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Schleppender Impfstart im Kreis Bautzen

85 Pflegeeinrichtungen hat das DRK auf seiner Dringlichkeitsliste. Erst in 20 Heimen war das mobile Team. Und im Impfzentrum gibt es diese Woche keine Termine mehr.

In der zweiten Januarwoche ging das Impfzentrum für den Landkreis Bautzen in Kamenz an den Start. Parallel ist ein mobiles Impf-Team unterwegs.
In der zweiten Januarwoche ging das Impfzentrum für den Landkreis Bautzen in Kamenz an den Start. Parallel ist ein mobiles Impf-Team unterwegs. © René Plaul

Kamenz/Bautzen. Der Impfstoff gegen Covid-19 tröpfelt derzeit nur nach Sachsen und in den Landkreis Bautzen. So ist auch der Impfstart gebremst verlaufen. Nach dem öffentlichkeitswirksamen Auftakt in Sachsen Ende Dezember unter anderem in einem Radeberger Pflegeheim hat das mobile Impf-Team im Kreis bis Ende der vorigen Woche in 20 Heimen immunisiert. 1.605 Menschen haben damit dort ihre erste Impfung. Dazu zählen Bewohner der großen Pflegeheime unter dem Dach der Oberlausitz-Kliniken in Bischofswerda und Pulsnitz, das Altenpflegeheim St. Georg in Kamenz und das Altenpflegeheim „Haus Immisch“ der Diakonie in Bautzen.

Der Fokus liegt auf den vollstationären Alten-Pflegeheime. Das sind im Landkreis laut Landratsamt zum Stand Anfang des Vorjahres 49 mit etwa 3.700 Bewohnern. Die sollen nach den Vorgaben des Sächsischen Sozialministerium zuerst versorgt werden. Insgesamt hat das DRK aber sogar 85 Einrichtungen auf der Dringlichkeitsliste. Die Erklärung: Wenn an die Altenheime noch weitere Einrichtungen wie eine Kurzzeit- oder Tagespflege angedockt sind, dann nehme das Impf-Team auch die gleich mit, um effektiv zu sein, erklärt Dr. Kai Kranich, Pressesprecher vom DRK Sachsen.

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Mangel an Impfstoff sorgt für Verzögerungen

Fast vier Wochen nach dem Start am 27. Dezember wartet damit immer noch über die Hälfte der Bewohner in den 49 Haupteinrichtungen auf den Impfarzt. Deesie Ziesche ist die Leiterin des Vitanas Seniorenzentrums in Bautzen. Dafür habe sie noch nicht mal einen Termin fürs Impf-Team, sagt sie. Sie verstehe das nicht: Gerade in einem Landkreis, ja in ganz Sachsen mit so hohen Infektionszahlen müsste es schneller gehen. Gerade in den Heimen: „Weil wir hier Menschen mit vielen Vorerkrankungen haben, die keine Immunabwehr besitzen.“ Das Risiko zu sterben sei besonders hoch.

Andreas Friedrich, Referatsleiter im Sozialministerium, schätzt nüchtern ein, die Menge „des zur Verfügung stehenden Impfstoffes“ lasse einfach nicht mehr Impfungen zu. Ins Rollen kam das mobile Impf-Team im Kreis überhaupt erst mit der Eröffnung des Impfzentrum am 11. Januar. Von dort beziehe es den Impfstoff, erkläret Benedikt Schmid vom Malteserhilfsdienst Hoyerswerda und Leiter des Mobil-Teams für den Landkreis Bautzen, das von den Maltesern Hoyerswerda koordiniert wird. Auch könnten sich die Pflegeheime über das Impfzentrum melden.

Es hätte aber auch keinen Sinn gehabt, das Impfzentrum schon eher zu öffnen, weil der Impfstoff fehlte, so Kai Kranich. Alle Pflegeeinrichtungen seien wegen der Immunisierung angeschrieben worden, versichert er. Aber es könne dauern, bis sie einen Termin bekommen. Ein Heim pro Tag oder zwei kleinere, mehr sei nicht möglich.

Für Zweitimpfung sind Dosen gesichert

Im Landkreis Bautzen sei bisher ein mobiles Team unterwegs gewesen, erklärt Benedikt Schmid: mit ein bis zwei Ärzten, einer medizinischen Fachkraft, die den Impfstoff aufbereitet, und drei Helfern, die die Malteser stellen, ebenso wie die Fahrzeuge. Benedikt Schmid: „Um schneller voranzukommen, ist ab Dienstag ein zweites Impf-Team unterwegs.“

Das hat laut Ministerium auch etwas damit zu tun, dass die Zweitimpfung langsam anläuft - bisher für 90 Personen. Ab der kommenden Woche starte die zweite Welle dann richtig in den Heimen, schätzt man beim Impf-Team ein. Die sei sowohl im Impfzentrum als auch in den Heimen gesichert. Die entsprechende Anzahl Dosen Impfstoff sei zurückgehalten worden, versichert das DRK.

Kritischer sieht es derzeit bei der Erstimpfung aus. Für die ganze Woche gebe es in Sachsen nur rund 11.115 Dosen für die Erstimmunisierung in den Impfzentren und für die 15 mobilen Teams, sagt Kai Kranich. Das ist nur etwas über die Hälfte der vorherigen Lieferung. Das reiche letztlich nur für die Impfteams.

Zwei weitere mobile Teams sollen eingesetzt werden

So könnten in dieser Woche eigentlich keine Termine mehr für die individuellen Impfungen in den Impfzentren vergeben werden. Er rate sogar vom Versuch ab, für diese Woche zu buchen, so DRK-Sprecher Kranich. Es würde nur für Frust sorgen: „Und das zu Recht.“ Der Fokus liege auf den mobilen Teams. So habe auch das Sozialministerium darauf orientiert, die freie Vergabe zurückzufahren und eher noch mehr in den Heimen zu impfen, um dort voranzukommen.

Insgesamt sind im Kreis jetzt insgesamt 2.840 Menschen per Impfzentrum und mobilem Team immunisiert. Dazu zählt auch das Pflegepersonal in den Heimen. Dazu kommt noch Klinik-Personal, das aber vom DRK nicht erfasst werde. Benedikt Schmid ist unterdessen zuversichtlich, das noch weiter aufgestockt werde und zwei weitere mobile Impfteams an den Start gehen. Zugleich wird das Sozialministerium nicht müde, auf den begrenzt zur Verfügung stehenden Impfstoff zu verweisen. An einem ehrgeiziges Ziel hält die Behörde aber fest. Bund und Länder seien sich darin einig: Bis Mitte Februar sollen alle vollstationären Pflegeheime die Erstimpfung absolviert zu haben.

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