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Ein verstecktes Paradies am Waldesrand

Sächsische.de zeigt die schönsten Gärten im Kreis Bautzen. Heute: Eine Großröhrsdorferin verbindet nahe der Massenei zwei Leidenschaften miteinander.

Als würde man im Wald sitzen: Hannelore Knöfel macht es sich auf einer Bank in ihrem Garten in Großröhrsdorf bequem. Hinter ihr rauschen die Bäume.
Als würde man im Wald sitzen: Hannelore Knöfel macht es sich auf einer Bank in ihrem Garten in Großröhrsdorf bequem. Hinter ihr rauschen die Bäume. © René Plaul

Großröhrsdorf. Wer den Ort nicht kennt, findet den Garten nie. Nur über einen schmalen Weg ist die Idylle von Hannelore Knöfel zu erreichen. Direkt am Waldrand zur Massenei in Großröhrsdorf liegt das Grundstück. Dort, wo man schon fast nichts mehr vermutet. Und doch tut sich am Ende der Adolfstraße ein kleines Paradies auf.

Betritt man den Garten, weiß man gar nicht, wo man zuerst hinschauen soll. Überall gibt es lauschige Ecken, stehen ungewöhnliche Deko-Gegenstände oder Bänke und Tischchen in Nischen, leuchten Blumen in den verschiedensten Farben. Und im Hintergrund rauschen die großen Bäume des angrenzenden Waldes, zwitschern die Vögel.

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„Ja, es ist ein ganz besonderer Garten“, weiß auch Besitzerin Hannelore Knöfel, die etwa zwei Kilometer vom Garten entfernt wohnt. Täglich fährt sie den Weg in ihre Waldidylle, hat immer etwas zu tun im Garten, genießt aber auch die Ruhe und Abgeschiedenheit.

Hannelore Knöfel kann nichts wegwerfen, und so stehen auf Tischen im Garten alte Wecker, Geschirr oder sogar ein Brotkasten.
Hannelore Knöfel kann nichts wegwerfen, und so stehen auf Tischen im Garten alte Wecker, Geschirr oder sogar ein Brotkasten. © René Plaul

Mit ihrem inzwischen verstorbenen Mann hat die heute 75-Jährige das Grundstück 1984 vom VEB Bandtex gepachtet. „Es war eine absolute Brache, nur Wiese, Gestrüpp und Ochsenzungen“, blickt Hannelore Knöfel zurück. Doch ihr Mann, der leidenschaftlicher Imker war und seinen Bienenwagen an vielen Stellen stehen hatte, wollte ein richtiges Bienenhaus. Mit dem reichlich 2.000 Quadratmeter großen Grundstück am Waldrand konnte er sich seinen Traum erfüllen. Nach der Wende konnte die Familie das Grundstück dann kaufen.

Viel ist seitdem in dem Garten der Knöfels passiert. „Wir haben zuerst das Bienenhaus gebaut, später kamen Hecken von zwei Seiten als Abgrenzung hinzu“, erzählt die ehemalige Erzieherin. Es wurden Bäume und Sträucher, auch mit Beeren, gepflanzt, viele Blumen entweder direkt in die Erde gebracht oder in Töpfen aufgestellt.

Rhododendron und Azaleen liebt Hannelore Knöfel ganz besonders. Und das sieht man dem Garten auch an. Die unterschiedlichsten Arten stehen überall verteilt. Jetzt sind die meisten Sträucher verblüht, aber man kann erahnen, wie es im Mai und Juni bunt leuchtet.

Eine große Amphore lenkt den Blick auf eine versteckte Sitzecke.
Eine große Amphore lenkt den Blick auf eine versteckte Sitzecke. © René Plaul

Sich um die vielen Blumen und anderen Pflanzen im Garten kümmern, ist ein Teil der Arbeit. Doch das Grundstück verfügte anfangs weder über einen Strom- noch Wasseranschluss. „Eine Stromleitung haben wir selbst gelegt, eine Trinkwasserleitung gibt es bis heute nicht“, so Hannelore Knöfel. Zum Gießen kommt das Wasser aus dem Brunnen auf dem Grundstück. Trinkwasser zum Kochen oder auch Waschen bringt sie täglich von zu Hause in Kanistern mit in den Garten.

Auch die zwei Kinder von Hannelore Knöfel und ihrem Mann und die inzwischen fünf Enkel sind sozusagen im Garten am Wald mit groß geworden oder werden es noch. „Sie haben die Zeit hier immer genossen und tun es bis heute“, erzählt die Rentnerin. Hier können sie toben, auch mal in den Wald gehen, spielen und vor allem jede Menge entdecken. „Die Enkel kommen liebend gern, und ich genieße die Zeit mit ihnen“, sagt die 75-Jährige.

