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Mit 33 Jahren schon Ortschronist

In Oßling hat ein junger Mann ein anspruchsvolles Amt übernommen, das sonst oft von Älteren ausgeübt wird.

Martin Herzog ist der neue Ortschronist von Oßling. In der Hand hält er eines der ersten Schulfotos vom Ort.
Martin Herzog ist der neue Ortschronist von Oßling. In der Hand hält er eines der ersten Schulfotos vom Ort. © Foto: privat

Oßling. Bei einem Ortschronisten denkt man oft an einen älteren Herrn, der sich in seinem Ruhestand mit alten Akten, aber auch dem aktuellen Geschehen beschäftigt. Er archiviert Vorhandenes und ergänzt es mit Neuem. Nicht so in Oßling.

Dort übernahm jetzt ein 33 Jahre junger Mann die Ortschronik und damit auch die Aufgaben des Ortschronisten. Die Rede ist von Martin Herzog. Anfang des Jahres hatte der bisherige Ortschronist Günther Schäfer das Amt aufgegeben. Der 79-Jährige nannte dafür gesundheitliche und private Gründe. Bis dahin hatte der Rentner, der bis kurz vor der Wende Bürgermeister in der Gemeinde gewesen war, mit viel Gewissenhaftigkeit die Unterlagen geführt. „Für diese Arbeit kann ich mich nur bedanken“, sagt Bürgermeister Johannes Nitzsche (Wählervereinigung Bündnis Zukunft gestalten). Er ist gleichzeitig froh, dass so schnell ein Nachfolger gefunden wurde.

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Der alte und der neue Ortschronist kennen sich schon viele Jahre. „Wir sind Nachbarn, und ich habe auch früher schon immer mal in den alten Akten geblättert. Das war echt spannend“, sagt Martin Herzog. Und so fiel es ihm auch nicht schwer, ja zu sagen, als Günther Schäfer fragte, ob er denn nicht die Chronik übernehmen wolle. Er betonte dabei aber gleich, dass zur Ortschronik auch die Schul- und die Faschingschronik mit dazugehört.

Trotzdem blieb Martin Herzog bei seiner Entscheidung. Der 33-Jährige ist gebürtiger Oßlinger, lebt schon immer in dem kleinen Nachbarort von Wittichenau. „Ich habe hier alle Schulen durchlaufen, habe mich beim Fasching engagiert, kenne die meisten Leute“, sagt er selbst. Bis zum Uropa zurück lebte die gesamte Familie in Oßling. Bis heute ist das so.

Das Interesse an Geschichte hat er schon seit seiner Schulzeit. Die Frau des ehemaligen Ortschronisten war seine Lehrerin in diesem Fach und hatte mit dafür gesorgt, dass Martin Herzog eine Leidenschaft für dieses Gebiet entwickelte. „In Geschichte hatte ich immer eine Eins“, sagt er. Das Interesse ist auch nach der Schule geblieben, sagt Martin Herzog, der seit dem vorigem Jahr Mitglied im Ortschaftsrat von Oßling ist. „Ich interessiere mich privat für Geschichte, für mein Dorf, das zum einen auf eine deutsch-sorbische Vergangenheit, zum anderen aber auch auf eine sächsisch-preußische Geschichte zurückblicken kann.“ Und schon vor Jahren schaute er in die Ortschronik, um den Namen seiner Oma zu finden – mit Erfolg, und dazu entdeckte er noch ein paar interessante Fotos.

Die Digitalisierung ist geplant

Jetzt liegen 27 dick gefüllte Ordner vor Martin Herzog. Dazu kommen vier Kisten mit alten Klassenlisten. „Das ist ein großes Archiv“, schätzt der junge Mann ein. Ein wenig konnte er schon durch die alten Akten blättern, und er fand sogar ein Dokument aus dem 14. Jahrhundert. „Besonders beeindruckend sind die alten Bilder, die deutlich zeigen, wie die Menschen in Oßling in den verschiedenen Zeiten gelebt haben“, sagt er. Mit diesen vielen Akten der Ortschronik hat er Besonderes vor: Er will das gesamte Archiv digitalisieren - eine Mammutaufgabe. Solch eine digitalisierte Ortschronik gibt es noch nicht in vielen Gemeinden, und gerade das ist für ihn eine Herausforderung.

Die Aufgabe eines Ortschronisten besteht aber nicht nur im Aufarbeiten alter Akten. Vielmehr muss er das aktuelle Geschehen in seiner Gemeinde dokumentieren. Das beginnt von Beschlüssen im Gemeinderat, geht über Straßen- und Wohnungsbau, über die Wirtschaft, die Schulen bis hin zu den Freizeitaktivitäten. Auch das ist ein nicht zu unterschätzender Teil der Arbeit. „Ich muss zweigleisig fahren“, so Martin Herzog. Er nimmt sich vor, selbst Texte zu verfassen und das aktuelle Geschehen zu beschreiben.

Unterstützung findet Martin Herzog bei seiner Frau. Beide leben mit ihrem vierjährigen Sohn in Oßling. Die Arbeit als Heilerziehungspfleger auf dem Missionshof in Lieske ermöglicht ihm die Tätigkeit an der Chronik. Denn er arbeitet sieben Nächte und hat dann sieben Tage frei. Also gibt es für ihn Zeit, um sich mit Vergangenheit und Gegenwart des Ortes zu beschäftigen.

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