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Königsbrück: So geht es mit dem Abwasser weiter

Die Kläranlage stößt an ihre Grenzen. Was der Abwasserzweckverband unternimmt - und welche Konsequenzen das für die Bürger hat.

Freude bei Bürgermeister Heiko Driesnack (l.) und AZV-Geschäftsstellenleiter Lars Mögel: Mit dem ersten Spatenstich begann jetzt die Erweiterung und Modernisierung der Kläranlage in Königsbrück.
Freude bei Bürgermeister Heiko Driesnack (l.) und AZV-Geschäftsstellenleiter Lars Mögel: Mit dem ersten Spatenstich begann jetzt die Erweiterung und Modernisierung der Kläranlage in Königsbrück. © Jirka Hofmann

Königsbrück. Die Klospülung rauscht, das Abwaschwasser verschwindet aus dem Becken. Kaum einer macht sich darüber Gedanken, was dann passiert – höchstens darüber, was die Entsorgung den Einzelnen kostet. Dabei ist ein ausgeklügeltes System notwendig, damit Abwässer nicht einfach so in die Natur gelangen. Wichtigster Teil dieses Systems sind Kläranlagen.

Die Anlage des Abwasserzweckverbandes (AZV) Königsbrück steht hinter dem „Neuen Lager“ an der Hoyerswerdaer Straße. Als sie vor reichlich 25 Jahren in Betrieb genommen wurde, war das eine Besonderheit. „Es handelte sich um das erste sächsische Betreibermodell. Das bedeutet, dass die Anlage von einer Privatfirma errichtet, finanziert und betrieben wurde“, erklärt der Geschäftsstellenleiter des AZV Königsbrück, Lars Mögel. Die Kläranlage gehörte somit der Firma Awatech Entsorgungsdienste Königsbrück. Durch Umfirmierung war später die Oewa der Vertragspartner, die jetzt zum Unternehmen Veolia gehört.

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Anlage muss immer mehr Abwässer reinigen

Doch nicht nur die Eigentümer haben gewechselt, sondern auch die Gegebenheiten in der Region. Wurde 1995 das Abwasser von 4.800 Einwohnern in die Anlage geleitet, sind es inzwischen die von 8.048 Einwohnern. Dazu kommen Abwässer aus Betrieben und öffentlichen Einrichtungen. „Inzwischen ist die Kapazitätsgrenze der Anlage des AZV erreicht“, erklärt Lars Mögel. Es müsse etwas passieren, und so beschloss die Verbandsversammlung bereits vor zwei Jahren die „Ertüchtigung“ der Kläranlage. Ertüchtigung heißt in diesem Fall eine Erweiterung und auch eine Modernisierung.

Dafür war noch ein weiterer Grund ausschlaggebend. Schmutz- und Regenwasser werden in einem Mischwasserkanalsystem zusammen zur Anlage geleitet. Bei Starkregen kommt dadurch viel mehr Regenwasser an, das dann in Gewässer geleitet wird. Dafür müssen gesetzlich vorgeschriebene Nitrat-Grenzwerte eingehalten werden. Findet der Betreiber der Anlage technische Lösungen zur Einhaltung der Werte, wird dies vom Freistaat gefördert. Mit der Modernisierung der Kläranlage wird dann Mischwasser über die Anlage entsorgt, bei dem die Grenzwerte stimmen.

4,5 Millionen Euro werden investiert

Im Jahr 2019 begannen die Planungen für das Vorhaben. Drei konkrete Maßnahmen sind vorgesehen: der Bau eines zweiten Belebungsbeckens, in das ankommende Abwasser durch Bakterien bearbeitet wird und ein biologischer Reinigungsprozess stattfindet. Zum zweiten die Errichtung einer Dosierstation, um dem Abwasser, das später in die Pulsnitz gelangt, Phosphat zu entziehen, und drittens der Bau einer stationären Schlammentwässerungsanlage. Damit kann der am Schluss übriggebliebene Klärschlamm ganzjährig durch eine Presse entwässert und dann in einem Kraftwerk verbrannt werden.

Der Abwasserzweckverband rechnet bei der Baumaßnahme mit Gesamtkosten in Höhe von 4,5 Millionen Euro. 50 Prozent der Investition kommen aus Fördermitteln des Freistaates Sachsen. Den Rest muss der Verband selbst aufbringen. Da stellt sich die Frage, woher das Geld, immerhin 2,25 Millionen Euro, kommen soll. Gibt es so große Rücklagen, um die Finanzierung zu sichern? Müssen die Bürger mit höheren Gebühren rechnen?

Darauf hat Lars Mögel eine klare Antwort. „Einerseits ist die jetzige Betriebsführung der Abwasseranlagen erheblich günstiger geworden, so dass hier künftig eine Ersparnis zu verzeichnen ist. Anderseits müssen wir das Geld für die Investition selbst aufbringen und über Gebühren refinanzieren. Eine Gebührenanpassung wird nicht ausbleiben“, sagt er.

Bürger müssen mit höheren Gebühren rechnen

Seit 2011 habe es im Verbandsgebiet, wozu die Stadt Königsbrück mit den Ortsteilen Gräfenhain und Röhrsdorf, die Gemeinde Laußnitz mit Höckendorf und Glauschnitz sowie die Gemeinde Neukirch mit Schmorkau, Weißbach, Gottschdorf und Koitzsch gehören, für die Schmutzwasserentsorgung keine Erhöhung gegeben, wobei die Königsbrücker Gebührensätze unter dem sächsischen Durchschnitt liegen würden. Die jetzige Gebührenberechnung gilt bis zum Jahr 2023. „Dann muss neu berechnet, nachgedacht und letztlich entschieden werden“, sagt Lars Mögel.

Spatenstich für den Baubeginn zur Erweiterung und Modernisierung der Königsbrücker Kläranlage war am Dienstag – nur in ganz kleinem Kreis mit Vertretern des Verbandes und ein paar Bauleuten. Läuft alles nach Plan, rechnet der Geschäftsstellenleiter des AZV mit einem Abschluss aller Maßnahmen Mitte 2022. Die Arbeiten werden von sächsischen Firmen erledigt, so aus Bautzen, Dresden oder Borna. Lars Mögel ist sich sicher, dass sich die Bürger für das Baugeschehen interessieren werden. Wenn Corona es zulässt, soll es dann auch mal einen öffentlichen Termin zur Besichtigung geben.

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