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Großröhrsdorf hat jetzt eine Augenärztin

Das Gesundheitszentrum wächst. Die neue Ärztin kommt aus der Nachbarstadt - und hinterlässt dort eine Lücke.

Veronika Tropichina-Zhuravlyova hat im Gesundheitszentrum in Großröhrsdorf eine neue Augenarztpraxis eröffnet.
Veronika Tropichina-Zhuravlyova hat im Gesundheitszentrum in Großröhrsdorf eine neue Augenarztpraxis eröffnet. © René Plaul

Großröhrsdorf. Die Großröhrsdorfer können sich freuen. In der Stadt gibt es jetzt auch eine Augenarztpraxis. Veronika Tropichina-Zhuravlyova bietet ihre Leistungen als Augenärztin im Gesundheitszentrum Am Lehngut an. Damit gibt es in diesem Zentrum jetzt zwei Allgemeinärzte, darunter eine Internistin, eine Kinderärztin, eine Zahnärztin sowie eine Tagespflege. Gleich nebenan befindet sich das Pflegeheim Pro Seniore.

Veronika Tropichina-Zhuravlyova hatte bis zum Jahreswechsel als Augenärztin des Medizinischen Versorgungszentrums Lausitz (AMVZ) in einer Praxis an der Robert-Koch-Straße in Pulsnitz gearbeitet. Doch die Arbeit dort sagte ihr nicht zu. "Ich wollte mich selbstständig machen, unabhängig sein vom AMVZ. Ich wollte da raus", sagt sie. Mit dem Gedanken der Selbstständigkeit habe sie sich schon eine Weile getragen - eigentlich schon seit Ende 2019. Die Praxis in Pulsnitz konnte sie aber nicht selbst übernehmen. Das wollte das AMVZ nicht.

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Mehrere Ärzte an einem Ort

Über einen Patienten erfuhr Veronika Tropichina-Zhuravlyova vom Ärzte- und Wohnhaus Am Lehngut in Großröhrsdorf. Sie nahm Kontakt zum Vermieter Mirko Hartmann auf. "Es war sofort ein guter Draht zwischen uns. Ich habe mir die Räume angesehen und war begeistert", sagt sie. Es sei richtig viel Platz, und auch das Zusammenspiel von mehreren Ärzten in einem Haus findet sie optimal. Die Patienten haben mehrere medizinische Anlaufpunkte an einem Ort, alles ist neu, und auch genügend Parkplätze sind vorhanden. Und der Vermieter habe die Räume im ersten Obergeschoss so lange freigehalten, bis alle Fragen der Selbstständigkeit geregelt waren.

Denn bevor sich Veronika Tropichina-Zhuravlyova selbstständig machen konnte, mussten einige Fragen mit der kassenärztlichen Vereinigung geklärt werden. Außerdem musste sie die neue Praxis komplett einrichten. Das fing an bei den notwendigen medizinischen Geräten für einen Augenarzt, ging weiter über die Möbel, die Büroausstattung und einiges an Technik.

Für die Augenärztin, die Mitarbeiter und die Patienten stehen jetzt drei Behandlungsräume, ein großzügiges Foyer, ein Warteraum und ein Aufenthaltsraum mit Küche zur Verfügung. Neben der Augenärztin arbeiten eine Orthoptistin und zwei Arzthelferinnen in der neuen Praxis. Eine der beiden Arzthelferinnen hat Veronika Tropichina-Zhuravlyova von Pulsnitz mit nach Großröhrsdorf genommen.

Orthoptisten untersuchen und behandeln Menschen aller Altersstufen bei Störungen des Sehens wie zum Beispiel Schielen, Sehschwäche, Augenzittern, -bewegungsstörungen, -muskellähmungen, Doppelbildern, Gesichtsfeldausfällen oder mit zentralen Sehstörungen, auch nach Unfällen und Krankheiten. Ihre Tätigkeit umfasst Prävention, Diagnostik, Therapie sowie Rehabilitation. In Großröhrsdorf betreut die Orthoptistin vor allem Kinder.

Am neuen Standort noch freie Kapazitäten

Einen Patientenstamm muss sich die Augenärztin am neuen Standort noch aufbauen, aber ein großer Teil der Patienten aus Pulsnitz sei mit nach Großröhrsdorf gekommen. "Leider konnte ich deren Akten nicht mitnehmen. Das wollte das AMVZ nicht", sagt Veronika Tropichina-Zhuravlyova. Aber die Patienten hätten die Möglichkeit, selbst diese Akten anzufordern und dann mit nach Großröhrsdorf zu bringen. Ansonsten kämen die Patienten aus dem gesamten Pulsnitz- und dem Rödertal. Auch Radeberger seien dabei. Noch hat die neue Augenärztin aber freie Kapazitäten.

Die 52-Jährige ist gebürtige Russin. Sie kam im Jahr 2002 nach Deutschland, hatte vorher in ihrer alten Heimat Augenheilkunde studiert. In Deutschland ließ sie sich dann diese Ausbildung bestätigen. Veronika Tropichina-Zhuravlyova wohnt in Dresden und hat zwei Kinder. Der Arbeitsweg von der Landeshauptstadt nach Großröhrsdorf ist für sie kein Problem. "Das war ja vorher auch nicht viel anders", sagt sie. Und sie kann sich vorstellen, später einmal nach Großröhrsdorf zu ziehen.

Kein Augenarzt mehr in Pulsnitz?

Durch ihren Wechsel verliert Pulsnitz die Augenarztpraxis. Eine andere gibt es nicht in der Stadt. Aus Sicht der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen (KVS) ist die Versorgung der Pulsnitzer trotzdem gewährleistet. "Es geht um eine Distanz von fünf Kilometern zwischen Pulsnitz und Großröhrsdorf, die mit dem Auto in neun Minuten zu bewältigen ist", erklärt André Reiche vom Bereich Öffentlichkeitsarbeit der KVS.

Die Versorgung mit Augenärzten in der Region um Hoyerswerda und im Altkreis Kamenz schätzt André Reiche als gut ein. "Deshalb bestehen hier Zulassungsbeschränkungen wegen Überversorgung", sagt er. Auch die regionale Verteilung der Augenärzte im Planungsbereich sei gut.

Doch was wird jetzt aus der Pulsnitzer Augenarztprasix? Nach Aussage von André Reiche besteht für die ehemalige AMVZ-Anstellung in Pulsnitz ein Nachbesetzungsrecht, welches nach gegenwärtigem Stand bis zum 30. Juni dieses Jahres befristet ist. Die Chancen für den Erhalt der Praxis seien also gegenwärtig ohne Weiteres vorhanden.

Vom AMVZ gab es auf Nachfrage von Sächsische.de bis jetzt keine Antwort. Somit bleibt offen, ob Pulsnitz künftig wieder einen Augenarzt haben wird.

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