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Kindervisionen für die Stadt

Ein Ferienprojekt hat gezeigt, was sich junge Bewohner so wünschen. Der Jugendstadtrat wird einige Ideen mitnehmen.

Für die Kinder gab es nach der Abschlusspräsentation des Ferienprojektes „Wünsch dir was“ noch eine Urkunde, die sie zu kleinen Stadtentwicklern ernannte.
Für die Kinder gab es nach der Abschlusspräsentation des Ferienprojektes „Wünsch dir was“ noch eine Urkunde, die sie zu kleinen Stadtentwicklern ernannte. © Foto: Gernot Menzel

Hoyerswerda. Die Welt aus Kinderaugen zu sehen, ist meist ziemlich spannend, weil sie so unvoreingenommen und uneingeschränkt an Dinge herangehen. So ist es auch nicht verwunderlich, dass da schon mal die Idee entsteht, auf dem Marktplatz in der Altstadt einen großen Wasserspielplatz samt Badestelle, Palmen und einem weiteren Schwimmbecken anzulegen. Unter dem Namen „Wunschvulkan“ ist das eines der Ergebnisse aus einem einwöchigen Ferienprojekt, das am letzten Freitag mit einer Präsentation abgeschlossen wurde. KulturFabrik, Internationaler Bund und Jugendstadtrat riefen gemeinsam zu „Wünsch dir was“ auf.

„Ersponnen und erträumt“

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Das City Management lädt am 1. Oktober 2021 zum Late Night Shopping in die Dresdner Innenstadt ein. Viele Geschäfte haben bis 23 Uhr geöffnet.

Das Ganze fand an der Schnittstelle zwischen Alt- und Neustadt statt, wie es die KuFa-Mitarbeiterin Ina Züchner beschreibt. Anfangs wurden wild Ideen gesponnen und dann in den folgenden Tagen kreativ umgesetzt und damit visualisiert. Verschiedene Materialien wurden dabei genutzt. Herausgekommen ist eine bunte Mischung aus thematischen Spielplätzen, Möglichkeiten zum Klettern, Aufenthaltsorten für Jugendliche oder Sportereignissen. Vom Grundschüler bis zum Teenie waren Hoyerswerdaer dabei, die ihre Wünsche in konkrete Ideen verwandelt haben. Vor der Abschlusspräsentation hat Nancy Hauke, Mitarbeiterin des Internationales Bundes, zusammengefasst: „Ihr habt getüftelt, ersonnen, ersponnen, erträumt.“

Eine ganze Schar von Kindern aus dem Hort der Johanniter-Kita An der Elsterwiese hatte Bettina Mizera mit. Sie waren an vier von fünf Tagen in unterschiedlicher Gruppengröße vor Ort und haben die Abwechslung genossen. „Ich bin immer auf der Suche nach kostenlosen Angeboten und konnte mit den Kindern raus“, erzählt die Erzieherin. Auch die Unterstützung jüngerer Kinder durch ältere fand sie sehr schön.

Insgesamt wurden über zehn Ideen herausgearbeitet und präsentiert. Das Modell Dinopark zeigt eine Spielfläche – denkbar in Elster-Nähe –, die Schaukel, Kletterturm und Verstecke bietet. Im Fluss kann auf einem Dino getobt werden, erklären die Mädchen, die sich zunächst mit verschiedenen Dinosaurier- und Fischarten auseinandergesetzt haben. Eine kleine Dokumentation in Form eines Buches ist dabei entstanden – mit Notizen und Skizzen.

Ina Züchner hat aus dieser Woche vor allem die Erkenntnis mitgenommen, dass Kinder oftmals die Möglichkeiten, die sich ihnen in der Stadt bieten, nicht vollumfänglich kennen. Das war aber auch eines der Ziele dieses Projektes: Bedarfe erkennen und je nach Möglichkeit an andere Stellen weitervermitteln. „Das war erschreckend“, hält die in der Kinder- und Jugendarbeit Tätige dennoch fest.

Die Grundschüler Milan, Jessica und Vincent sinnieren über eine kleine Erlebniswelt, dessen Mittelpunkt ihr Wunschvulkan mit einem zentralen Pool ist. Dort kann geklettert, gebaut, gebadet werden. Sie haben klare Vorstellungen: Kinder und Erwachsene können sich hier aufhalten, Familien oder kleine Gruppen finden Platz, der Vulkan kann ausbrechen, Palmen säumen das Gelände, es ist an Umkleiden und Sanitäranlagen gedacht worden. Das Ganze sehen sie auf dem Altstadt-Marktplatz realisiert. Kinder bringen Steine mit, damit der Wunschvulkan hochgebaut werden kann. An diese Umstrukturierung hätte sich wohl kein Erwachsener herangetraut.

Der Abschlussveranstaltung wohnten einige Vertreter der Stadtverwaltung bei, die sich genau anhörten, was die Kinder und vor allem die Jugendlichen sich ausgedacht haben. Kontakte wurden geknüpft.

Ein Gebäude, als XXL-Handy beschrieben, mit freiem Wlan beinhaltet verschiedene kleine Zimmer: einen Zockerraum mit Konsolenspielen, einen für Filme und Serien und die Videoplattform Tiktok, die bei dieser Altersgruppe sehr beliebt ist, spielt auch eine Rolle. Bei Dunkelheit leuchten Sterne an den Wänden und Decken der Zimmer.

Die beiden neugewählten Jugendstadträte Lena und Julius reden von einer Internetseite, die Kulturveranstaltungen gesammelt aufzeigt. Weiterhin möchten sie in einem stadtweiten sportlichen Wettbewerb Jugendliche zusammenbringen, Grenzen überwinden. Pascal, zuletzt Justra-Vorsitzender, möchte einen Jugenddialog schaffen, weil er es für wichtig hält, dass Jugendliche miteinander ins Gespräch kommen. Doch es geht auch um Meinungsbildung und das Interesse an politischen Themen. Ein Workshop sei denkbar. Auch ein Wettbewerb schwebt ihnen vor, der künstlerisch Begabten eine Plattform sein soll – gerne zeitgenössische Kunststile. Einige Ideen werden in die nächste Legislatur mitgenommen, zeigen sich die Jugendstadträte erfreut über die Vielfalt an Ideen.

Jessica, Milan und Vincent (v.l.) haben sich einen „Wunschvulkan“ erdacht, der zum Klettern, Planschen und eben Wünschen einlädt – ihrer Vorstellung nach auf dem Marktplatz in der Altstadt. Das Modell ist innerhalb weniger Tage entstanden.
Jessica, Milan und Vincent (v.l.) haben sich einen „Wunschvulkan“ erdacht, der zum Klettern, Planschen und eben Wünschen einlädt – ihrer Vorstellung nach auf dem Marktplatz in der Altstadt. Das Modell ist innerhalb weniger Tage entstanden. © Foto: Gernot Menzel

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