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Folien-Hersteller wächst trotz Corona

Am gewaltigen Neubau bei Southwall in Großröhrsdorf geht es voran. Die Firma ist bisher gut durch die Pandemie gekommen und sucht Mitarbeiter für 50 Jobs.

Beim Spezialfolienhersteller Southwall in Großröhrsdorf entsteht ein gewaltiger Anbau. Der ist seit dem Baustart am Jahresanfang sichtlich gewachsen. Derzeit wird die Glasfassade montiert.
Beim Spezialfolienhersteller Southwall in Großröhrsdorf entsteht ein gewaltiger Anbau. Der ist seit dem Baustart am Jahresanfang sichtlich gewachsen. Derzeit wird die Glasfassade montiert. © René Plaul

Großröhrsdorf. Andere Firmen haben wegen der Corona-Krise Kurzarbeit eingeführt. Die Southwall Europe GmbH in Großröhrsdorf nicht. Im Gegenteil: Die Muttergesellschaft, der US-amerikanische Chemiekonzern Eastman Chemical Company, erweitert großflächig. Die Pläne dafür wurden natürlich schon vor Beginn der Pandemie mit ihren noch schwer einzuschätzenden wirtschaftlichen Folgen entwickelt. Aber der Hersteller von Spezialfolien sei bisher auch gut durch die Krisenmonate gekommen, stellt die Personalleiterin des Unternehmens, Teresa Horn, fest.

Das Produktionsteam leiste hervorragende Arbeit. Man habe strenge Schutzmaßnahmen schon ergriffen, bevor sie von der Regierung gekommen sein: „Die Gesundheit geht uns über alles.“ Die meisten Infektionen kämen allerdings aus dem privaten Bereich. Das sei auch an dem Großröhrsdorfer Unternehmen nicht ganz vorbeigegangen. Wenn es zum Beispiel durch Schulschließungen Probleme mit der Kinderbetreuung gegeben habe, hätten sich die Kollegen gegenseitig unterstützt. Der große Rückhalt in der Belegschaft habe aber vor allem mit zur positiven Entwicklung von Southwall auch in den Krisenzeiten beigetragen: „So einen Zusammenhalt habe sie als Personalleiterin selten erlebt.“

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Fachkräfte schwer zu finden

Bei Baustart habe die Belegschaft etwa 70 Mitarbeiter gezählt. Die Zahl soll mit der Erweiterung auf etwa 120 steigen, prognostiziert Teresa Horn. Es hänge letztlich natürlich von der Wirtschaftslage ab. Derzeit sei es schwierig, hochqualifiziertes Personal zu finden, das sei nach wie vor knapp. Außerdem seien Fachkräfte in einer unsicheren wirtschaftlichen Situation, eher vorsichtig und zurückhaltend mit dem Wechsel in einen neuen Job. Southwall suche insbesondere Prozessingenieure und Anlagenfahrer. Aber das Unternehmen sei optimistisch. Zugleich wolle die Hightech-Firma selbst ausbilden und suche Lehrlinge. Damit schwimme die Hightech-Firma durchaus gegen Trends in der Wirtschaft, die die Ausbildung wegen Corona eher zurückfahre. Teresa Horn sieht eine gute Perspektive für den Standort in Großröhrsdorf.

Bei Southwall gebe es keine Kurzarbeit: „Wir sind gut ausgelastet und haben mehr Aufträge als noch vor einem Jahr.“ Der Hersteller von hauchdünnen Hightech-Folien habe sich mehrere Standbeine geschaffen und könne flexibel mit Veränderungen im Sortiment auf die Marktlage reagieren. So werden die selbstklebenden Folien als Lackschutz, aber auch als Sonnenschutz auf den Autoscheiben eingesetzt. Diese seien besonders auf dem asiatischen Markt gefragt. Strahlungsreflektierende Folien für Gebäudefassaden gehören nach wie vor zum Produktionsspektrum: „Wir sind da sehr vielseitig“, so Teresa Horn.

Produktionskapazität wird ausgebaut

So stelle das Unternehmen inzwischen auch Folien für Smartphones, für Preisanzeigen in Supermärkten und für E-Book Lesegeräte her, wie den Kindle. Solche Folien seien immer gefragter. Der große Bedarf an hochleistungsfähigen Folien sei der Grund für die Muttergesellschaft in den Anbau zu investieren. Mit der Erweiterung in Großröhrsdorf baut Eastman seine Produktionskapazität deutlich aus, heißt es. Seit 2012 ist die Southwall Europe GmbH eine Tochter des amerikanischen Eastman-Konzerns mit Sitz in Kingsport, Tennessee. In Großröhrsdorf produziert Southwall seit dem Jahr 2000.

Die Großröhrsdorfer Firma Southwall sucht seit Kurzem sogar mit großflächiger Straßenwerbung nach Mitarbeitern.
Die Großröhrsdorfer Firma Southwall sucht seit Kurzem sogar mit großflächiger Straßenwerbung nach Mitarbeitern. © René Plaul

Der Neubau ist in den vergangenen Monaten in die Höhe gewachsen. Im Oktober konnte das Richtfest gefeiert werden. Derzeit werde an der Verglasung gearbeitet. Wenn die Außenhülle fertig sei, beginne der Innenausbau. In der Halle wird dann im kommenden Jahr eine neue Beschichtungs- und Laminier-Linie für Spezialfolie errichtet. Neben der Produktion entstehen Sozialräume, Lager und Büros. Zur Höhe der Investitionssumme macht das Unternehmen keine Angaben.

Der Produktionsstart im Neubau ist nach neusten Informationen 2022 geplant. Die Neueinstellungen aber schon für das nächste Jahr, denn das neue Personal müsse intensiv auf den Job vorbereitet und bis zu sechs Monate eingearbeitet werden.

Derzeit laufe alles nach Plan. Alle Baufirmen zögen mit, so Teresa Horn. Die unsichere Komponente sei die Auswirkungen der Corona-Pandemie. Das können noch verschärfte Auflagen sein oder Probleme bei Zulieferern, steigende Infektionsraten: „Wir sind ja von vielen Einflüssen abhängig“, so Teresa Horn.

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