merken
PLUS Kamenz

So spart Pulsnitz Energie und Geld

Die Stadt hat seit diesem Jahr eine Energiemanagerin. Sie hat in den städtischen Gebäuden schon einige Schwachstellen aufgedeckt.

Die Pulsnitzer Energiemanagerin Anna Ahrendt mit den Energietechnikern Heiko Morche (l.) und Uwe Pohl vor der Kita Kunterbunt. Bei der Besichtigung des Hauses sind ihnen gleich mehrere Stellen aufgefallen, an denen sich Energie sparen lässt.
Die Pulsnitzer Energiemanagerin Anna Ahrendt mit den Energietechnikern Heiko Morche (l.) und Uwe Pohl vor der Kita Kunterbunt. Bei der Besichtigung des Hauses sind ihnen gleich mehrere Stellen aufgefallen, an denen sich Energie sparen lässt. © René Plaul

Pulsnitz. Mal sind es Kleckerbeträge, mal große Summen. Wenn eine Stadt oder Gemeinde Energie sparen will, kann sie das an verschiedenen Stellen tun - und das gesparte Geld dann an anderen Stellen einsetzen. Doch wer fühlt sich in einer Kommune für Energie-Fragen verantwortlich? Nur in seltenen Fällen gibt es einen Mitarbeiter, der sich ausschließlich mit diesem Thema beschäftigt. 

Doch die Stadt Pulsnitz hat einen Energiemanager oder besser gesagt eine Energiemanagerin: Anna Ahrendt ist seit dem 1. Januar dieses Jahres auf dieser Position tätig. Die gelernte Versicherungskauffrau aus Gaußig hatte vorher als Elternzeitvertretung im Bereich Steuern und Finanzen in der Pulsnitzer Stadtverwaltung gearbeitet. Dann bekam sie das Angebot, das Energiemanagement zu übernehmen. 

Garten
Der Garten ruft
Der Garten ruft

Die Gartenzeit läuft aber nichts geht voran? Tipps, Tricks und Wissenswertes haben wir hier zusammengetragen. Vorbei schauen lohnt sich!

Möglich ist das über ein Projekt der sächsischen Energieagentur Saena und dank einer Förderung durch die sächsische Aufbaubank. Das Projekt ist auf drei Jahre angelegt. Daran können sich Kommunen, aber auch Landkreise beteiligen. In den drei Jahren wird Anna Ahrendt zum einen als Energiemanagerin ausgebildet, zum anderen kümmert sie sich darum, wo und wie die Stadt in diesem Bereich sparen kann.  Zu ihrem Team gehören auch zwei Energietechniker aus dem Bauhof.

Immer der Fotoapparat im Gepäck

Doch was genau macht die Energiemanagerin? "Fakt ist, dass es beim Energiesparen in Pulsnitz, und sicher nicht nur dort, sehr viel Potenzial gibt", weiß Anna Ahrendt. Um dieses Potenzial zu ermitteln, sei aber erst einmal eine grundlegende Analyse notwendig. "Wir erfassen alle Verbrauchsdaten von Wasser, Strom und Heizung bei den städtischen Gebäuden", erklärt die 34-Jährige. Damit sei es aber keineswegs getan.

Mit den Energietechnikern und einem externen Energiecoach schaut sich Anna Ahrendt die Häuser auch an, dabei hat sie den Fotoapparat immer dabei. Alles, was auffällt, wird genau dokumentiert. Und ganz wichtig seien die Gespräche mit den Nutzern, das sei ein fortlaufender Prozess, der nicht mit einem Treffen erledigt ist.

In Pulsnitz gibt es 15 städtische Gebäude, auf die sich die Arbeit der Energiemanagerin vorerst konzentriert. Als Beispiel nennt Anna Ahrendt die Kindertagesstätte "Kunterbunt" auf der Siegesbergstraße. Bei der Besichtigung und den Gesprächen seien ihr dort gleich mehrere Dinge aufgefallen.

So gab es bis vor Kurzem vier Türen als Ein- oder Ausgang, weil der Haupteingang aufgrund des direkten Zugangs zur Straße nicht genutzt werden sollte. Die Kinder hätten dort zu schnell auf die Fahrbahn laufen können. Allerdings standen die vier Türen meist offen, wenn Eltern ihre Kinder brachten und abholten. "Dadurch entstand ein großer Wärme- und Sicherheitsverlust", sagt Anna Ahrendt.

Dieses Problem konnte in Zusammenarbeit mit dem Bauhof, der Stadtverwaltung und der Kita schnell gelöst werden. Vorm Haupteingang wurde innerhalb von zwei Tagen ein Geländer aufgebaut, sodass die Kinder nicht mehr sofort auf die Straße laufen können. Somit ist der Haupteingang wieder nutzbar, und die anderen Türen bleiben geschlossen. 

Energiekosten in der Kita gespart

Ein weiterer Punkt ist das Abstellen der Heizung im Sommer. Außerdem könnte die Beleuchtung von normalen Schaltern auf Bewegungsmelder umgestellt werden. "Einige Lichtschalter liegen hinter einer Tür, da drückt keiner so schnell drauf, und das Licht brennt den ganzen Tag", erklärt die Energiemanagerin. Bereits jetzt stehe fest, dass in der Kita bis zum 30. Juni durch diese Maßnahmen Kosten von etwa 900 Euro im Vergleich zum Vorjahr eingespart werden konnten. 

In der Pulsnitzer Grundschule an der Dr.-Michael-Straße sei man nach dem gleichen Prinzip vorgegangen. Das Energieteam dokumentierte vom Keller bis zum Dach den Ist-Zustand. Dabei habe sie, berichtet Anna Ahrendt, gleich mehrere Probleme in der Bausubstanz entdeckt und sich deshalb einen Bausachverständigen dazugeholt. Im Dach gebe es durch einen Sturmschaden drei Löcher, die Holzfenster seien in einem schlechten Zustand. Das alles führe zu einem Energieverlust, doch einige Probleme seien ohne Investitionen nicht lösbar. 

Verträge umgestellt

Ein drittes Beispiel: die Sporthalle an der Hempelstraße. Hier hat sich Anna Ahrendt vor allem die Verträge mit den Energieversorgern, zum Beispiel zur Fernwärme, genauer angeschaut. "Sind die Verträge nach dem tatsächlichen Bedarf gestaltet?", war ihre Frage. Ihr Fazit: "Wir bezahlen mehr, als wir brauchen." Also habe man einen Vertrag mit dem Versorger Ewag umgestellt, was jährlich eine Ersparnis von 9.000 Euro bringe. 

Energiemanagement ist also ein weites Feld und der Aufgabenberg für die nächsten Jahre riesig. Anna Ahrendt hat da einiges auf ihrer Agenda stehen: Aktionstage in Kitas und Schulen, ein monatlicher Newsletter für die Stadtverwaltung, Energieberichte, die Einbindung in Sanierungsmaßnahmen der Stadt, die Überprüfung von Heizungsanlagen und der Straßenbeleuchtung sowie das Erstellen von Lüftungskonzepten für die Schulen. "Mein Ziel ist es, durch meine Arbeit und die Unterstützung sowie den Rückhalt meiner Kollegen den Haushalt der Stadt dauerhaft zu entlasten und somit Geld zu sparen", sagt Anna Ahrendt. Eine Aufgabe, die nicht von heute auf morgen zu schaffen ist.  

Mit dem kostenlosen Newsletter „Kamenz kompakt“ starten Sie immer gut informiert in den Tag. Hier können Sie sich anmelden.

Mehr Nachrichten aus Bautzen lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Bischofswerda lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Kamenz lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Kamenz