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Radebeul

Im Bann der Sterne

Ulf Peschel ist schon als Schüler gern in der Sternwarte, seit fast 19 Jahren ihr Chef. Und begrüßt zum Jubiläum Weitgereistes.

Immer wieder faszinierend. Sternwarten-Chef Ulf Peschel im Planetarium der Sternwarte Radebeul. © Norbert Millauer

Niederlößnitz. Fast mystisch wird es im Planetarium, wenn Ulf Peschel das große Licht ausschaltet, wenn sich nur noch die blauen und gelben Lichtstrahlen des Planetariumsprojektors durch den Raum tasten. Dann ist er in seinem Element, der Leiter der Sternwarte auf den Ebenbergen.

Sein Traumjob, wie Ulf Peschel gern zugibt. Mitte der 70er-Jahre noch in weiter Ferne, als den Schüler die Astronomie erstmals lockt. Der Vater findet für den Filius die passende Arbeitsgemeinschaft in der Sternwarte des Heimatortes. Einmal die Woche bin ich da den Berg hoch, sagt der schlanke, sportliche Radebeuler. Seine Erinnerung gilt auch AG-Leiter Wolfgang Büttner, nach Peschels Worten ein leidenschaftlicher Vermittler des Wissens um die Gestirne, nahegebracht in liebenswerter, warmherziger Art. Er hat das Feuer für die Astronomie entfacht, bekennt der Sternwartenchef. Doch wie das Leben so spielt – später wird für ihn anderes wichtiger. Er arbeitet in Dresden, in der Kultur, in einem soziokulturellen Zentrum. Was mit der Wende immer schwieriger wird. Dann ist da die Stellenausschreibung für die Sternwarte. Der heute 54-Jährige findet vor 19 Jahren seine Bestimmung, kümmert sich fortan nicht nur um Astronomisches, hat auch viel mit Kulturmanagement und Verwaltungsarbeit zu tun. Wofür er als Verwaltungsfachangestellter gut gerüstet ist.

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20.000 Besucher pro Jahr

Aber natürlich sind es vor allem die Sterne, die den zweifachen Vater in ihren Bann ziehen. Die ästhetische Schönheit des funkelnden Sternenhimmels, angesichts dessen Dimensionen er immer wieder spüre, wie klein sie ist, die Erde. Und wie wichtig es ist, auf sie zu achten. Das möchte er an die Sternwartenbesucher weitergeben, immerhin reichlich 20.000 pro Jahr. Und nicht nur dann, wenn es eine totale Mondfinsternis gibt, wie im Juli 2018, als 1.400 Leute zum Beobachten kamen.

Auch sonst sind die regelmäßigen Veranstaltungen gefragt, unter anderem von Schulklassen und Kitas. Die 60 Plätze im Planetarium sind im Nu weg, das Familienplanetarium Wochen vorher ausverkauft, sagt Ulf Peschel. Er rät zu Kartenreservierung online. Auch die Himmelsbeobachtungen, veranstaltet vom Verein, – heiß begehrt. Die Radebeuler haben viele Instrumente zu bieten, darunter das Spiegelteleskop in der Beobachtungshütte und ein transportables Instrument, manchmal auch die Fernrohre der Vereinsmitglieder.

Der Astroclub e.V. mit seinen rund 70 Mitstreitern ist enorm wichtig für die Sternwarte, sagt Ulf Peschel und verweist auf die sehr gute, enge Zusammenarbeit. Was dafür sorgt, dass der Verein und die städtische Einrichtung, wo neben Ulf Peschel noch eine Kollegin arbeitet, nach außen meist als Einheit spürbar sind.

Erweiterung der Beobachtungshütte

Gemeinsam mit dem Verein wird nicht zuletzt zweimal im Jahr aufgeräumt, beim Frühjahrs- und beim Herbstputz. Flaschen und Müll in der Umgebung machen dem Sternwarten-Team zu schaffen, das räumt fast jeden Tag Unrat weg – obwohl das nicht seine Aufgabe ist. Das Umfeld liegt in Verantwortung der Stadt. Ulf Peschel sagt, mit Grünanlage und Parkplatz soll bald was passieren. Außerdem wird die Beobachtungshütte erweitert – für das große Fernrohr, das der Verein 2018 selbstfinanziert angeschafft hat. Derzeit ist der Bauantrag in Arbeit.

Dazu sorgt die Stadt für neue Stühle im Planetarium. Die Handwerker stehen bereit, so Ulf Peschel. Er hofft, dass das bis zur Festwoche anlässlich des 60. Sternwarten-Geburtstags zu schaffen ist. Sie beginnt am 27. April und bietet nicht nur die Kinderastro-Rallye, gemeinsam mit dem Insel e.V., bei der die Besucher Astronautentraining erleben sowie kleine Raketen bauen und mithilfe von Backpulver starten lassen können. Vorträge beschäftigen sich mit der Zukunft der Raumfahrt und mit vom Himmel fallenden Steinen – Meteoriten und Sternschnuppen –, im Foyer öffnet eine Ausstellung mit Eisen- und Steinmeteoriten. Der südliche Sternenhimmel wird ein Thema sein, dazu kommt eine Show mit Musik des französischen Künstlers Jean-Michel Jarre.

Ulf Peschel weiß, dass solche Veranstaltungen neue Gäste in die Sternwarte ziehen können, die dann auch mal zu anderen Terminen mit mehr Wissenschaft kommen. Und sich vielleicht wie er von der Leidenschaft für die Astronomie anstecken lassen.

Weitere Informationen zur Sternwarte finden Sie hier.