SZ + Kamenz
Merken

Plötzlich Buchautorin

Uta Pfützner aus Ohorn hat sich einen Lebenstraum erfüllt. Sie schreibt Bücher und verarbeitet dabei auch eigene Erlebnisse.

Von Ina Förster
 6 Min.
Teilen
Folgen
Buchautorin Uta Pfützner aus Ohorn veröffentlicht am 29. Oktober den zweiten Teil ihrer Fantasy-Trilogie unter dem Titel "Odins jüngster Sohn - Das Schwert".
Buchautorin Uta Pfützner aus Ohorn veröffentlicht am 29. Oktober den zweiten Teil ihrer Fantasy-Trilogie unter dem Titel "Odins jüngster Sohn - Das Schwert". © PR

Ohorn. Uta Pfützner ist eine echte Fleißbiene. Morgens früh um vier kann es passieren, dass bei der Ohornerin schon der Kaffee dampft und die Tastatur ihres Computers klackert. Wenn ihr Hund vor die Tür muss, dann wird Frauchen aktiv - und beginnt danach zu schreiben. "Zu dieser Zeit bin ich am produktivsten", meint sie gelassen. Wenn für andere der Tag erwacht, dann war Uta Pfützner schon unterwegs - in mythischen Sphären, mit Wikingern und Göttern.

Die 52-Jährige ist frisch gebackene Buchautorin. Erst im April diesen Jahres veröffentlichte sie ihren ersten Roman: "Odins jüngster Sohn - Das Schiff". Am 29. Oktober folgt "Odins jüngster Sohn - Das Schwert". Und auch Band drei "Das Amulett" liegt bereits fertig in der Schublade.

Trilogie vermischt Fiktion und Reales

In ihren Büchern taucht Uta Pfützner ein in uralte nordische Bräuche und das abenteuerliche Leben ihrer Protagonisten. Es geht um Liebe und Ehre, familiäre Verwicklungen und ein großes Geheimnis. Nordische Mythologie mischt sie gekonnt mit der Moderne. Die Story selbst spielt allerdings im Hier und Jetzt.

Im ersten Band zieht der junge Dominik nach Oslo, um Schiffe zu bauen. Dank einer faszinierenden jungen Frau lernt er eine Gemeinschaft kennen, die in ihrer Freizeit nach den Bräuchen der Wikinger lebt. Sein geheimnisvoller Tutor Asbjörn spielt dort eine große Rolle - und wird sein Leben verändern.

"In einem einzigen Buch war das Ganze nicht unterzubringen. Das wurde mir schnell klar", sagt Uta Pfützner lachend. Als Erste hat ihre Nachbarin Carola gesagt, nachdem sie den Roman geschmökert hatte: "So geht das aber nicht, Uta. Da ist noch nicht alles erzählt, da musst du noch mal ran!" Annett Heidecke vom Legionarion-Verlag sah das ähnlich. So wurde aus Pfützners Buch-Premiere eine Trilogie.

Schreiben liegt ihr seit der Kindheit im Blut

Die Ohornerin ist Seiteneinsteigerin in der Branche. Alles ist noch aufregend und neu. Manchmal fühle es sich etwas unwirklich an. Zum Beispiel, wenn man plötzlich Interviews geben soll oder bei Lesungen in Buchhandlungen vielen Menschen gegenüber sitzt.

Doch das Schreiben liegt ihr seit der Kindheit im Blut. "Ich habe frühzeitig kleine Geschichten verfasst und vor allem viel gelesen", sagt sie. Bücher habe sie schon immer regelrecht verschlungen. "Ich bin der Meinung, dass man beim Lesen auch das Schreiben lernt", so Uta Pfützner.

Für ihre beiden mittlerweile erwachsenen Kinder hat sie früher zum Beispiel Gutenachtgeschichten erdacht. Die haben sie geliebt. Seit über 20 Jahren arbeitet sie als freie Autorin, betreut Homepages für Kunden und verfasst professionelle Produktbeschreibungen. Ein bisschen mehr Abenteuer kam da gerade recht.

Freibadbesuch führt zu Verlag

"In Gedanken habe ich das Konzept eines Buches schon lange fertig, ehe ich es zu Papier bringe", sagt die 52-Jährige. "Wie ich aber zu meinem Verlag gekommen bin, war wirklich fast mystisch und besonders", erzählt sie dann. Eine Zufalls-Begegnung im Buschmühlenbad in Ohorn gab den Ausschlag. Da saß eines schönen Sommertages 2020 auch die Steinaerin Annett Heidecke, die gerade einen eigenen Verlag mit dem Schwerpunkt Fantasy-Romane gründen wollte. Sie hatte bereits selbst unter dem Pseudonym A. C. Loclair den Roman "Rionnag - Krieger meiner Seele" veröffentlicht, welcher sich mit Seelenreisen und den schottisch-gälischen Kelten befasst.

