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Rückblick: Uferabschnitt rutscht in den Knappensee

Im März hat eine meterhohe Flutwelle an der Groß Särchener Strandpromenade Zerstörungen hinterlassen. Die Schäden sind weitgehend reguliert.

Von Ralf Grunert
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Ein kleines Wäldchen sowie asphaltierte Wege, Rohrleitungen und Kabel wurden bei der Rutschung am 11. März am Ostufer des Knappensees von den Erdmassen mitgerissen.
Ein kleines Wäldchen sowie asphaltierte Wege, Rohrleitungen und Kabel wurden bei der Rutschung am 11. März am Ostufer des Knappensees von den Erdmassen mitgerissen. © Archivfoto: Gernot Menzel

Groß Särchen. Panik am 11. März gegen 9.35 Uhr am Knappensee, als eine meterhohe Flutwelle über das Groß Särchener Ufer hereinbricht. Eine junge Frau konnte sich gerade noch so vor den Wassermassen in Sicherheit bringen, ehe diese in bis zu zwei Meter Höhe an einem Bungalow, der rund 50 Meter vom Ufer entfernt steht, anbrandeten.

Auslöser der Flutwelle, die in nicht mal einer Minute den See gequert haben muss, war eine gigantische Erdmassenbewegung, bei der am Ostufer des Sees nach Schätzungen des Sächsischen Oberbergamtes rund eine Million Kubikmeter in den Knappensee gerutscht sind. Betroffen war ein noch nicht sanierter rund 500 Meter breiter Uferabschnitt, in dem sich ein 250 Meter breiter und 350 Meter tiefer Rutschungskessel gebildet hat. Hunderte Bäume sind in diesem ebenso verschwunden wie asphaltierte Wege und Rohrleitungen.

In Reaktion auf die Rutschung wurde umgehend ein Baustopp für sämtliche Sanierungsarbeiten an diesem Gewässer ausgesprochen. Wie sich herausstellte, haben „Initialeinträge bei den seeseitigen Profilierungsarbeiten am Ufer zur Vorbereitung der geplanten Rütteldruckverdichtung“ die Erdmassenbewegung ausgelöst.

Die Innenkippen des ehemaligen Tagebau Werminghoff galten als instabil und waren ein wesentlicher Grund für die umfangreichen Sanierungsarbeiten, die seit 2014 zur Sicherung des Knappensees durchgeführt werden. Das Ausfließen von Massen in den See wird durch sogenannte „versteckte Dämme“ zur Stabilisierung der Böschungen verhindert. Dieser Damm sollte an dem von der Rutschung betroffenen Uferabschnitt erst noch mittels Rütteldruckverdichtung geschaffen werden. Die Profilierungsarbeiten auf der Seeseite gehörten im Vorfeld dazu. Dass die versteckten Dämme wirksam sind, bestätigen Sachverständige. Die Rutschung kam an den bereits mit Rütteldruckverdichtung gesicherten benachbarten Uferbereichen zum Stehen. „Diese Sicherungsdämme haben den großen Belastungen standgehalten und somit auch einen Nachweis der Wirksamkeit der Sanierungsmaßnahmen erbracht“, hieß es seitens des Oberbergamtes.

Da aber niemand ausschließen kann, dass es zu weiteren Rutschungen im noch nicht gesicherten Bereich kommt, wurde Mitte April entlang des Groß Särchener Ufers auf rund 300 Metern Länge ein aus sandgefüllten Big Bags bestehender Schutz-Riegel angelegt. „Dabei handelt es sich um einen vorbeugenden Schutz gegen auflaufende Schwallwellen bei eventuell weiteren Abbrüchen an der Hochkippe“, so lautet die Erklärung seitens der LMBV.

Warten auf Sanierungs-Planung

Mit Ausnahme des Rutschungsgebietes wurden die Sanierungsarbeiten in den betreffenden anderen Bereichen des Knappensees eine Woche nach dem Vorfall wieder aufgenommen. Dort zeichnet sich ab, dass die Sanierung im Frühjahr 2022 abgeschlossen werden kann. Es hätte also tatsächlich mit der in Aussicht gestellten Seefreigabe für die bevorstehende Badesaison klappen können. Nun allerdings ist es so, dass keine Freigabe des Gewässers erfolgen wird, solange die Ostböschung nicht gesichert ist. Bis zum kommenden Frühjahr soll erst einmal eine Planung vorgelegt werden, wie die Sanierung der Ostböschung erfolgen kann. Bis dahin lässt sich auch noch nichts über die Dauer der notwendigen Baumaßnahmen sagen.

So gut wie abgegolten sind inzwischen die bestehenden Schadenersatzansprüche der von der Flutwelle Geschädigten. Ein Bungalow an der Strandpromenade war komplett zerstört worden. Auf dem direkt am Ufer gelegenen Vereinsgelände des Bautzener Segelclubs wurden neun von zehn Gebäuden teilweise stark beschädigt. „Im Rahmen der Schadensregulierung wurden durch die LMBV die Schäden in Höhe von ca. 200.000 Euro bewertet“, ist von Pressesprecher Uwe Steinhuber zu erfahren. Es geht um 14 Geschädigte. „Über die Höhe der Entschädigung wurde mit allen Betroffenen Einigkeit erzielt – außer mit einem. Diese offene Schadensregulierung wurde zur Festsetzung der Schadenssumme an das Sächsische Oberbergamt übergeben. Die Auszahlung der Entschädigungsbeträge erfolgte bzw. erfolgt zeitnah nach Eingang der Bestätigung durch die Betroffenen“, so der LMBV-Pressesprecher.

Die ausgelöste Flutwelle raste mit einer Höhe von 1,50 Meter quer über den See. Beim Auftreffen auf das Groß Särchener Ufer baute sie sich mehrere Meter hoch auf. Mit ihrer Wucht richtete sie Schäden an Bungalows, Hütten und Booten an.
Die ausgelöste Flutwelle raste mit einer Höhe von 1,50 Meter quer über den See. Beim Auftreffen auf das Groß Särchener Ufer baute sie sich mehrere Meter hoch auf. Mit ihrer Wucht richtete sie Schäden an Bungalows, Hütten und Booten an. © Foto: Ralf Grunert