merken
PLUS Kamenz

Camping am Großteich: Saisonstart fällt aus

Auf bis zu 1.000 Gäste zu Ostern hatten die Platzbetreiber gehofft, aber niemand darf kommen. Familie Eyke will trotzdem durchhalten - und investiert.

Viola und Willibald Eyke führen den Campingplatz am Großteich im Kamenzer Ortsteil Deutschbaselitz seit 15 Jahren und hoffen, dass die Einschränkungen für Camper bald gelockert werden.
Viola und Willibald Eyke führen den Campingplatz am Großteich im Kamenzer Ortsteil Deutschbaselitz seit 15 Jahren und hoffen, dass die Einschränkungen für Camper bald gelockert werden. © René Plaul

Kamenz. Die Idylle ist fast perfekt am Großteich im Kamenzer Ortsteil Deutschbaselitz. Auf einer Bank am Ufer picknickt eine junge Familie. Ein Hobbyfotograf hat das Teleobjektiv ausgefahren und Schwäne ins Visier genommen. Aber es ist eben nicht wirklich perfekt. Davon können Inhaber Viola und Willibald Eyke ein Lied singen. In der Rezeption des Campingplatzes ist es seit November still. Ebenso im Kaminzimmer der Strandklause. Nur ein paar Dauercamper sehen immer mal nach dem Rechten. Das Geschäft geht ins zweite Jahr mit Corona-Einschränkung.

Ostern ist für den Campingplatz immer der Start ins Jahr. Dann erwarten Eykes normalerweise um die 1.000 Gäste, auch wegen des Osterreitens als Magnet. „Die Gäste radeln dann von hier aus an die Strecken“, so Viola Eyke. Aber das Ostergeschäft muss erneut ausfallen. Wie schon zuvor das in der Weihnachtszeit. Weniger mit den Campern, als vielmehr mit Weihnachts- und Familienfeiern und dem Martinsgansessen in der Strandklause. Ab März beginne dann wieder die Camping-Saison.

Anzeige
Wie das Miteinander gelingen kann
Wie das Miteinander gelingen kann

Die TU Dresden engagiert sich für eine Ethik des Zusammenlebens, die sich an Gleichheit, Diversität und Eigenverantwortung orientiert.

Zahl der Übernachtungen hat sich vervielfacht

Vor 15 Jahren übernahmen Eykes den Zeltplatz. Die Zahl der Übernachtungen habe sich in der Zeit vervielfacht. Der Platz sei ein optimaler Ausgangspunkt für Touren durch die Oberlausitz und in die nahe Landeshauptstadt Dresden. Oder einfach nur, um an einem idyllischen See die Seele baumeln lassen.

Bei 7.000 bis 9.000 Übernachtungen liege der Platz jetzt im Jahr - mit Besuchern von Frankreich bis zur Ukraine. Das muss nicht im eigenen Zelt oder Camping-Anhänger sein, sondern ist auch im Ferienhaus, im Mobilheim oder in Riesen-Camping-Fässern aus Holz möglich. „Die Gäste stehen schon in den Startlöchern und rufen an“, so Viola Eyke.

Aber bis Anfang der Woche sei nicht einmal klar gewesen, ob Ostern aus dem Fenster der Strandklause an Ausflügler verkauft werden darf oder ob die Regeln eher verschärft werden. Jetzt gibt es Entwarnung: Der Außerhausverkauf kann öffnen mit Eis, Getränken, Würstchen aus dem Fenster in die Hand. Auch auf der Liste des Landkreises für Alkohol-Verbotszonen steht der Campingplatz nicht. In Kamenz gehören nur der Volkspark, das Parkdeck am Lessingplatz und der Parkplatz Hohe Straße (Auenstraße) dazu.

Spielplatz bekommt eine neue Attraktion

Verweilen ist allerdings nicht erlaubt und die große Terrasse an der Strandklause leergeräumt, damit Ausflügler gar nicht erst in die Versuchung kommen, sich niederzulassen. Der Außerhausverkauf bringe ein paar wenige Einnahmen und sei mehr so ein Zeichen: „Um den Leuten zu zeigen, dass es uns noch gibt“, sagt Viola Eyke

Die kleine Campingplatz-Mannschaft zähle fünf Stamm-Mitarbeiter, plus Saisonkräfte. Von Corona-Hilfen habe sie noch nichts gesehen, sagt Viola Eyke. Aber sie und ihr Mann haben sich vorgenommen durchzuhalten, zum Teil mit Kurzarbeit fürs Personal.

Ganz ohne Mitarbeiter gehe es aber nicht, um das Areal mit seinen Einrichtungen in Schuss zu halten und auch für die Sicherheit und den Winterdienst zu sorgen. Auch wenn keine Gäste da sind und damit keine Einnahmen. Bis jetzt stehe die schwarze Null. Das heiße aber auch, sehr sparsam zu wirtschaften.

Investitionen müssen im Wesentlichen verschoben werden, aber ein paar gibt es dennoch. Eigentlich wollte Willibald Eyke bei den Wohn-Fässern aufstocken: „Wir haben uns aber anders entschieden“, sagt er. Stattdessen werde jetzt der Spielplatz erweitert durch ein großes Spielgerät aus Holz – beides zugleich gehe nicht. Außerdem haben Eykes in ein neues Kühlhaus für die Gaststätte investiert. In der Hoffnung, dass das Campen bald wieder möglich sein wird.

Caravan-Geschäft wird abgegeben

Wie lange der Lockdown noch zu stemmen ist, sei schwer zu sagen. Es wäre traurig, wenn sie für immer zusperren müssten, sagt Viola Eyke. die auch gern mit einem Gerücht aufräumen möchte, dem vom Campingboom im Vorjahr. Erst einmal seien ja Gäste weggefallen durch den Lockdown. Die Auslandsgäste seien völlig ausgeblieben. Zum Glück habe aber die Campingfreude im Inland Schwung erhalten und die Verluste aufgefangen.

Dieses Jahr gehe es nun genauso weiter wie im vorigen, sagt die Chefin und schüttelt den Kopf. Sie verstehe nicht, warum Branchen lahmgelegt werden, die eher nicht zu den Corona-Hotspots gehören - zum Beispiel das Campen. Sie hofft auf Umdenken in der Politik: „Das ist ein kontaktarmes Hobby. Die Leute begegnen sich wenig, aber sie wollen endlich raus aus den vier Wänden.“ Derzeit bleibt nur wieder die Hoffnung auf einen guten Sommer.

Vom Caravan-Geschäft im Gewerbegebiet am Ochsenberg hat sich Inhaberin Viola Eyke jetzt zurückgezogen. Das habe aber nichts mit Corona zu tun: „30 Jahre waren wir am Markt und unter den 150 besten Händlern Deutschlands. Das ist doch nicht schlecht“, sagt sie. Mit 65 Jahren sei der richtige Zeitpunkt, in den Ruhestand zu gleiten. Aber nicht ganz – denn der Campingplatz bleibt.

Was ist heute im Landkreis Bautzen wichtig? Das erfahren sie täglich mit unserem kostenlosen Newsletter. Jetzt anmelden.

Mehr Nachrichten aus Bautzen lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Bischofswerda lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Kamenz lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Kamenz