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Paten für ehemalige Vertragsarbeiter gesucht

Eine Hoyerswerdaerin initiiert eine Spendenaktion, die nicht nur einmalig helfen soll.

Maja Lehmann möchte ehemalige Vertragsarbeiter, die in Hoyerswerda lebten und arbeiteten, regelmäßige Spenden zukommen lassen. „Denkt ihr manchmal an uns“, wird in der Ausstellung „Wir waren Kollegen“ gefragt, die die 47-Jährige inspiriert hat
Maja Lehmann möchte ehemalige Vertragsarbeiter, die in Hoyerswerda lebten und arbeiteten, regelmäßige Spenden zukommen lassen. „Denkt ihr manchmal an uns“, wird in der Ausstellung „Wir waren Kollegen“ gefragt, die die 47-Jährige inspiriert hat © Foto: Juliane Mietzsch

Hoyerswerda. Spontan ist Maja Lehmann während des Gedenkwochenendes Hoyerswerda ’91 zu einer Lesung mit Grit Lemke gegangen, hat Szenen aus „Kinder von Hoy“ gehört. Sie selbst erinnert sich, dass sie im September vor 30 Jahren zwar im WK VI bei ihrer Oma gewohnt hat, aber für das Abitur tagsüber in Cottbus war. Vieles aus dem Buch erkennt sie wieder, ist selbst in Lohsa in einem Plattenbau aufgewachsen. Teils unterhaltsame Schilderungen, wie sie findet.

Doch „das Lachen ist mir dann vergangen“, hält sie fest, als die Ausschreitungen und deren bis heute andauernde Folgen behandelt werden. Nun möchte sie den ehemaligen Vertragsarbeitern helfen, die damals in Hoyerswerda gelebt und gearbeitet haben.

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Bereits während des Gedenkwochenendes wurden Spenden gesammelt, die David Macou, als Vertreter der Madgermanes, mit auf den Weg gegeben wurden. Die meisten Mosambikaner konnten nach der Rückkehr nicht richtig Fuß fassen, haben keine passende Arbeit gefunden. „Ich weiß, was Armut bedeutet“, erzählt Maja Lehmann mit Blick auf ihre Eindrücke von Reisen nach Afrika und Asien. Sie ist der Meinung, dass auch wenig schon viel bewirken kann.

Daher möchte die Hoyerswerdaerin den Betroffenen in Maputo regelmäßig finanzielle Hilfe zukommen lassen. Sie denkt dabei an Patenschaften für die knapp zwanzig Menschen, die heute in teilweise prekären Verhältnissen leben. Auch die Ausstellung „Wir waren Kollegen“, die einige von ihnen porträtiert, hat sie darin bestärkt und diesen Schicksalen nähergebracht. Eine Summe von hundert Euro monatlich pro Person sei denkbar, was in etwa einem halben durchschnittlichen Monatseinkommen entspräche, so die 47-Jährige.

Jetzt können sich bis Ende des Monats spendewillige Privatpersonen, Unternehmen, Abteilungen, Vereine, Kirchengemeinden, Schulklassen oder Hausgemeinschaften finden, die sich beteiligen möchten – damit im November die ersten Spenden geschickt werden können. Jeder Betrag ist dabei willkommen. Die Organisation übernimmt hierbei die Initiative Zivilcourage, die auch Interessenbekundungen entgegennimmt. Sabine Proksch, Vertreterin der Initiative, würde sich wünschen, dass daraus ein wirklicher Kontakt entsteht und so die Geschichte aufrechterhalten bleibt.

Kontakt: [email protected]
Spenden unter Angabe der Anschrift und Mail-Adresse an: Kulturfabrik Hoyerswerda, Ostsächsische Sparkasse Dresden, IBAN: DE 42 85050300 3000126316, Kennwort „Pate“

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