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Kleine Töpferei schlägt sich wacker

Trotz Verlusten im letzten Jahr schaut Andreas Hegewald optimistisch in die Zukunft und arbeitet fast uneingeschränkt weiter.

Töpfermeister Andreas Hegewald in seiner Werkstatt in Schwarzkollm: Am Anfang steht immer ein Klumpen Ton, der auf der Töpferscheibe entsprechend geformt wird. Mit verschiedenen Hilfsmitteln werden Größe und Symmetrie überwacht.
Töpfermeister Andreas Hegewald in seiner Werkstatt in Schwarzkollm: Am Anfang steht immer ein Klumpen Ton, der auf der Töpferscheibe entsprechend geformt wird. Mit verschiedenen Hilfsmitteln werden Größe und Symmetrie überwacht. © Foto: Gernot Menzel

Schwarzkollm. Kolkraben sind raffinierte Tiere. Sie werden als intelligent und sozial beschrieben. Andreas Hegewald mag die Vögel und trägt gewissermaßen zu ihrer Popularität in der Region bei. Denn längst hat sich der Töpfer mit seinen vielfältigen Unikaten einen Namen als „Rabenvater“ gemacht, wie er sich scherzhaft nennt.

Die aus Ton modellierten Tiere sind seit Jahren fester Bestandteil der Produktion in dem kleinen Zwei-Mann-Unternehmen in Schwarzkollm. Die Nähe zur Krabat-Mühle im Ort wird damit deutlich. Denn die Raben spielen eine wichtige Rolle in der sorbischen Sage um den Zauberer Krabat.

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Doch Raben sind längst nicht alles, was in der Töpferei produziert wird. Geschirr in Form von Schalen, Tassen, Tellern oder dekorative Elemente gehören genauso zum Sortiment wie Hausschilder. Je nach Saison gibt es beispielsweise auch anderes: Weihnachtskränze und Kugeln.

Überleben ohne Weihnachtsgeschäft

Seit mehr als 25 Jahren war auch der Dresdener Striezelmarkt ein fester Punkt im Jahresverlauf – nur nicht 2020. „Es gab ein langes Ringen um den Markt und ich habe sehr darauf gehofft“, bedauert Andreas Hegewald. Normalerweise hätte er ab September darauf hingearbeitet. Die Kräfte müssen mit Bedacht eingesetzt werden, gibt er zu bedenken. Doch so konnte er stattdessen im Advent mit seiner Familie eine besinnliche Zeit erleben wie lange nicht mehr. „Natürlich sorgt das Weihnachtsgeschäft für ein finanzielles Polster“, erzählt der Töpfermeister. Aber er kommt über die Runden: „Ich kann ohne das Weihnachtsgeschäft überleben.“ Für seine Frau Ulrike, die mit ihm in der Töpferei tätig ist, hat er im Verlauf des letzten Jahres Kurzarbeitergeld und andere staatliche Hilfen in Anspruch genommen. „Es war ein Jahr, geprägt von außergewöhnlichen Entscheidungen, aber auch von tiefen persönlichen Reflexionen. Das hat mich vorangebracht.“

Die Auftragslage stagniert, letzte Bestellungen werden abgearbeitet, die Produktion selbst ist jedoch nicht eingeschränkt. Neben der Herstellung und dem deutschlandweiten Versand werden Beratungen zu Aufbau und Ausstattung von Keramikwerkstätten angeboten. Brennöfen, Ton und Glasuren können ebenfalls bezogen werden. So gibt es unter anderem Kooperationen mit Schulen, Kindertagesstätten und ähnlichen Einrichtungen.

