merken
PLUS Kamenz

Laußnitzer Hof kämpft gegen Pandemie-Folgen

Der Wirt muss mit reduzierten Plätzen, Absagen von Reisegruppen und schleppendem Ticketverkauf klarkommen - und einem weiteren großen Problem.

Der Wirt vom Laußnitzer Hof Dirk Tröger würde gern viel mehr Veranstaltungen durchführen. Leider bleiben bei ihm zurzeit viele Reisebusse aus. Für den September musste er drei geplante Konzerte absagen. Doch er hofft auf bessere Zeiten.
Der Wirt vom Laußnitzer Hof Dirk Tröger würde gern viel mehr Veranstaltungen durchführen. Leider bleiben bei ihm zurzeit viele Reisebusse aus. Für den September musste er drei geplante Konzerte absagen. Doch er hofft auf bessere Zeiten. © Matthias Schumann

Laußnitz. Nein - er möchte eigentlich nicht jammern. Wirt Dirk Tröger ist Optimist. Und Gastronom durch und durch. Leidenschaft spricht auch jetzt aus seinen Worten. Für die Gaststätte, die er vor 22 Jahren im kleinen Ort Laußnitz bei Königsbrück übernommen hat. Für die Leute vor Ort, die ihn akzeptiert und seine Familie aufgenommen haben in ihren Reihen. Für seine Gäste, die treuer nicht sein können. Und der Sommer war gut.

Und doch könnte der gestandene Gastronom derzeit einfach manchmal leise ins Taschentuch weinen. Gerade erst musste er wieder drei Veranstaltungen im Laußnitzer Hof absagen. Auf den Auftritt der Schwarzmeer-Kosaken beispielsweise hatten sich schon viele Fans gefreut. Doch der Kartenverkauf lief schleppend. Und am Ende sagten noch Busunternehmen ab.

Anzeige
Handwerk, das unbezahlbar ist!
Handwerk, das unbezahlbar ist!

Mit "Herz und Hand" heißt eine neue Kampagne im UnbezahlbarLand. Sie erklärt genau, warum Handwerker Motor und Rückgrat einer ganzen Region sind.

Ausflüge per Bus sind nicht so gefragt wie vor Corona

Dirk Tröger setzt seit vielen Jahren in seinem Konzept auch auf Tagesausflügler. Ganze Busladungen kommen aus dem Erzgebirge, dem Leipziger Raum und Brandenburg her. Regelmäßig gibt es in seiner Gaststätte, die über einen schönen großen Saal verfügt, kulinarische Veranstaltungen zu unterschiedlichen Themen. Meistens gepaart mit Schlager- und Volksmusik oder auch schon mal Kabarett oder eben russischer Folklore.

Seit der Corona-Pandemie hat sich das Blatt gewendet. "Nicht die eigenen Hygieneregeln vor Ort machen uns das Leben schwer, sondern dass die Busbranche sich immer noch nicht erholt hat", erzählt Dirk Tröger. Die Unternehmen seien immer noch in der Schieflage. Und das trifft nun auch ihn.

Dabei könnte es so schön sein. Erst am Mittwoch war der Saal zu einer Kaffeeveranstaltung mit Musik voll. Soweit das mit Corona-Regeln geht. "Zu guten Zeiten hatten wir Andy Borg da und 340 Gäste drin", erzählt er wehmütig. Aktuell dürfen es nur noch 250 sein.

"Wir setzen von Anfang an auf eine Kombination aus Kultur und Genuss. Grundsätzlich verkaufen wir Mittagessen und Kaffeegedeck dazu", erzählt er. Die Tische kann man gut auf Abstand stellen. Auch Kontaktnachverfolgungen sind kein Problem. Gemeinsam mit seiner Frau Caroline und seinem Team hat der rührige Wirt sich etwas Funktionierendes aufgebaut. Dass dies Früchte trägt, steht spätestens seit 2015 fest: Der "Laußnitzer Hof" gehört seitdem zu den fünf beliebtesten Lokalen der Oberlausitz - und das in Folge.

Teures Kosaken-Konzert vorsichtshalber abgesagt

Und trotzdem schieben sich gerade dunkle Wolken zusammen. "Die Leute sind sehr zögerlich. Busreisen stehen momentan nicht im Fokus. Die Klientel ist meistens älter. Da will der Geimpfte nicht mit Ungeimpften in einen Bus steigen, wurde uns erzählt", so Tröger. Andere hätten generell Angst.

