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Nach Randale: Jugendtreff Pulsnitz öffnet wieder

Weil es immer wieder Ärger gab, wurde der Club im Dezember geschlossen. Jetzt sind die Räume renoviert. Doch ein Problem ist noch zu lösen.

Daniel Mücklich und Benjamin Richter (v.l.) von der Landschaftsbaufirma treffen sich mit Tom Schurig auf dem Gelände des Jugendtreffs zur Baubesprechung.
Daniel Mücklich und Benjamin Richter (v.l.) von der Landschaftsbaufirma treffen sich mit Tom Schurig auf dem Gelände des Jugendtreffs zur Baubesprechung. © Matthias Schumann

Pulsnitz. Man sieht sie oft im Stadtbild von Pulsnitz, vor allem in den Nachmittags- und Abendstunden: Junge Leute im Alter von zehn bis 18 Jahren, die sich im Stadtpark, am Bahnhof oder anderen Plätzen treffen. Wo sollen sie hin, um miteinander abzuhängen? Einen Freizeittreff oder Jugendclub gibt es in der Stadt aktuell nicht. Also bleibt bloß die Straße.

Pulsnitz hatte einen freien Jugendtreff an der Goethestraße, doch der musste im Dezember geschlossen werden. In den Wochen vor der Schließung hatte es immer wieder Ärger gegeben, vor allem am Wochenende. Jugendliche kamen aus den Nachbarorten. Bis zu 60 Leute wurden da gezählt. „Darunter waren leider mehr und mehr auch Jugendliche, die Streit und Auseinandersetzung suchten“, berichtet Tom Schurig. Er gehört zum ehrenamtlichen Betreuerteam des Treffs, bei ihm laufen alle Fäden zusammen. Im Club kam es zu Beschädigungen der Einrichtung. Nachbarn beschwerten sich. Die Situation war für die Betreuer nicht mehr zu verantworten, so dass der Club geschlossen werden musste. 

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Jetzt wird ein neuer Anlauf genommen und das gleich ganz groß. Nicht nur der Jugendtreff wurde Anfang März von den Jugendlichen renoviert, sondern auch der Außenbereich und der Zugang werden komplett umgestaltet. „Wir planen ein barrierefreies Areal, das nicht nur von Jugendlichen, sondern auch von Eltern, die mit einem Kinderwagen kommen, oder von Rollstuhlfahrern genutzt werden kann“, erzählt Tom Schurig. So sind dann die Räume des Treffs und die Toilettenanlagen für alle erreichbar. 

Neue Graffitiwände werden aufgestellt

Die Pulsnitzer Firma Richter Garten- und Landschaftsbau ist gerade dabei, das Außenareal umzugestalten. Dazu gehört zum Beispiel eine Angleichung der Bodenhöhen. Die bunten Graffitiwände, die Jugendliche selbst gestaltet hatten, sind verschwunden. „Aber es werden im Garten neue aufgestellt, die dann die jungen Leute nach ihren Vorstellungen besprayen können“, erläutert Tom Schurig. Die Landschaftsbaufirma stellt die Verankerungen und die Wände auf. 

Möglich ist die Baumaßnahme über das Förderprogramm „Lieblingsplätze für alle“, das vom sächsischen Sozialministerium aufgelegt wurde. Beantragt wurde Geld daraus von den ehrenamtlichen Mitarbeitern des Treffs selbst. Insgesamt 23.000 Euro bekam der Jugendtreff. „Da es eine 100-prozentige Förderung ist, entstehen der Stadt Pulsnitz keine Kosten, und die Immobilie wird aufgewertet“, sagt Tom Schurig. 

Doch die Stadt wollte auch einen Beitrag dazu leisten und spendierte das Geld für die Fundamente der Graffitiwand. Und Bürgermeisterin Barbara Lüke (parteilos) öffnete ihren persönlichen Fond und bezahlte die Wände. Auch die Betriebskosten für die Unterhaltung des Jugendtreffs bezahlt die Stadt. 

Alle anderen Gelder, wie zum Beispiel für die Renovierung, die Ausstattung des Treffs oder für Speisen und Getränke, kommen aus eigenen Mitteln. So erhalten Jugendliche, die in den Club kommen, einen Mitgliedsausweis und zahlen dann monatlich zwei Euro. „Außerdem bekommen wir immer wieder mal Spenden von Firmen und Institutionen“, sagt Tom Schurig.

Ein Treffpunkt für Zehn- bis 18-Jährige

Um den Treff aber wieder öffnen zu können, muss noch ein Problem gelöst werden. Auch für die Räume im Haus gibt es jetzt ein Hygienekonzept, das aber nur etwa 15 Personen  den Zutritt gleichzeitig erlaubt. Meistens würden aber mehr kommen, und so plant Tom Schurig den Bau eines Unterstandes im Außenbereich, wo sich dann zum Beispiel die Raucher aufhalten können oder im Sommer einfach nur gechillt werden kann. Doch für diesen Unterstand fehlt derzeit das Geld. „Wir suchen noch nach einer Lösung“, sagt Tom Schurig. Die Eröffnung des Jugendtreffs, die für November geplant ist, steht und fällt mit diesem Unterstand. 

Tom Schurig hofft, dass sich weiterhin junge Leute für den Treff engagieren. Es ist ihm wichtig, dass die Altersgruppe der zehn- bis 18-jährigen aufgefangen wird, „dass sie nicht nur im Stadtpark abhängt“. Er sagt: „Wir wollen ihnen einen Platz bieten, wo sie sich treffen können, egal wie das Wetter ist, wo sie quatschen, Musik hören oder Dart spielen können.“ Er selbst hat lange Zeit in Berlin an einem ähnlichen Projekt gearbeitet, jetzt ist der gebürtige Pulsnitzer aber wieder in die Pfefferkuchenstadt zurückgezogen. „Wir können mit so einem Treff auch Problem-Jugendlichen, die es unbestreitbar gibt, eine Alternative bieten“, weiß er aus eigener Erfahrung.

Eine enge Mitstreiterin hat Tom Schurig in Susi Kriegel gefunden, die genauso wie er immer ein offenes Ohr für die jungen Menschen hat. „Wir sind keine Aufpasser, aber jemand Erwachsenes muss den Hut aufhaben. Sonst funktioniert das Ganze nicht“, erklärt Tom Schurig. Große Unterstützung finden die Beiden auch im Netzwerk für Kinder- und Jugendarbeit Bischofswerda, das gleich im benachbarten Haus eine Außenstelle betreibt. 

Und natürlich müssen sich die Jugendlichen selbst engagieren und gewisse Regeln einhalten. Dafür gibt es eine Hausordnung, die sie sich selbst erstellen. „Nur so kann das Projekt gelingen und wir den Jugendtreff noch in diesem Jahr wieder eröffnen“, meint Schurig. Er weiß: Pulsnitz braucht diesen Anlaufpunkt für Jugendliche.

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