Millionen Fahrgäste transportiert.

Bei der VGH sind momentan knapp fünfzig Mitarbeiter und vier Auszubildende tätig. Über zwanzig Linienbusse sind derzeit im Stadtverkehr im Einsatz. Auch den Schülerverkehr und die sogenannten Einkaufsfahrten in den Globusmarkt, mit denen beispielsweise ältere Menschen aus dem Umland den Supermarkt besuchen können, werden durch das Unternehmen abgesichert. Mit dem E-Bus ging es zurück zur Ausgangsstation der Spätschicht zum Lausitzer Platz. War es doch für die VGH die erste Testfahrt mit Besuchern.

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