Die Veranstaltung mit den Schwarzmeer-Kosaken am 14. September hat der Laußnitzer deshalb auch abgeblasen. Zu hoch war das Risiko. So ein Ensemble koste schließlich nicht nur ein paar Euro, sondern dafür müsse man einige Tausende zahlen. "Wenigstens 200 Gäste sollten da im Saal sitzen, sonst macht man Minus", sagt Dirk Tröger. Zwei Busse waren gebucht, doch das hätte einfach nicht gereicht.

Freilich sei er jedes Mal traurig, wenn er den Künstlern absagen muss. "Die leben ja auch davon und waren durch Corona gebeutelt", sagt er. Ein Teufelskreis sei es, der irgendwann durchbrochen werden muss. Nur wann? Die Lage für Herbst und Winter sieht erneut nicht vielversprechend aus. Mit der 3-G-Regel wäre einiges machbar. Doch einige Virologen und Politiker sehen skeptisch auf die steigende Inzidenz.

Dirk Tröger freut sich deshalb noch auf ein paar Höhepunkte, die demnächst anstehen. "Zwei Auftritte im Oktober mit Rudy Giovannini laufen zum Beispiel super im Vorverkauf. Man weiß manchmal auch nicht, woran das liegt", sagt er. Der Volksmusikstar steht am 19. und 20. Oktober auf der Bühne des Laußnitzer Hofes - sollte alles klappen.

Mit Veränderungen müsse man heutzutage ja wöchentlich rechnen. Eine Planung für das nächste Jahr sei deshalb einem Drahtseilakt gleichzusetzen. "Eigentlich muss ich jetzt für das Frühjahr 2022 Künstler buchen", sagt Dirk Tröger. Doch er kann nicht absehen, wie dann die Lage ist.

Drei Mitarbeiter verloren, neue sind nicht in Sicht

Dazu kommt ein ganz gravierendes weiteres Problem: Der Personalmangel in der Gastronomie. "Den gab es bereits vor Corona, doch das Ganze wurde natürlich noch einmal verschärft. Ich habe gute Leute. Aber auch wir sind nicht unbeschadet aus der Pandemie gegangen", so Tröger.

Drei Leute stehen nicht mehr zur Verfügung. Einer davon ist verstorben, zwei andere haben gekündigt. Neues Personal ist nicht in Sicht. "Über kurz oder lang wird die Gastroszene ausbluten", vermutet der Gaststättenbetreiber. Für Fachkräfte aus Polen oder Tschechien sei man zu weit entfernt von der Grenze. Nachwuchs lernt in der Branche kaum noch. Dabei zahlt der Wirt deutlich über Mindestlohn und versucht sein Team bei Laune zu halten.

"Ich würde mir von der Politik wünschen, dass Leute, die jahrelang zu Haus sitzen, motiviert werden, sich wieder Arbeit zu suchen", so der 52-Jährige. Früher hatte der Laußnitzer Hof durchgehend offen, nun gibt es einen Ruhetag, und zwischen 14 und 17 Uhr bleibt die Küche kalt.

Weiterführende Artikel

Gastro-Branche geht Abkehr von Inzidenz nicht weit genug

Gastro-Branche geht Abkehr von Inzidenz nicht weit genug

Die kommende Corona-Verordnung in Sachsen setzt auf die 3G-Regel. Was Gastro-Betriebe daran kritisieren, erklärt Dehoga-Chef Axel Klein im CoronaCast.

Hotels und Gaststätten fehlt das Personal

Hotels und Gaststätten fehlt das Personal

In der Corona-Krise kehrten Tausende Beschäftigte der Hotel- und Gastro-Branche in Sachsen den Rücken. Nun fehlen diese Mitarbeiter.

"Wir danken unseren lieben Gäste für ihre Geduld. Wir sind gern für sie da", sagt Dirk Tröger. Trotz aller Probleme ist seine Leidenschaft für die Gastronomie nicht weg. Noch freuen er und sein Team sich auf jeden Tag in Küche, Saal und Gaststube.

Mehr zum Thema Kamenz