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Vom Feuerwehrchef zum Friedensrichter

Steffen Hempels Arbeitsplatz war der Flughafen in Dresden. Im Ruhestand suchte er sich eine ehrenamtliche Aufgabe. Schon sein Großvater hatte sie einst inne.

Der neue Friedensrichter von Pulsnitz Steffen Hempel, hier vergangene Woche auf seinem Grundstück in Großnaundorf, freut sich auf seine neue Aufgabe.
Der neue Friedensrichter von Pulsnitz Steffen Hempel, hier vergangene Woche auf seinem Grundstück in Großnaundorf, freut sich auf seine neue Aufgabe. © Matthias Schumann

Großnaundorf/Pulsnitz. Entspannt sitzt Steffen Hempel am Küchentisch. Der Laptop steht vor ihm, das Telefon in Reichweite. Der 65-Jährige kann den Tag ruhig und entspannt angehen, und diese Ruhe spürt man auch bei der ersten Begegnung. "Ich bin im Ruhestand und kann mir den Tag so einteilen, wie ich es brauche", sagt er. Vor fast zwei Jahren hat er sein Berufsleben beendet. Das heißt aber nicht, dass er die Hände in den Schoß legt und einfach in den Tag hineinlebt. Er ist jetzt Friedensrichter in der Verwaltungsgemeinschaft Pulsnitz, zu der auch die Orte Großnaundorf, Steina, Ohorn und Lichtenberg gehören.

Das Amt des Friedensrichters liegt bei den Hempels irgendwie in der Familie. Schon der Großvater von Steffen Hempel war Friedensrichter in Großnaundorf. "Ich habe in der Ortschronik nachgeschaut und entdeckt, dass mein Opa Erwin in den Jahren von 1946 bis 1953 dieses Amt bekleitete." Selbst kann er sich daran nicht erinnern, war er da ja noch gar nicht geboren. "Aber ich weiß, dass auch später immer mal Leute bei uns zu Hause waren und meinen Großvater um Rat gefragt haben", erinnert sich Steffen Hempel.

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Auf dem Flughafen Verantwortung getragen

Und das ist es auch, was einen Friedensrichter auszeichnet: Rat geben, vermitteln, schlichten, als neutraler Partner zur Seite stehen. Bei Wikipedia heißt es da unter anderem: "Ein Friedensrichter wird ausgewählt, um den gesellschaftlichen Frieden bei Streitigkeiten im Bereich der unteren Gerichtsbarkeit zu wahren, das heißt bei Zivilsachen von geringem Streitwert, kleineren Strafsachen und Ordnungswidrigkeiten". Die Friedensrichter werden vom Gemeinderat für fünf Jahre gewählt und vom Vorstand des zuständigen Amtsgerichts bestätigt. Zu den behandelnden Gebieten gehören das Vermögensrecht, Teile des Strafrechts, das Nachbarschaftsrecht und Fragen bei Verletzung der Ehre.

In seiner beruflichen Entwicklung hatte Steffen Hempel mit all diesen Dingen nichts zu tun. Nach der Schule erlernte er in Königsbrück den Beruf des Instandhaltungsmechanikers. Doch viel mehr zog es den Großnaundorfer zur Feuerwehr. Er ging gleich nach der Lehre zur Berufsfeuerwehr und absolvierte von 1976 bis 1979 ein Studium zum Ingenieur für Brandschutz. Nur ein Jahr später fing Steffen Hempel bei der Flughafenfeuerwehr in Dresden-Klotzsche in der Wachabteilung an. "Die Arbeit auf dem Flughafen war mein Ding, die Aufgaben vielfältig, und außerdem kam ich mit vielen Menschen zusammen", blickt er zurück. Im Jahr 2001 übernahm Steffen Hempel die Leitung der Flughafenfeuerwehr und damit noch einmal eine besondere Herausforderung. Dieses Amt hatte er dann bis zu seinem Ruhestand im März 2019 inne.

Pulsnitz suchte lange einen Friedensrichter

Fiel der 65-Jährige mit der Beendigung des Arbeitslebens in ein tiefes Loch? Nein, ist die klare Antwort. "Wir haben hier in Großnaundorf ein Haus mit Grundstück, da gibt es immer was zu tun", sagt er. Außerdem kümmert sich Steffen Hempel gemeinsam mit seiner Schwester um seine Mutter, die im Nachbarhaus wohnt. Und er geht gern mit seiner Freundin wandern, fährt Rad oder Motorrad. Und doch wollte er noch einmal eine Aufgabe, eine ehrenamtliche Tätigkeit. "Das brauche ich", so Steffen Hempel. Ende 2019 entdeckte er in der Zeitung einen Artikel, in dem stand, dass für die Verwaltungsgemeinschaft kein Friedensrichter gefunden wird. Also hat er sich für dieses Ehrenamt beworben und wurde auch gleich genommen.

Im September vorigen Jahres wurde Steffen Hempel für die neue Tätigkeit vereidigt. Das passierte am Amtsgericht in Kamenz. Und so arbeitet er jetzt gemeinsam mit Marlies Schäfer aus Pulsnitz als Friedensrichter für die Verwaltungsgemeinschaft. Ihr Büro befindet sich in der Gemeindeverwaltung in Ohorn, und einmal im Monat wird eine Sprechstunde angeboten. "Aufgrund von Corona ist alles ein wenig schwieriger, aber die Leute können uns jederzeit über das Handy erreichen", erklärt Steffen Hempel. Dafür haben beide Friedensrichter ein Dienst-Handy.

Vorgänger gibt Tipps und steht bei Fragen bereit

Vor seiner Tätigkeit als Friedensrichter hatte der Großnaundorfer mit Gerichten nichts zu tun. Er war weder als Schöffe tätig, noch hat er sich für diese Dinge in besonderem Maß interessiert. "Doch von meinem Vorgänger Wolfgang Hoffmann habe ich eine ganze Menge über die Arbeit erfahren. Er hat mich darüber aufgeklärt, was mich erwartet und was von mir erwartet wird", so Steffen Hempel. Auch jetzt kann er sich bei Fragen an ihn wenden. Wichtig sei es, dass man für keine Seite Partei ergreift, und man sollte sich grob mit dem sächsischen Nachbarschaftsgesetz auskennen. Natürlich werden auch Lehrgänge angeboten, derzeit wegen Corona aber nicht.

Bisher musste Steffen Hempel noch keinen Fall bearbeiten, aber er ist vorbereitet. "Ich weiß, dass es nicht immer einfach ist, Streithähne dazu zu bewegen, sich zu einigen. Und, wie in jedem anderem Bereich, gibt es schwierige Menschen", sagt der neue Friedensrichter. Doch er glaubt, dass seine Lebenserfahrung ihm dabei helfen wird, in den meisten Fällen einen Weg zu finden. Hintergrund ist es ja, dass die Fälle nicht vor Gericht landen, sondern ein für alle Seiten teures Verfahren verhindert wird. Nicht immer gelingt dies, doch Steffen Hempel will für seine Gemeinden mithelfen, Streit und Ärger beizulegen.

Die Friedensrichter der Verwaltungsgemeinschaft Pulsnitz sind unter folgenden Telefonnummern jederzeit zu erreichen: 0151 21575124 oder 0151 21574918.

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