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Riesa

Ihr Leben ist Cheerleading

Sophia Herkt ist ständig auf Achse. Studium in Halle, Wohnung in Leipzig, Training in Riesa. Für die junge Frau eine Erfüllung.

Sophia Herkt ist seit vielen Jahren eine begeisterte Cheerleaderin. Die Freude an diesem Sport sieht man ihr auch an. © Christian Kluge

Von Christian Kluge

Es ist Freitagnachmittag. In Riesa ist Schmuddelwetter. Und in der Sachsenarena ist es auch nicht besonders warm. Vielleicht 14 oder 15 Grad plus. Drinnen wuseln die Mitglieder des Riesaer Cheerleadervereins (RCV) herum und bauen den Schwingboden für das große Meisterschaftswochenende auf. Derweil sitzt Sophia Herkt ganz entspannt auf dem zukünftigen Jury-Podium und erzählt, warum sie seit 14 Jahren Cheerleaderin ist – und den Einstieg in diesen anspruchsvollen Teamsport nie bereut hat.

Großes Glück kann so klein sein

Hellwach oder im lieblichen Schlummer zeigen sich die süßen Babys. In unserer Themenwelt Stars im Strampler gibt es den Nachwuchs zu sehen.

„Ich hoffe, mit dem, was ich tue, andere motivieren zu können. Mein Riesaer Verein ist wie eine zweite Familie für mich“, lächelt die attraktive junge Frau, die seit fast fünf Jahren den Spagat zwischen Studium in Halle, Wohnung und Nebenjob in Leipzig, Training in Riesa und Heimatbesuch bei der Familie im benachbarten Mautitz schafft. Wobei das Training in der Elbestadt nicht nur ihr eigenes im erfolgreichen Erwachsenenteam der Manic Dreams ist. Denn Sophia Herkt betreut auch die Minimaniacs, eine Nachwuchsgruppe des RCV.

Keine Zeit für einen Freund

„Freitag fahre ich immer nach Hause, dann ist am Abend Training und auch am Wochenende. Und Montag geht es zurück zum Studium nach Halle und dann nach Leipzig, wo ich wohne und nebenbei am Flughafen jobbe.“ Bleibt denn da noch Zeit fürs Privatleben oder einen Freund? „Bisschen schwierig. Zu wenig Zeit. Jetzt muss ich auch mein Studium abschließen. Aber es wird sicher mal klappen mit einem Freund“, lächelt Sophia Herkt.

Wie es klappen könnte, zeigt sich auf jeden Fall in ihrer Cheerleader-Gruppe. „Stimmt, wir haben zwei Pärchen im Team“, erzählt die junge Mautitzerin. „Insgesamt sind vier Männer bei den Manic Dreams, die vielseitig einsetzbar sind. Mit denen ist es immer witzig.“ Dass Sophia Herkt Spaß an ihrem Sport hat, ist unübersehbar. „Ich möchte auf jeden Fall so lange Wettkämpfe machen, wie es meine Gesundheit zulässt. Hoffentlich bis Ende 20. Außer einem Bänderriss hatte ich auch noch keine größeren Verletzungen.“

Das immer mal was schiefgehen kann bei den anspruchsvollen Übungen der Cheerleader, das ist allerdings logisch nachvollziehbar. Da müssen Pyramiden gebaut werden, es gibt Würfe und Sprünge und natürlich die Stunts, für die es bei Wettkämpfen auch mit die meisten Punkte gibt. „Wir hatten in unserer Erwachsenengruppe zuletzt auch mit ein paar Verletzungen zu kämpfen. Aber alle versuchen, beim Wettkampf trotzdem mitmachen zu können.“

Glück für den RCV: Bei den Manic Dreams macht auch eine Physiotherapeutin aktiv mit, und eine Ärztin ist im Betreuerteam. Insgesamt hat diese Riesaer Gruppe 22 Mitglieder. Mindestens zwölf sind für einen Start notwendig. Der war also auf jeden Fall nicht gefährdet. Und am Ende gelang den Riesaern am Sonnabend in der Erwachsenenkategorie Platz zwei bei der Regionalmeisterschaft Ost. Die Nachwuchsgruppe von Sophia Herkt holte sich sogar den Meistertitel.

Erste Versuche als Tänzerin

„Unseren Kleinen sind immer hochmotiviert und wollen natürlich fehlerfrei durchkommen“, lächelt die 23-jährige Trainerin. „Schließlich soll sich das jahrelange Training auch auszahlen.“ Und das tat es dann ja auch in der Sachsenarena.

Wie ist eigentlich der sportliche Weg der Mautitzerin verlaufen? „Ich habe schon mit sechs Jahren mit dem Tanzen begonnen. Das war Gruppentanz. Wir haben Sachen aus dem Dschungelbuch oder von Pippi Langstrumpf geübt. Meine sieben Jahre ältere Schwester Elisa hat mich dann mal zum Cheerleading mitgenommen. Das hat mir gefallen, und ich habe damit dann vor fast 14 Jahren angefangen.“

Kurioserweise im selben Team, das Sophia Herkt heute trainiert: den Minimaniacs. Nur vier Wochen nach ihrem Einstieg stand Ende Mai 2005 schon der erste Wettkampf an. Und seitdem viele andere. Mit welchem Höhepunkt? „Das war ganz sicher der Weltmeistertitel mit dem deutschen Team 2018 in Florida“, sagt die Mautitzerin und strahlt über das ganze Gesicht. Insgesamt haben im Vorjahr neun Riesaer Cheerleader den Sprung ins deutsche WM-Team geschafft. Vier Erwachsene und fünf Jugendliche – was die exzellente Arbeit des RCV ganz sicher unterstreicht.

Und wie geht es bei Sophia Herkt weiter, wenn diesen Sommer das Lehramts-Studium als Grundschullehrerin in Halle abgeschlossen ist? „Dann mache ich eineinhalb Jahre ein Referendariat, bevorzugt im Kreis Leipzig, weil ich dort meine Wohnung habe. Ich arbeite einfach gerne mit Kindern. Mit ihnen kann man bei null anfangen, und ich kann dann hoffentlich etwas daraus machen.“ Studiert hat die 23-Jährige übrigens Deutsch, Mathe, Sachunterricht und Sport. Und ihr Nebenjob ist das Check-in und Boarding bei Condor am Flughafen in Leipzig.