In Schwarzheide hat Andreas Hegewald das Haus der Begegnungen 2018 mit Töpferscheiben und einem Brennofen beliefert. Nun finden / fänden dort an den zehn Arbeitsplätzen regelmäßig Kurse statt – wenn es die Corona-Einschränkungen gerade nicht gäbe. Seit circa zwei Jahren bietet er einmal monatlich Kurse, die von Freitag bis Sonntag dauern. Es wird ergebnisoffen gearbeitet – eben „Entdeckerkurse“. Ton ist ein weiches Material, „man kann da viel Emotion reinlegen“. Für Anfänger kann das eine gute Erfahrung sein und für sich selbst sieht Hegewald die Chance, mit Menschen zu arbeiten. Er kommt raus – „das war wichtig für mich“.

Online-Shop ist unromantisch

Der an die Töpferei angeschlossene Verkaufsraum ist zur Zeit für Publikumsverkehr nicht zugänglich. Aber Laufkundschaft gibt es ohnehin selten. Kunden kommen eher ganz gezielt in die Töpferei. Auf der Website konnten zuletzt mehr Zugriffe verzeichnet werden als zu anderen Zeiten. Aber direkt auf die Bestellungen hat sich das noch nicht niedergeschlagen. Und gegen einen Online-Shop sträubt sich Andreas Hegewald. Als Gründe nennt er den Aufwand in der Pflege und die Kosten. Außerdem sei es „total unromantisch“. Das würde vermutlich gar nicht seine Zielgruppe treffen. Über manch widersprüchliche Festlegung im Rahmen der Pandemie ärgert sich der 53-Jährige, aber „wir sind optimistisch, es gibt keine Zukunftsängste“.

Während des Sommers hat sich bemerkbar gemacht, dass vermehrt in der Region Urlaub gemacht wurde. So partizipiert Andreas Hegewald auch von den Entwicklungen rund um die Krabat-Mühle und insgesamt am Interesse an Schwarzkollm. Seiner Meinung nach funktioniert Mundpropaganda immer noch besser als manche Werbung oder Akquise. In seinem Fall wirken und werben besonders die Dachraben für sich selbst. Für den Umsatz bedeuten die Raben das größte Volumen, aber bei den Stückzahlen liegt das Geschirr vorne.

Die k.r.a.h-Raben (kreative Raben Andreas Hegewald) sind schon ein Alleinstellungsmerkmal, schätzt der Töpfer. Hier werden vor allem Sonderwünsche und Spezialanfertigungen nachgefragt. Häufig sind es Berufe oder Hobbys, die dargestellt werden. Themen waren schon: Feuerwehr, Malerei, Jagd, Volleyball, Archäologie, Stricken, Zauberei. Mit vielen Details sind die Raben dann ausgestattet und dienen häufig als Geschenk. Aus Gesprächen gehen dann viele Aspekte hervor, die in die Arbeit einfließen. Für die Kunden baut sich eine enorme Spannung bis zum Endergebnis auf. „Ich erlebe sehr viel Freude“, beschreibt Andreas Hegewald den Prozess. Besonders im Gedächtnis geblieben ist ihm ein Rabe mit Bagger und Schaufelrad, wobei sogar bewegliche Elemente verbaut waren.

Geschirr schätzt der Familienvater jedoch genauso emotional ein, denn es ist dem Menschen nahe und nährt ihn. So lässt er sich auch in diesem Bereich auf Sonderanfertigungen ein, wie kürzlich bei der Herstellung von Trinkschalen für einen afrikanischen Ritus. Wenig Dekor war gefordert. „Weglassen, Reduzieren kann ein wichtiger Aspekt sein.“ Es ist gerade eine ruhige Zeit, um sich inspirieren zu lassen, fasst er zusammen. So möchte er die Kurse auch bald um ein neues Konzept ergänzen.

Nach und nach nimmt das Werkstück Gestalt an und kann zu Schale, Tasse, Krug oder Teller werden.
Nach und nach nimmt das Werkstück Gestalt an und kann zu Schale, Tasse, Krug oder Teller werden. © Foto: Gernot Menzel
In den Ton können letztendlich Motive oder Schriftzüge geritzt werden.
In den Ton können letztendlich Motive oder Schriftzüge geritzt werden. © Foto: Gernot Menzel

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