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So soll die Pilgerherberge in Kamenz attraktiver werden

Dem Pilgerhäuschen auf dem Hutberg fehlt vor allem eine Dusche. Die Stadt will das jetzt ändern - und hofft dafür auf Unterstützer.

Ab Juli können sich Pilger wieder den Schlüssel für die Pilgerherberge am Turm auf dem Kamenzer Hutberg holen, sagt Pfarrer Michael Gärtner. Der Schlüssel ist in der Kamenzer Stadtinformation hinterlegt.
Ab Juli können sich Pilger wieder den Schlüssel für die Pilgerherberge am Turm auf dem Kamenzer Hutberg holen, sagt Pfarrer Michael Gärtner. Der Schlüssel ist in der Kamenzer Stadtinformation hinterlegt. © René Plaul

Kamenz. Zwei stabile Betten aus Nadelholz mit Spannbettlaken und ein Stuhl: Das ist schon so gut wie alles, was die beiden Pilgerzimmer in der Herberge auf dem Kamenzer Hutberg bieten. Pilger gelten als anspruchslos. Sie suchen ja auf ihrem Weg auch etwas anderes als den Luxus von Nobelhotels: Abstand zum Alltag, innere Einkehr, Gott, sich selbst, Begegnungen mit anderen Menschen oder Einsamkeit auf dem Ökumenischen Pilgerweg, der auch über den Kamenzer Hutberg führt.

Für manche ist vielleicht auch der Weg das Ziel. Egal wie, abends braucht jeder ein Dach über dem Kopf und eine Schlafstatt, um die müden Füße hochlegen zu können. Das ist auf dem Hutberg möglich. Ein Pilgerhäuschen schmiegt sich dort an den Aussichtsturm.

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Im Aufenthaltsraum lädt ein großer ovaler Tisch die Gäste zum Verweilen ein, eine Kochplatte ist vorhanden, ein Spülbecken, ein Boiler für warmes Wasser. Besonders spartanisch sind allerdings die Sanitäranlagen. Es gibt ein Waschbecken mit kaltem Wasser und eine Trockentoilette, landläufig als Plumpsklo bezeichnet.

Pilger müssen einen Ausweis vorlegen und dürfen in der Regel nur eine Nacht bleiben. Die Ausstattung der Räume auf dem Hutberg ist sauber und schlicht. Bei viel Andrang stehen noch zusätzliche Matratzen zur Verfügung.
Pilger müssen einen Ausweis vorlegen und dürfen in der Regel nur eine Nacht bleiben. Die Ausstattung der Räume auf dem Hutberg ist sauber und schlicht. Bei viel Andrang stehen noch zusätzliche Matratzen zur Verfügung. © René Plaul

Die evangelische Kamenzer Kirchgemeinde betreibt die Pilgerherberge. „Es ist schlicht, aber ordentlich“, beschreibt Pfarrer Michael Gärtner die Ausstattung. Das bestätigen etliche Einträge im Gästebuch. Es liege alles bereit, „was wir zum Pilgern brauchen“, schreiben Kerstin und Lieselotte, und es sei sauber. Es gibt Dank an die lieben Leute, die die Herberge betreuen oder wie von Maike aus Bremen für die guten Bedingungen.

Pfarrer Gärtner berichtet aber, dass die Frage der Ausstattung bei den Pilgern durchaus umstritten sei: Die einen würden sagen, so einfach und schlicht müsse es sein. Manche würden aber zumindest eine Dusche vermissen, um den Staub eines anstrengenden Tages abwaschen zu können.

Das Gebäude der Pilgerherberge gehört der Stadt, die für die Erhaltung zuständig ist. Die Idee für die Herberge kam einst von einem Kamenzer Ehepaar. Evangelische Gemeinde und Stadt fanden sie gut, sodass seit 2008 die Einkehr für Pilger möglich.

100 Übernachtungen im Jahr

Die Kamenzerin Kerstin Boden, selbst Pilgerin, gab nun den Anstoß, nach all den Jahren etwas zu sanieren. Sie startete zugleich eine Aktion, um Spenden dafür zu sammeln. Als sichtbares Zeichen soll dafür der Aussichtsturm des Hutberges eingestrickt werden, so ähnlich wie das der Verpackungskünstler Christo einst öffentlichkeitswirksam mit dem Reichstag in Berlin veranstaltete.

Im Durchschnitt übernachten pro Jahr 100 Pilger auf dem Hutberg, 2019 waren es 134. Möglicherweise würden, wenn die Unterkunft etwas komfortabler wäre, ja auch mehr in Kamenz Station machen - die Stadt kennenlernen und so den Tourismus stärken.

Das denkt auch Stadtsprecher Thomas Käppler: „Wenn wir attraktivere Verhältnisse schaffen, sagen die Leute, hier lohnt es sich zu übernachten.“ Dass etwas an den Sanitäranlagen passieren sollte, meint auch der Pfarrer. Er gibt aber gleichzeitig zu bedenken, dass dann der Pflegeaufwand steigen wird. Immerhin seien es ehrenamtliche Leute, die die Herberge betreuen, und sie seien schon älter: „Wir brauchen dringend Mitstreiter.“

Spendenaktion gestartet

Höhere Betriebskosten seien ebenfalls zu erwarten. Andererseits sei die Unterkunft frei für die Pilger: „Wir bitten nur um eine Spende von sieben Euro.“ Die Kirchgemeinde sei froh, dass es sich gerade so trage. Denn etwas Geld sei einfach nötig, um laufende Kosten und Reparaturen bestreiten zu können.

Doch erst einmal geht es ums Geld für die Sanierung. 15.000 Euro werden dafür veranschlagt - für einen Abwasseranschluss und für den Umbau in der Herberge inklusive Dusche mit Durchlauferhitzer.

Bisher sind erst 1.141 Euro im Spendentopf. Um dem Vorhaben eine größere Basis zu geben, will die Stadt jetzt eine Crowdfunding-Aktion starten. Mindestens 7.500 Euro sollten zusammenkommen. Dann werde die Stadt den Betrag um die Differenz aufstocken, weil es ein für Kamenz wichtiges Projekt sei. „Haben Sie ein Herz für Pilger“, bittet Stadtsprecher Käppler.

Ab Juli wieder geöffnet

Der Stadtrat hat den Plan bereits abgesegnet und auch gleich ein Spendenkonto angelegt, um der Aktion Rückenwind zu geben: „Es ist gut, dass sich die Stadt beteiligt“, sagt Jörg Bäuerle (Wählergemeinschaft).

Die Pilgerherberge im Winter zu öffnen, ist allerdings auch nach der Sanierung nicht geplant. Dann seien schlicht zu wenig Pilger unterwegs, schätzt der Pfarrer ein. Die Pilgersaison gehe erfahrungsgemäß vom Frühjahr bis Ende Oktober.

Der letzte Eintrag im Herbergsbuch vor der Corona-Pause datiert vom 23. Oktober 2019. Ab Juli, so schätzt man in der Kirchgemeinde ein, könnten sich wieder Pilger den Schlüssel mit der Jakobsmuschel als Symbol für den Pilgerweg abholen. Der letzte Eintrag beginnt mit den Worten: „Auf dem Hutberg zu übernachten: wie schön ist das.“ Und bald soll es noch ein bisschen schöner, vor allem komfortabler werden.

Am Sonntag, dem 20. Juni, stellt Kerstin Boden nach dem Gottesdienst in der Kamenzer Hauptkirche das Projekt und einen Teil des Strickwerks für den Turm vor.

Spendenkonto: Stadtverwaltung Kamenz, IBAN: DE 24 8505 0300 3000 0306 10

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