Im zwanglosen Gespräch entdeckte man die gemeinsame Leidenschaft und blieb in Kontakt. "Ich hatte die Geschichte zu 'Odins jüngster Sohn' schon im Kopf. So kam zusammen, was zusammen gehört. Seither sind wir ein tolles Team", so Uta Pfützner.

Vater gab kurz vor seinem Tod den Anstoß

Monate später veröffentlichte der frisch aus der Taufe gehobene Legionarion-Verlag Uta Pfützners erstes Buch. "Da hat das Schicksal wohl die Karten gemischt. Wir sind heute nicht nur Kolleginnen, sondern auch Geschwister im Geiste. Als meine Verlegerin und Lektorin ist Annett Heidecke meine schärfste Kritikerin. Sie ist es auch, die mich in allen Belangen voranbringt", so die Autorin.

Doch wie kommt die Ohornerin auf ihre mystisch angehauchten Geschichten mit nordischem Einschlag? Ganz einfach: Ihre Wurzeln liegen in Mecklenburg-Vorpommern. "Mein Vater war ein echtes Nordlicht. Wir haben oft und viel von seiner Heimat gesprochen", erzählt sie. Auch eine Kurzgeschichte über ihren Großvater, die im Zweiten Weltkrieg spielte, verfasste sie. Das hat den Vater begeistert.

Kurz vor seinem Tod sahen sie sich gemeinsam eine TV-Doku über Oslo an. Über die Jetzt-Zeit und die Geschichte, aber auch über die Wikinger und ihre Kultur." Darüber solltest du mal schreiben", gab ihr Vater ihr mit auf den Weg. Dieser Ratschlag wurde zu einer Art Auftrag und letzter Botschaft für Uta Pfützner.

Kamenzer Geschäftsmann mit tragender Rolle

Dass sie das liebt, was sie tut, merkt man sofort. Ihre Augen blitzen, wenn sie von ihren Buchhelden spricht. Nicht von ungefähr gibt es übrigens Ähnlichkeiten mit lebenden Personen - vor allem in ihrer Familie. "Ich habe in den drei Büchern auch eigene Erfahrungen und Episoden verarbeitet, die sich wirklich so zugetragen haben", sagt Uta Pfützner.

So erscheint im neuen Band ein gewisser Matthias Kraft, der ein Reinigungsunternehmen besitzt. Kamenzern dürfte dieser auch in der Realität bekannt sein, denn in der Lessingstadt hat Kraft sein Unternehmen. "Matthias ist mein Cousin. Seine Figur wird in der Trilogie im zweiten Band eingeführt und bekommt im dritten sogar eine tragende Rolle, die einen wesentlichen Anteil am Finale haben wird", verrät Uta Pfützner.

Die Einbindung in die Geschichte soll ein kleines Dankeschön sein, weil ihr Cousin sie in Sachen Bootsbau und Angeln für ihre Bücher immer bestens fachlich beraten habe.

Weitere Projekte bereits in Arbeit

Die Ohornerin ist nun auf Rückmeldungen der Leser gespannt. Bereits beim ersten Band erhielt sie sehr viele Mails, Rezensionen und positive Reaktionen. Die Bücher können auch als E-Book online gelesen werden. Auf allen großen Plattformen ist Uta Pfützner gelistet. Die Trilogie um Odins jüngsten Sohn ist darüber hinaus auch im Buchjournal der Buchhändler erschienen.

"Nichts geht über ein richtiges Buch - wenn möglich regional gekauft, wie in meiner Hausbuchhandlung Philipp in Großröhrsdorf, wo auch Band zwei ab dem 29. Oktober erhältlich ist", sagt Uta Pfützner.

Schon jetzt sitzt sie an neuen Projekten. Früh um vier geht der Computer fast wieder täglich an. "Ich bin ein sehr disziplinierter Mensch. Und ich bin geschichtlich wie geografisch sehr interessiert", sagt sie. Kein Wunder, dass "Die Hüterin der Adler" bereits geschrieben ist. Das neue Buch spielt in Sibirien. Ein Weiteres über die Inkas und den Regenwald in Peru ist in Arbeit. Man darf gespannt sein.