Vor allem die Kinder und Schwiegerkindern sowie andere Verwandte sind es heute, die Hannelore Knöfel bei bestimmten Arbeiten im Garten helfen. Da muss mal der Brunnen tiefer gelegt, ein Zaun gebaut oder am Gartenhaus etwas repariert werden.

Ein Hahn geht mit seinen Hühnern im Garten spazieren - aus Keramik.
Ein Hahn geht mit seinen Hühnern im Garten spazieren - aus Keramik. © René Plaul

Direkt am Bienenhaus, das heute nicht mehr genutzt wird, befinden sich eine kleine Küche und ein Aufenthaltsraum. „Wir haben hier auch schon geschlafen und so manche Feier auf dem Grundstück ausgerichtet. Das war dann immer besonders idyllisch“, erzählt die Gartenbesitzerin. Es sei auch schon vorgekommen, dass andere Leute gefragt haben, ob sie im Garten der Knöfels feiern können. „So etwas mache ich nicht. Das ist ein Refugium für mich, meine Familie und Freunde.“

Neben der Liebe zu Pflanzen hat Hannelore Knöfel noch ein anderes Faible: Sie sammelt allerlei alte Dinge, die sie dann geschickt auf dem Gartengrundstück verteilt. Da findet sich alte Keramik neben einer Nähmaschine, man entdeckt bepflanzte Vogelkäfige, Blechbrotbüchsen, alte Zinkwannen, in denen Wasserpflanzen ihr Zuhause gefunden haben, Tonvögel auf Holzbalken, Töpfe an Ästen und sogar einen alten Ofen, der im Freien steht.

Baumstümpfe wurden zu übergroßen Fliegenpilzen umfunktioniert und können zum Sitzen genutzt werden. Überall im Garten verteilt sind Lichter, die am Abend das Grundstück in eine besondere Atmosphäre tauchen. Ein bisschen Klimbim brauche ich“, sagt Hannelore Knöfel, die Dinge von früher nicht einfach wegwerfen kann. Manchmal erwirbt sie aber auch ein besonders schönes Stück auf einem Flohmarkt.

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Hannelore Knöfel ist jeden Tag in ihrem Garten. Sie möchte keine Stunde missen, auch wenn alles mit jeder Menge Arbeit verbunden ist. Doch das braucht sie im Ruhestand - genauso wie die entspannende Zeit in einer Sitzecke. Über ihr die Wipfel und das Rauschen der Bäume – ein Waldgarten eben. Und manchmal schaut auch ein Reh vorbei.

Ein alte Sitzbadewanne dient als Teich für Seerosen.
Ein alte Sitzbadewanne dient als Teich für Seerosen. © René Plaul
Eine Vogeltränke lädt Vögel des Waldes in den Garten ein.
Eine Vogeltränke lädt Vögel des Waldes in den Garten ein. © René Plaul
Was für ein großer Fliegenpilz! Dieser kann zum Sitzen genutzt werden.
Was für ein großer Fliegenpilz! Dieser kann zum Sitzen genutzt werden. © René Plaul
Liebevoll arrangierte Stillleben findet man überall im Garten.
Liebevoll arrangierte Stillleben findet man überall im Garten. © René Plaul
Auf die Enkel wartet gleich am Waldrand eine Schaukel.
Auf die Enkel wartet gleich am Waldrand eine Schaukel. © René Plaul
Alte Vogelkäfige wurde bepflanzt und zieren den Garten.
Alte Vogelkäfige wurde bepflanzt und zieren den Garten. © René Plaul
Fast wie auf einem Trödelmarkt: Ausrangierte Dinge des täglichen Lebens, auch ein alter Ofen, stehen an der Terrasse.
Fast wie auf einem Trödelmarkt: Ausrangierte Dinge des täglichen Lebens, auch ein alter Ofen, stehen an der Terrasse. © René Plaul
Hinter Grün versteckt: das Gartenhaus von Hannelore Knöfel.
Hinter Grün versteckt: das Gartenhaus von Hannelore Knöfel. © René Plaul
Mit einem besonderen Schild werden Gäste im Garten begrüßt.
Mit einem besonderen Schild werden Gäste im Garten begrüßt. © René Plaul
Große Hortensien setzen Farbtupfer.
Große Hortensien setzen Farbtupfer. © René Plaul

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