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Kamenz: Das wird aus der alten Posthalterei

Das Gebäude mit dem Renaissance-Portal steht seit vielen Jahren leer. Doch jetzt gibt es einen neuen Eigentümer - und konkrete Pläne für die Sanierung.

Die alte Posthalterei in Kamenz steht schon lange leer. Doch jetzt gibt es einen neuen Besitzer, der es möglichst schnell sanieren will.
Die alte Posthalterei in Kamenz steht schon lange leer. Doch jetzt gibt es einen neuen Besitzer, der es möglichst schnell sanieren will. © Matthias Schumann

Kamenz. Die Zwingerstraße 20 ist in Kamenz wohl eines der ältesten Häuser. Und mit seinem Renaissance-Portal und den Sitz-Nischen auch ein repräsentatives in der Innenstadt. Nur sieht es derzeit nicht so aus. Denn es steht leer und vegetiert seit Jahren vor sich hin.

Das Gebäude war in früheren Jahrhunderten Posthalterei und Seifensiederei. Die DDR-Handelsorganisation HO verkaufte hier Kunstgewerbe. Sogar ein Uhrenmuseum sollte im vorigen Jahrzehnt einziehen. Doch daraus wurde nichts. Jetzt soll sich das Blatt wenden. Das Gebäude hat einen neuen Besitzer. Gemeinsinn soll einziehen. Ganz genau die "Stiftung Pro Gemeinsinn“ – eine gemeinnützige Gesellschaft.

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Sie ist Träger von Kindereinrichtungen. Mit 220 Mitarbeitern betreut sie insgesamt rund 1.700 Kinder, betreibt Kindergärten und sichert den Ganztagsbetrieb in Schulen. Schulsozialarbeit gehört ebenfalls zu ihren Aufgaben. Das alles bisher vornehmlich in Berlin. Doch jetzt streckt die Stiftung ihre Fühler auch nach Sachsen aus.

Geschäftsführerin will zurück zu ihren Wurzeln

Das hat vor allem etwas mit Geschäftsführerin Anne Zöllner zu tun. Die 60-Jährige stammt ursprünglich aus Gersdorf-Möhrsdorf bei Kamenz und besuchte in der Lessingstadt das Gymnasium. Mit 18 ging sie nach Berlin zum Studium und blieb dort hängen, wie sie erzählt. In Sachsen will die Stiftung nun Fuß fassen - und Anne Zöllner zurück zu ihren Wurzeln. In Radeberg hat Pro Gemeinsinn bereits einen Hort übernommen, demnächst kommen zwei Kitas in Großröhrsdorf dazu

Anne Zöllner ist Hauptgeschäftsführerin der "Stiftung Pro Gemeinsinn". Die betreibt Kindereinrichtungen und will sich jetzt in Kamenz niederlassen.
Anne Zöllner ist Hauptgeschäftsführerin der "Stiftung Pro Gemeinsinn". Die betreibt Kindereinrichtungen und will sich jetzt in Kamenz niederlassen. © privat

In Kamenz entsteht die Schaltzentrale für das Engagement in Sachsen. Dafür wählte die Gesellschaft die alte Posthalterei aus. Sie habe sich schon ein bisschen in den historischen Bau verliebt, so Zöllner. Natürlich könnte die Stiftung einfach ein Büro mieten, wolle aber auch etwas für die Stadt tun. Und bei der Zwingerstraße 20 handele es sich immerhin um eines der ältesten Gebäude, das ja nicht besser werde ohne Nutzung.

Im Obergeschoss soll das Büro der Stiftung seine Räume bekommen. Außerdem will die Gesellschaft hier Seminarräume einrichten, zum Beispiel für die Fortbildung des Personals. Insgesamt sei das Gebäude aber zu groß für den Bedarf der Stiftung und daher eine gemeinschaftliche Nutzung mit der Stadt geplant.

Posthalterei soll Platz für Kunst und Kultur bieten

Die hat auch durchaus Interesse an der Sanierung, nicht nur wegen der städtebaulichen Bedeutung des Gebäudes. Es geht zudem um den angrenzenden städtischen Theaterkomplex. Dort gibt es Probleme mit dem Brandschutz und den Rettungswegen. Ein zweiter Fluchtweg könnte durch das Nachbarhaus der Stiftung gelegt werden. Darüber habe man sich bereits verständigt, so Anne Zöllner. An einer Vereinbarung wird noch gefeilt. So befasste sich auch der Stadtrat schon mehrfach mit dem Projekt. Sie wolle gern mit der Stadt zusammenarbeiten, sagt Anne Zöllner.

In der alten Posthalterei soll ein Refugium entstehen, in dem Kunst und Kultur zu Hause sind. Die Stiftung selbst wolle im Erdgeschoss noch einen Raum für Workshops schaffen - für Kinder, Jugendliche und Familien, auch Kitas und Schulen -, wo sie sich ausprobieren können. Der kleine Hof dahinter soll als Kunsthof mit Ausstellungsstücken zum Flanieren und Schauen einladen. Es werde einen Durchgang von der Zwingerstraße geben, der nicht immer, aber sporadisch geöffnet sein soll. 

Sanierung kostet über eine Million Euro

Die Stadt hat auch schon Pläne skizziert. Ein Raum für die öffentliche Nutzung, zum Beispiel für Vereine, gehört dazu, ein Ausstellungsraum und eine Küche/Bar. Nebenan befindet sich der städtische Theaterhof. Es seien durchaus auch gemeinsame Aktionen denkbar, sagt Anne Zöllner.

Die Stadt wolle das Projekt auch finanziell unterstützen und dabei insbesondere auf Fördermittel zurückgreifen. Den Aufwand für die Sanierung schätzt die Stiftung auf 1,2 Millionen Euro, ist aber zuversichtlich das Projekt stemmen zu können. Die Gesellschaft hat bereits Erfahrung mit Bauprojekten, auch im Bereich der Sanierung denkmalgeschützter Substanz.

Noch in diesem Jahr sollen die Bauleute anrücken. Das Gebäude müsse zuerst trockengelegt werden. Im Frühjahr komme das Dach dran, kündigt die Geschäftsführerin an und hofft, dass das historische Gebäude 2022 wieder ein Schmuckstück im Stadtbild sein wird. 

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